⚔️ Der Fluch des letzten Großmeisters

Die Legende, Jacques de Molay habe bei seinem Tod auf dem Scheiterhaufen sowohl den Papst als auch den König und seine Helfershelfer binnen Jahresfrist vor den Richterstuhl Gottes befohlen, stammt aus den De Rebus Gestis Francorum des Chronisten Paul Émile aus dem Jahr 1548. Sie geht auf eine weniger spezifische Rachepassage aus Geoffroy de Paris‘ Chronique Métrique des 14. Jh.s zurück, in der Molay auf dem Scheiterhaufen gesagt haben soll, dass Gott an jenen, die die Templer zu Unrecht verurteilt hätten, Rache üben würde.

Anlaß zur Legendenbildung hatte wohl der für die Zeitgenossen überraschende Tod des französischen Königs (29. November 1314), des Papstes (20. April 1314) und letztlich das Aussterben der gesamten Familie innerhalb nur weniger Jahre gegeben, die im Blickwinkel der mittelalterlichen Religiosität und des Rechtsverständnisses als göttliche Strafe aufgefasst wurde.

Der Fluch blieb schon aufgrund seines dramaturgischen Potentials eine beliebte Ingredienz künftiger Geschichtsschreiber und Verschwörungstheoretiker. Im Klima des Kampfes zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung des ausgehenden 18. Jahrhunderts und der französischen Revolution trieben die gegenseitigen Verdächtigungen um das Wirken von Geheimgesellschaften – unter ihnen die Templer – abenteuerliche Blüten. Die 1796 veröffentlichte Schrift „Le Tombeau de Jacques de Molay“ (Das Grab des Jacques de Molay) sah in der französischen Revolution und der Hinrichtung des Königs das Werk einer insgeheim seit Jahrhunderten auf Rache sinnenden Templergesellschaft.

Auch Romanautoren nahmen sich des Themas an. Die bekannteste dieser Adaptionen dürfte Maurice Druons dreiteilige Reihe Les Rois Maudits sein, die zwischen 1955 und 1977 erschien und auch verfilmt wurde.

Schreibe einen Kommentar