Der Priester und hartnäckige Kirchenkritiker Hans Küng ist tot

Hans Küng, Priester und Fürsprecher eines interreligiösen «Weltethos», ist im Alter von 93 Jahren in Tübingen gestorben. Der 1928 im schweizerischen Sursee geborene Professor entwickelte sich im Lauf seiner Karriere von einem Theologen der katholischen Kirche zu einem Theologen der Welt – obwohl seine Mission, die Kirche zu Reformen zu bewegen, scheiterte. Küng wird der Theologie beider Konfessionen im Gedächtnis und der durch Krisen erschütterten katholischen Kirche eine Mahnung und ein «Stachel im Fleisch» bleiben.

«Der Papst ist nicht unfehlbar», sagte Küng im Sommer 1969 bei einem Seminar über sein Buch «Die Kirche». Seine mit grossem Pathos vorgetragene Kirchen- und Theologiekritik löste damals eine Erschütterung aus, die bis heute anhält. Die Kirche habe eine umfassende Reform der Lehre und der Organisation bitter nötig, konstatierte er. Der Vatikan sah das anders: In Rom legte man eine Akte über Küng an und versuchte immer wieder, ihn zu disziplinieren – ohne Erfolg. Viele seiner Bücher, darunter «Christ sein» (1974) und «Existiert Gott?» (1978), wurden internationale Bestseller.

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