Evergrande ist nur das jüngste Beispiel: Warum die chinesische Regierung in fast allen Lebensbereichen durchgreift

Das ist passiert: Die Turbulenzen um den hochverschuldeten chinesischen Immobilienkonzern Evergrande haben diese Woche ein mittleres weltweites Börsenbeben ausgelöst. Die mögliche Pleite des Konzerns hat das Zeug dazu, Chinas Wirtschaft ernste Probleme zu bereiten. In dieser Woche steht für Evergrande ein wichtiger Stichtag an: Der Konzern muss Zinsen in Höhe von 83,5 Milliarden Dollar auf eine US-Dollar-Anleihe zahlen. Sollte Evergrande seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, sind weitere Turbulenzen programmiert.

Das ist der Hintergrund: Die chinesische Führung reguliert immer mehr Wirtschaftssektoren und Lebensbereiche, so auch die Immobilienbranche. Der Bauboom ist eine wichtige Stütze der chinesischen Wirtschaft, und lange expandierte Evergrande aggressiv auf Kredit. 2020 beschloss die Regierung jedoch Massnahmen, um die Verschuldung zu bremsen. Damit begrenzte sie unter anderem die Ausgabe von Hypothekenkrediten und vergab weniger Bauland. Hochverschuldete Immobilienkonzerne wie Evergrande sind aber auf einen konstant hohen Umsatz angewiesen. Versiegt wie nun eben der Cashflow, kommen Probleme auf.

Darum ist es wichtig: Strengere Vorschriften für Immobiliengeschäfte, immer neue Eingriffe bei Unternehmen, Fesseln für das kulturelle Leben und weitgehend geschlossene Grenzen – der neue Kurs der Kommunistischen Partei zeigt vor allem eines: Das Reich der Mitte blickt immer mehr nach innen, und Ideologie ist neuerdings wichtiger als wirtschaftlicher Pragmatismus. Hintergrund

So ist die Lage am Evergrande-Hauptsitz: Bei der Zentrale des chinesischen Immobilienkonglomerats in Shenzhen äussert sich die Krise durch ein grosses Polizeiaufgebot. Erst will sich kein Evergrande-Mitarbeiter äussern, dann laden zwei Vertreter zum Tee. Einer sagt: «Wenn die Regierung uns helfen würde, wäre das gut.» Zum Bericht

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