Die Inflation ist nur ein temporäres Phänomen …

… dieses Mantra verbreitete die Europäische Zentralbank (EZB) noch Ende vergangenen Jahres fast gebetsmühlenartig. Nun wissen alle, dass es anders gekommen ist. Die Reaktion der Notenbanker: Sie hoben den Leitzins für die Eurozone seit diesem Sommer wieder deutlich über die Nulllinie (1.5 Prozent). Zum Vergleich: Die US-Notenbank (Fed) startete nicht nur früher mit dem Zinserhöhungszyklus, sondern ist auch schon viel weiter vorangekommen. In den USA liegt der Leitzins mittlerweile bei 4.0 Prozent! Nun lässt die EZB-Chefin Christine Lagarde (auch schon „Madame Inflation“ genannt) mit der nächsten Platitüde aufhorchen: „Die Inflation darf sich nicht festsetzen“. Bei soviel Chuzpe verschlägt es einem die Sprache. Seit Jahresbeginn waren die europäischen Währungshüter monatelang untätig, bevor sie der immer weiter schwächelnde Euro quasi zum Handeln nötigte.

Exemplarisch für dieses Zögern und Zaudern steht die EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Formal ist die EZB unabhängig. Aber kann sie das mit einer langjährigen französischen Ex-Finanzministerin an der Spitze wirklich sein? Der Verdacht liegt nahe, dass die EZB mit Rücksicht auf die hohe Verschuldung der Euro-Südländer die Zinsanhebung viel zu lange hinausgezögert hat.

Ein Blick in die Depots der EZB-Ratsmitglieder nährt unsere Zweifel an deren volkswirtschaftlicher Kompetenz. Mehr als die Hälfte der Mitglieder haben keine Kapitalmarktanlagen, also weder Aktien noch Anleihen noch Fonds in ihren Depots.

Und Christine Lagarde herself? Sie vertraut bei ihrer privaten Geldanlage einem Mischfonds der französischen Privatbank Oddo BHF. Diese Geldanlage brachte ihr in den vergangenen drei Jahren nach Kosten durchschnittlich weniger als 0.1 Prozent Rendite. Kein Zweifel, die europäischen Notenbanker befinden sich im zinspolitischen Blindflug. Etwaige Inflationsprognosen der EZB-Ratsmitglieder geniessen wir deshalb mit äusserster Vorsicht. Die fehlende Kapitalmarktexpertise des Gremiums erhöht die Wahrscheinlichkeit eines weiteren „policy errors“ ganz erheblich

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