Existierte der Templerorden schon vor seiner Gründung?

Eine Frage bleibt: Wie kam der Orden im Abendland zu
einer so eingespielten Organisation, wenn man – wie es die
meisten Historiker tun – davon ausgeht, d ass seine Gründung
allein das Werk der ersten neun Ritter war?
Die Antwort kann nur sein, dass sich der Orden nicht nach
und nach organisierte, sondern dass er nach einem vorhandenen
Plan aufgebaut wurde. Die Rekrutierung, die Hugues de
Payns und seine Ritter nach dem Konzil zu Troyes betreiben,
bringt dem Orden nicht nur Kampftruppen, sondern auch
Verwalter. Als Hugues 1130 ins Heilige Land zurückgeht, um
dort die Truppe aufzubauen, hatte er weder Zeit noch Mittel,
um die neun abendländischen Provinzen zu organisieren.
Zurück bleiben nur Payen de Montdidier als «Meister in
Frankreich» und – laut Marion Mclville – Geoffroy Bisot im
Langucdoc. Was aber war mit den anderen Provinzen?
Kaum anzunehmen, dass die soeben gewählten Männer schon
fähig waren, sie zu organisieren! Viel glaubhafter ist, dass der
Orden in Frankreich schon vorher heimlich existierte, und
auch die gedanklichen und finanziellen Vorbereitungen für
seine Ziele müssen vor seiner offiziellen Gründung bereits begonnen
haben. Beweise dafür sind die Schenkungen, die dem
Orden schon vor seiner Gründung gemacht wurden, j a , einige
sogar vor der Rückkehr der neun Ritter aus dem Heiligen
Land!
Die Königin Maria von Portugal schenkte am 19. März 1128
dem Templerorden das Schloss und den Titel eines «Soure auf
dem Mondego».
Das waren keine milden Gaben, die man den «armen»
Wächtern der Pilgerstrassen im Heiligen Land gab, damit sie
sich ernähren konnten, sondern Gebiete, die es zu organisieren
und zu besetzen galt! Dies gilt auch für die Schenkung
eines Gebietes nahe Azay-sur-Chcr, das 1127 Foulques d ‚ Anjou dem Orden vermachte. Ausserdem zeigt der Überfluss der
Schenkungen klar, dass dies alles wie ein Feldzug betrieben
wird – und zwar nicht durch die Ritter, die j a nicht im Lande
sind – , der aber zweifellos für sie organisiert wird, damit sie
später aus diesen Gebieten Vorteile ziehen.

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