Gedanken am 9. Mai

Hildegard von Bingen ist eine weitere christliche Mystikerin,
die ich ganz besonders liebe. Sie lebte im 12. Jahrhundert,
und ihr Werk vereinigt in sich Wissenschaft, Kirnst und
Religion. Hildegard liebte und verehrte die Natur, die sie als
den getreusten Spiegel der göttlichen Schöpferkraft ansah.
Sie schrieb: »Die Erde ist zugleich Mutter, sie ist die Mutter
alles Natürlichen, Mutter alles Menschlichen. Sie ist die
Mutter von allem, denn in ihr sind die Samen von allem
enthalten. Die Erde der Menschheit birgt alle Feuchtigkeit,
alles Grünen, alle Keimkraft in sich. Sie ist in vielfältigster
Weise fruchtbar. Alle Schöpfung geht aus ihr hervor.«

Tempelarbeit:
Der Kraft der Natur, also des Mutterprinzips, können wir durch
Dankbarkeit gewahr werden. Schließe die Augen und atme ein
paarmal loslassend durch. Erinnere dich an einen heiligen Augenblick,
der dir einmal in der Natur zuteil wurde, einen Moment, da
du einem Sonnenaufgang, einer Gebirgslandschaft, der ehrfurchtgebietenden
Größe des Meeres, einer Blumenwiese – oder einer
keimenden Bohne in einem leeren Joghurtbecher – vollkommen
gegenwärtig warst. Rufe dir das Erlebnis mit allen Sinnen ins
Gedächtnis zurück. Was hast du damals gesehen? Hast du irgendwelche
Gerüche wahrgenommen? Irgendwelche Geräusche? Körperliche
Empfindungen? Wind oder Sonne? Bewegung? Spüre
dein Verbundensein mit der Welt der Natur und die Dankbarkeit,
die spontan in deinem Herzen aufwallt.

Schreibe einen Kommentar