Franz von Assisi…

… ist kein Verächter des Islam als Religion. Nirgendwo
trifft man in seinen Schriften auf eine für den Islam
verletzende Aussage, was zu seiner Zeit höchst selten ist. Zwar
können wir bei Franziskus keine inhaltlichen Kenntnisse über
den Islam voraussetzen, aber statt eines intellektuellen Zeugnisses
gibt dieser Mann ein Zeugnis des Lebens. Seine Regel
schreibt vor, gegenüber Menschen anderen Glaubens „weder
Zank noch Streit“ zu beginnen, sondern jedem Menschen „Untertan“
zu sein, Akte also der Unterwerfung und Demut zu begehen.

Hier liegt auch der Grund, warum Franz allen Versuchen,
innerhalb seines Ordens Märtyrer auf Kosten des Islam
zu glorifizieren, distanziert gegenübersteht. Abgeschreckt hatte
ihn der Fall von fünf Ordensbrüdern, die in Marokko das
Martyrium gesucht hatten und es prompt bekamen, als sie sich
gegenüber dem Glauben der Muslime diffamierend geäußert
hatten. Anders Franziskus, dessen Begegnung mit dem Sultan
offensichtlich „glimpflich“ verläuft. Franziskus ist ja auch nicht
als offizieller Abgesandter der Kirche oder des Militärs gekommen.

Seine „Mission“ hatte persönlichen Zeichencharakter. Offensichtlich
auf eigene Gefahr nähert er sich dem Lager der
Muslime und predigt ihnen tagelang das Evangelium, zunächst
ohne jede Reaktion. Dann muss er vor den Sultan geführt worden
sein. Nach einer glaubwürdigen zeitgenössischen Quelle
(Jakob von Vitry) hat Franziskus sogar die Zuneigung des muslimischen
Herrschers gewonnen, vor allem wohl auf Grund
seiner menschlichen Liebenswürdigkeit. Dieselbe Quelle weiß
auch zu berichten, der Sultan habe „einige Tage lang“ mit großer
Aufmerksamkeit der Predigt des Franziskus zugehört, dann
aber befürchtet, es könnten Leute aus seinem Heer bekehrt werden
und zu den Christen überlaufen. Er soll Franziskus mit den
Worten verabschiedet haben: „Bitte für mich, dass Gott das Gesetz
und den Glauben, der ihm mehr gefällt, mir zu offenbaren
geruhe.“ Dann habe er Franziskus sicher und ehrenvoll in
das Lager der Christen zurückgeleiten lassen. (Zit. nach H. Feld,
Franziskus von Assisi, 87)

Kritische Franziskus-Biographen von heute stellen denn auch den
wesentlichen Unterschied des Franziskus zu Missions-Praktiken
seiner Zeit heraus. Bei Gert Wendelborn liest man:
„Sein Missionsversuch hatte gerade zu diesem Zeitpunkt zeichenhafte
Bedeutung. Dem bewaffneten Kampf gegen Nichtchristen stellte er
bewusst die wehrlose, ausschließlich friedliche Predigt entgegen, was
kein anderer außer den Minoriten damals zu tun bereit war“

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