Gedanken am 19. November

Nach unserer normalen Anschauung gibt es verschiedene
»Schwierigkeitsgrade« des Vergebens. Dem Burschen, der
uns an der Kreuzung die Vorfahrt nimmt, können wir relativ
leicht verzeihen. Bei dem Onkel, der uns in unserer Kindheit
vergewaltigt hat, ist es schon erheblich schwieriger. Jemandem
wie Hitler kann nach Auffassung vieler Menschen überhaupt
nicht verziehen werden. Ein Kurs in Wundern lehrt, ein
Wunder sei eine Veränderung unserer Sichtweise, unserer
Welt-Anschauung. Hat sich diese Veränderung erst ereignet,
sind alle Wunder gleichermaßen möglich. Vergeben ist das
Aufgehen der Betrachtungsweise »wir – und die anderen«
zugunsten einer umfassenden »wir«-Sichtweise. Wenn wir
Hitler als einen Teil unserer selbst wahrnehmen, als eine
weitere »alternierende Persönlichkeit« Gottes, wird das
Wunder der Vergebung grundsätzlich möglich. Aber selbst
wenn wir willens sind, das Möglichsein der Vergebung anzunehmen,
bedürfen wir wirkungsvoller Techniken zur Veränderung
unserer Wahrnehmung, damit sie auch Wirklichkeit
werden kann.
Tägliche Templerarbeit:
Gedankt sei Dir, Göttlicher Geliebter, für die allmähliche
Erweckung, die dem Wunder der Entsühnung gestatten
wird, sich in meinem Herzen zu ereignen. Hilf mir bitte, die
Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß es keine Handlungsweise
gibt, die unverzeihlich wäre, und daß die Reue eine der
wichtigsten Bedingungen für das Wachstum der Seele ist.
Hilf mir auch, den Standpunkt des Richters und Urteilenden
aufzugeben, da ich niemals wissen kann, ob der »Angeklagte
« nicht längst aus tiefstem Herzen bereut hat.
Verweile für ein paar Minuten im Frieden des Gebets der Sammlung
oder der Shamatha-Vipassana-Meditation. Wenn dein Herz
rastlos und bekümmert ist, richte deine Aufmerksamkeit nach
hinten, auf das Westliche Tor deines Körpertempels, und bitte die
Gegenwart Raphaels um Führung und Heilung.

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