⚔️ Komturei Prag (Tschechien)

Die Prager Templerkomturei bei St. Laurentius wurde wahrscheinlich zwischen 1230 und 1238 gegründet. Erwähnt wird sie in mehreren Urkunden, sowie im Dresdener Manuskript der „Zweiten Fortsetzung der Chronik des Kosmas“ von 1340 und der „Chronik Neplachov’s“ von 1371. Laut der 1718 erschienenen „Böhmischen Chronik“ Wenceslaus Hájeks war es König Wenzel I. selbst, der 1249 dem Orden die St. Laurentiuskirche schenkte. Das vorhandene Gotteshaus (übrigens der Legende nach eine vom Hl. Wenzel errichtete Rotunde) wurde umgebaut, damit es den neuen Erfordernissen gerecht wurde, und ausserdem eine Klosteranlage für die Ordensbrüder errichtet. Diese Arbeiten dauerten bis in das Jahr 1253. Die „Böhmische Chronik“ nennt als Verantwortlichen für die Bauarbeiten einen ‚Obersten Meister des Ordens‘ namens Peter Ostrew. Möglicherweise handelt es sich um den Komtur der Prager Niederlassung. Unter dem folgenden Provinzmeister Peter Berka seien die Klostergebäude erreichtet und der Komplex „Jerusalemkloster“ genannt worden.

Erst auf das 18. Jh. (Jaroslaus Schaller) geht die Annahme zurück, dass sich weitere Besitzungen in der Langen Straße befunden haben könnten, wo sich „kapellenähnliche Kellerstrukturen“ befanden. Ein „Zum Templ“ genanntes Haus in der Templerstraße, in dessen Keller sich die Templer nach Auflösung des Ordensversammelt haben sollen, wird in der „Geschichte Prags“ von E. Ruth (1922) erwähnt. Die Bezeichnung in templo taucht bereits 1363 in einer Urkunde auf. Anfang des 18. Jhs. vermutete man hier die erste Prager Niederlassung mit Kirche St. Paul und einem Krankenhaus – gesicherte Nachweise über Ordensbesitz gibt es jedoch nicht. Einer angebliche Niederlassung am Altstädter Ring, zugeschrieben aufgrund eines „Templergemäldes“, ist jegliches historische Fundament abzusprechen.

Am 07.09.1294 gab König Wenzel seine Einwilligung zum Verkauf des Gutes Wodochot (=Odolena Voda), der durch Provinzmeister Ekko und die Brüder von St. Laurentius mit dem Prager Erzbischof Tobias abgeschlossen worden war. Über den Erhalt der Kaufsumme wurde dem Erzbischof eine Quittung ausgehändigt, die der Provinzmeister für Deutschland, Slavien, Böhmen und Mähren, zu dieser Zeit Betram von Esbek, am 25.05.1295 ausstellte. In ihr wird Bruder Ekko, amtierender Komtur von Scheikwitz und Aurschinewes , als durchführender Verkäufer und Geldempfänger benannt. Zur Niederlassung in Prag gehörte ein Hof im damaligen Dorf Rudgerslag ( = Riegerschlag, tsch. Lodherov), der den Templern von Ritter Ulrich II. von Neuhaus 1297 geschenkt wurde.

Nach der Aufhebung des Templerordens fiel auch die Prager Komturei an die Johanniter, wo der Besitz jedoch nur kurz verblieb. Bereits am 09.05.1313 verkaufte der Johannitermeister Berthold den Templerhof an die Dominikanerinnen, die bisher bei St. Anna gewohnt hatten. Anfang 1321 begannen die Dominikaner mit dem Umbau der Templerkirche, den sie nach 1339 vollendet haben. Die Templerkirche St. Laurenz wurde abgerissen und an ihrer Stelle die große gotische Kathedrale St. Anna erbaut. Von den Vorgängerbauten legen nur archäologische Funde aus dem Jahren 1956/7 noch Zeugnis ab. Um die Restaurierung der St. Annakirche kümmert sich heute eine ökumenische Stiftung.

1867 gab Prokop Chocholoušek in seinem Templerroman eine fantasievolle Beschreibung des längst nicht mehr existierenden Prager Templersitzes: ,,Es war ein großes Haus, quadratisch, auf den ersten Blick ein wunderschöner Palast, aber wer sein Äußeres genau betrachtet, wird bald erkannt haben, dass es eine extrem starke Festung ist, eine fast uneinnehmbare. Alles, was als Dekoration diente, war in der Hauptsache zum besseren Schutz des Palastes; zahlreichen Türmchen, sehr schön gebaut, waren Aufenthaltsorte für Bewaffnete, von dort aus könnten sie mit Waffen den Feind bekämpfen; selbst der große Turm mit der großen goldenen Kuppel hatte den Zweck, dass von der Höhe die Umgebung beobachtet werden konnte, und wenn erforderlich, könnten militärische Mittel zum Einsatz mit zusätzlichem Vorteil kommen. Das Dach war flach, mit einem hohen festen Geländer, hinter ihm patroullierten Wachen, die nur vom Kopf bis zur Brust gesehen werden konnten. … Über dem Tor schmückte eine Reihe von Marmorsäulen, in ein Wandschild waren zwei Ritter auf einem Pferd reitend eingeschnitzt, und oben auf dem Hauptturm wogten im Winde schwarz-weiße Banner, auf denen in der Sonne die goldene Inschrift funkelte: „Nicht uns, oh Herr! Nicht uns, sondern zur Ehre Deines Namens!“ Das war Jerusalem, der Haupthof der Templer, der Sitz des Böhmisch-Mährischen Großmeisters…. Das Burgtor führte auf einen großen quadratischen Vorhof, von dort begann ein niedriger gewölbter Durchgang, der in einem kleineren Hof endete. An allen Seiten des großen Vorhofs waren breite Steintreppen, die in die große Halle mündeten, rund um das Haus verliefen, sich auf den Vorhof öffneten und mit niedrigem Gitter-werk mit Spalten in römischem Stil ausgestattet waren, auf ihnen ruhte ein zweiter Himmel, von da führte eine Tür in die Haupthalle und zu den Kammern des Großmeisters.“

Eine Skurrilität: die angeblichen Templer/Freimaurergemälde mit geheimen Symbolen, die im 19. und 20. Jahrhundert für einige Aufregung sorgten, waren um 1810 nach den Entwürfen des letzten Besitzers des Gebäudes angefertigt worden, der dieses dadurch touristisch aufzuwerten gedachte.

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