⚔️ Der Reichtum des alten Templerordens

Man muss das Ganze als eine Revolution sehen, die versucht,
in dem sozialen Chaos des Hochmittelalters eine logische,
humane Regel wiederherzustellen. Ihre noch heute gültige
4 «Die Kabbala zu reiten», hier: sich in den Geheimzeichen der Kabbala
auskennen.

Konzeption stammt aus dem Altertum. Mit all diesen humanitären
Aktivitäten wollte Bernhard den Templerorden
verbinden, um gleichzeitig der Organisator, der Schiedsrichter
und ihr Behüter sein zu können. Ein sehr mächtiger, wenn
nicht sogar ein allmächtiger Schiedsrichter! Denn seine Macht
beruht auf einer seiner Ordensregeln, von der noch nicht gesprochen
wurde: der Bereicherung.

Diese Bereicherung war von Anfang an gewollt. Der Orden,
sagt diese Regel, kann Ländereien besitzen, ihm gehören freie
Männer und Leibeigene an, um die Ländereien nutzbar zu
machen. Er kann Häuser besitzen und einen Teil der kirchlichen
Einnahmen behalten.

Dies war nicht ungewöhnlich. Alle mönchischen Gemeinschaften
konnten zu dieser Zeit Vermögen bilden, und ihre
Äbte konnten selbstherrlich über das Vermögen ihrer Abteien
verfügen.

Nicht so beim Tcmplerorden. Kein Grossmeister konnte ohne
Zustimmung der Stiftsversammlung über das Vermögen
des Ordens verfügen! Mehr noch: wenn die Stiftsversammlung
über die Vergabe von Gütern des «Tempels» entschieden
hatte, dann durfte der Profit nur dem Orden, niemals
aber seinen Ordensbrüdern zugutekommen.

So wie die Tempelritter im Kampf nie Pardon verlangen
dürfen (auch dies stammt vom «Roten Zweig»), dürfen sie
sich auch aus der Gefangenschaft nicht durch Lösegeld freikaufen.
«Keinen Sol, kein Mauerstück, keinen Zoll Boden»
dürfen sie geben, sagt die Regel. Deshalb wurden – von wenigen
Ausnahmen abgesehen – gefangene Templer immer hingerichtet.
«Ich kann nur», sagt ein gefangener Grossmeister, «meinen
Gürtel und meinen Dolch als Lösegeld geben», was dasselbe
bedeutet wie «Ich kann nur versprechen, nicht mehr zu
kämpfen.» Ein Grossmeister, der so befreit wurde, reicht seine
Entlassung ein und wird «Grossvisiteur», d. h. er kämpft nicht
mehr.

Der Chronist Joinville5 erzählte die folgende Episode: Als
König Ludwig IX. in der Schlacht von Mansura gefangengenommen
wurde, verlangte man für seine Freilassung ein sehr
hohes Lösegeld. So hoch war die Summe, dass es unmöglich
war, sie in kurzer Zeit aufzubringen. Aber Frankreichs König
durfte nicht in den Händen der Heiden bleiben. Joinville
wendet sich an den Schatzmeister des Templerordens, um
sich die nötige Summe vorstrecken zu lassen. «Weder kann
ich», sagt der Schatzmeister, «noch darf ich ohne die Vollmacht
des Grossmeisters!» Da Joinville ihn jedoch mit seiner
Streitaxt bedrohte, fuhr er fort: «Aber ich habe keine Befugnis,
mich gegen Sie zu verteidigen, somit muss ich der Gewalt
nachgeben.» Damit unterstrich er, dass ihm, nur weil er durch
Gewalt gezwungen wurde, nichts anderes übrigblieb, als das
Lösegeld für den König auszuhändigen.

So, wie es Joinville erzählt, klingt es wie ein Schwank, aber es
zeigt, wie strikt die Regel, die die Güter des Ordens betraf,
befolgt wurde.

Immer wieder finden wir Belege, dass der Reichtum des Ordens
jenen Projekten zugute kommt, für die der heilige Bernhard
Geld und Gold angelegt haben will . Er will den reichen
Orden – ohne jede Limitierung.

Interessant, dass Bernhard in der gleichen Zeit, oder kurz danach,
allen Zisterzienserabteien verbietet, Häuser, Menschen
5 Joinville, Jean: 1225-1317, Seneschall der Champagne, begleitete den
König auf dem Kreuzzug.

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