Gedanken am 4. Oktober

Ende der 80er Jahre besuchte ich regelmäßig
AIDS-Kranken. Ich las ihnen eine Textstelle aus Eine andere
Wirklichkeit von Carlos Castaneda vor. Sein »Wohltäter«,
Don Juan, will ihm helfen, zu einem Krieger zu werden,
einem Menschen, der achtsam, makellos und stark lebt. Wie
er erklärt, »muß ein Mann, um ein Krieger zu sein, in erster
Linie mit seinem Tod vertraut sein. Und das zu Recht.« Als
ich Don Juans Worte las, kam ich mir irgendwie verlogen
vor: Schließlich hatte ich kein AIDS und war nicht annähernd
so direkt mit meinem Tod konfrontiert wie diese
Menschen. Also fügte ich etwas lahm hinzu, für jeden sei die
Stunde des Todes ungewiß. Schließlich könne ich auf meinem
Heimweg einen Autounfall haben. Was auch prompt
geschah.

Tempelarbeit:
Großer Geist, da ich heute aufwache, erfüllt mich eine ganz
neue Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Möge ich
achtsam durch diesen Tag gehen, dankbar und im Bewußtsein
dessen, daß ich jeden Moment aus dem Traum des
Lebens aufwachen könnte. Ich rufe den Erzengel Raphael
an, daß er mir helfe, wahrhaft lebendig zu werden, indem ich
die Wirklichkeit des Todes annehme.
Atme ein paarmal loslassend durch und lasse dich langsam, geduldig
in den inneren Ort der Stille, das Allerheiligste, gleiten. Richte
deine Aufmerksamkeit nach hinten, auf die westliche Seite deines
Körpertempels, und rufe die Gegenwart Raphaels an. Bitte darum,
daß er dir helfe, im Leben das Bewußtsein des Todes als deinen
Verbündeten zu gebrauchen.

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