⚔️ Die Architektur der Templer

Nicht alle Kirchen, die sich im Besitz der Templer befanden, wurden unter ihrer Leitung gebaut. Oft waren diese Kirchen bereits Teil der Schenkungen, die an den Orden ging. Der Großteil der Templerkirchen im ureignen Wortsinn sind auf einem rechteckigen einschiffigen Grundriss errichtet und haben einen flachen Chor (Gardeny, Mas-Deu, Perpignan in Katalonien, South-Witham in England etc.) oder einen apsidialen bzw. polygonalen Chor (Barcelona in Katalonien, Mücheln in Deutschland). Kirchen auf kreisförmigen oder polygonalen Grundriss sind eine Ausnahme! Trotzdem sind gerade sie es, die immer aufs Neue die Forscher und Esoterik-Begeisterten inspirieren. Der berühmte französische Architekt Viollet-le-Duc erklärte im 19. Jahrhundert quasi dogmatisch, daß es „in jeder Templerkomturei eine Rundkirche gibt“. Selbstverständlich schrieb man daraufhin überall Zentralkirchen den Templern zu, oft ohne jegliches historische Fundament. So zum Beispiel die oktogonale Kirche von Montmorillon, die in Wahrheit eine Kapelle der Johanniter war oder die Rundkirche von Petronell in Österreich, die die Gründung einer lokalen Dynastie war. Die oktogonale Kapelle von Laon wurde demhingegen sicher unter den Templern errichtet — doch ist sie nur eine Kopie der alten Friedhofskapelle St. Marie Madeleine, die sich ebenfalls in Laon befindent! Ebenfalls keine Templerkirche ist die berühmte Eunate auf dem Jakobsweg in Nordspanien: bei ihr handelt es sich um die Stiftung einer adligen Dame für ein Pilgerhospiz; die Urkunde, in der die Templer nicht erwähnt werden, existiert noch heute.

Uneinigkeit herrschte auch über das Modell, welches den Templern für ihre Zentralkirchen gedient haben soll. Man sah in ihnen Kopien des Heiligen Grabes von Jerusalem (Rundkirche mit drei Apsiden und Ambulatorium, bestehend aus 8 Säulen und 8 Pfeilern; in ihrem Zentrum die zunächst oktogonale, später runde Ädikula mit einem rechteckigen Zentrum) oder des Felsendomes, der zur Zeit der Kreuzfahrer den Namen „Templum Domini“ trug (4 Pfeiler und 12 Säulen tragen eine Kuppel; ein oktogonaler Umgang führt um den heiligen Fels). Die europäischen Kirchen, die das Heilige Grab nachahmten waren keine exakten Kopien, aber fast immer findet man in ihnen die Zahlen 8 und 16, Sinnbild für die Ädikula, die Säulen und Pfeiler des Ambulatoriums. Dies ist beispielsweise der Fall bei Sankt Michael in Fulda, einer Heilig-Grab-Kirche des 9. Jahrhunderts, und in der Abteikirche von Charroux aus dem 11. Jahrhundert. Eine Imitation des Heiligen Grabes auf dieser Basis ist die Kirche der Templer in Tomar, Portugal. Die Kirche wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Der Innenraum offenbart ein Oktogon, umgeben von einem Ambulatorium mit 16 Seiten.

Eine Seltenheit sind die Heilig-Grab-Kirchen, die die Zahl 12 in ihren Grundriß aufnehmen: S. Stefano in Bologna aus dem 13. und 14. Jahrhundert zum Beispiel. Die Kirche in Segovia, die dem Heiligen Kreuz geweiht ist (und fälschlicherweise auch oft als Templerkirche bezeichnet wird), besteht aus zwei Etagen mit Ambulatorium auf zwölfseitigem Grundriß. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Kopie des Heiligen Grabes von Jerusalem erbaut, wie es ein Papstbrief ausdrücklich sagt — trotz der offensichtlichen architektonischen Unterschiede.

Die älteste Zentralkirche der Templer ist der „Old Temple“ von London, errichtet um 1135: eine Rotunde unter dem Patrozinium der Heiligen Maria. Der Konstruktionsplan wurde um 1160 beim Bau des „New Temple“ in London wieder aufgenommen. Der „New Temple“ war zunächst eine Rotunde mit zwölf Seiten und einer sechsfachen Säulenstellung im Innenraum.1240 wurde jedoch ein rechteckiger Chorraum angefügt — offenbar genügte ein Zentralbau den religiösen Erfordernissen nur bedingt. Auch der „New Temple“ stand unter dem Patrozinium der Heiligen Maria, Patronin des Ordens. Andere Templerkirchen in England folgten dem Vorbild der Hauptkirche in London: Bristol, nach 1150; Aslackby, um 1164; Garway, um 1180 — die Anzahl der Stützen ist in diesen drei Kirchen aufgrund von Zerstörungen oder Umbauten leider nicht mehr zu rekonstruieren –; Temple Bruer, um 1186: eine Rotunde mit 8 Säulen — die Zahl ist eine Inspiration der Johanniterkirche von Clerkenwell!–; und schliesslich Dover, um 1185, mit 6 Säulen. Der Plan einer Rotunde mit 6 Säulen wurde selbst von den Johannitern in ihrer Kirche von Little Marplestead übernommen. Aber die berühmteste Nachfolgerin des Londoner „New Temple“ war die Templerkirche von Paris, erbaut um 1160. Der „Temple“ von Paris reproduziert den Grundriss der Londoner Kirche bis ins Detail: eine zwölfseitige Rotunde mit 6 Pfeilern im Innenraum. Anfang des 13. Jahrhunderts fügte man einen rechteckigen Chorraum an, und Ende des 13. Jahrhunderts erweiterte man diesen Chor noch mit einer Apside. Ein polygonaler Bau war möglicherweise auch die Kirche der Komturei von Perpignan – es existiert hier nur eine Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert. Der letzte zentrale Kirchenbau der Templer wurde im Heiligen Land errichtet, in der Festung des Château Pélerin zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Die heute zerstörte Kapelle hatte einen polygonalen Grundriss, wahrscheinlich mit zwölf Seiten. Sie war nur ein Anbau an der rechteckigen Konventskirche der Festung.

In den Grenzgebieten christlicher Herrschaft, wie dem Heiligen Land, den spanischen Königreichen und Portugal, wurden unter der Ägide der Templer auch Burgen gebaut, bzw. bestehende Befestigungen weiter ausgebaut. In dieser Militärarchitektur nahmen sie Entwicklungen sowohl des Burgenbaus aus Europa als auch Palästina auf.

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