Heute ist der Todestag des 16. Templergrossmeister

Hermannus Petragoricensis (Hermann (Armand)von Peragors).
1232(?)-17. Oktober 1244

Über den 16. Grossmeister ist bis zu seinem Amtsantritt wenig bekannt;
nicht einmal sein Name steht fest. Die Chronisten nennen ihn Hermannus
oder Herman (Hermant), und so nennt er sich auch in seinen, allerdings
nur aus Chroniken bekannten Briefen. Wo in Urkunden sein Name mit
A. abgekürzt wird, ist das Original nicht erhalten, oder konnte nicht eingesehen
werden. Sein Herkunftsname: de Pierregort (Peragors, u.a.),
Petragoricensis, wird wohl nicht zu Recht mit „de Perigord“ wiedergegeben.
Nach Dessall Es war Hermann der viertEsohn des Grafen
Hebe V. de Perigord und der Raimonde, Tochter des Vicomte Raimond II. de Turenne; aber er gibt keine Belege. Nach Alberich von Troisfontaines,
dessen Angaben auch über Petrus de Monteacuto unzutreffend
waren, stammte er aus Poitou.

Hermann von Peragors war Meister in Sizilien und Kalabrien, als
Kaiser Friedrich II. ihm im September 1229, also nach seiner Rückkehr
aus dem Orient, in Avellino die Besitzungen der Templer im fruchtbaren
Hinterland der Bucht von Catania bestätigte. Es war wohl die Absicht
des Konvents, bzw. der 13 Templer, die den Meister zu wählen hatten,
einen Ordensritter zum Grossmeister zu erheben, der dem Kaiser genehm,
wie schon Winkelmann vermutet hatte, und durch sein Präzeptorenamt
in Sizilien an den Umgang mit arabischer Bevölkerung gewöhnt und
in der Verwaltung umfangreicher Güter erfahren war. Die Überlegung
erwies sich als richtig. Wenn auch der Ordensbesitz in Sizilien nach dem
Wiederaufflammen der Feindseligkeiten zwischen Kaiser und Papst aufs
neue angegriffen wurde, so waren diese Massnahmen gegen die Kirche,
den Besitz der toten Hand überhaupt gerichtet, sie betrafen ebenso den
Johanniterorden. Der Kaiser bestätigte 1240 seinem „ergebenen und
getreuen“ Präzeptor von Italien, dem Templer Heinricus, die Ordensprivilegien
und sandte 1235 mit anderen Boten auch zwei Templer nach
England zur Brautwerbung um die Prinzessin Isabella. Später, als die
Fronten sich verhärtet hatten, gab der Kaiser im Zorn auf den Papst
den Templern, ihrem Hochmut, ihrer Verweltlichung und ihrem zu nahen
und vertrauten Umgang mit den Muslimen, den der Papst ihm selbst
vorgeworfen hatte, diEschuld an der Niederlage der Christen von 1244.

Nur in Syrien, wo der Waffenstillstand des Kaisers nicht galt, kam es
nach 1232 zu Kämpfen. Gemeinsam mit den fränkischen Baronen unternahmen
die beiden Grossmeister des Templer- und Johanniterordens
einen Beutezug gegen den Fürsten von Hamä, der den Johannitern Tribut
schuldig gehlieben war. Montferrand (Ba’rin) wurde eingenommen und
geplündert. Al-Kämil, der gegen die Seldschuken im Norden zu Felde
gezogen war, vermittelte den Frieden und veranlasstEseinen Neffen, den
Fürsten von Hamä, weiter Tribut zu zahlen. Nichts zeigt deutlicher das
Fehlen einer Herrschergewalt und die Selbständigkeit der Orden: der
Sultan von Ägypten muss bei den Kämpfen der Orden mit ihren muslimischen
Nachbarn intervenieren. Es geschah im eigenen Interesse, um das
Gleichgewicht der Kräfte hier zu erhalten und keine Macht zu gross
werden zu lassen.

Wie zu Anfang des Jahrhunderts nahm der Templerorden die Partei
des Fürsten von Antiochia, Boemunds V., der 1233 seinem Vater gefolgt
war. Mit ihm zog Hermann 1233, um einen Überfall auf Ordensbrüder zu
rächen, gegen den Connetable und Reichsverweser von Armenien Konstantin
de Lampron, der sich indessen heim Herannahen des fränkischen
Heeres zu einem Vergleich bereit fand. Die Johanniter hielten wie zuvor
zu den Herrschern Armeniens, auch zu dem Usurpator Konstantin, der
confrater des Ordens wurde und dem sie, um diese Freundschaft zu erhalten,
die armenische Prinzessin Isabella auslieferten, die auf einer Ordensburg
Schutz gesucht hatte(!).

Die Bündnisse der beiden Orden scheinen jedoch nicht unverbrüchlich
gewesen zu sein. 1235 verbanden sich beide mit den Assassinen gegen
Boemund V., der mit den Johannitern Händel um Maraclea hatte,
die erst 1240 mit Hilfe zweier Templerpräzeptoren Nordsyriens beigelegt
wurden. 1236 zogen beide Orden gegen Konstantin. Diese sich immer
wiederholende Waffenbrüderschaft schloss Händel unter einzelnen Ordensbrüdern
nicht aus, denen man jedoch nicht soviel Gewicht beilegen
sollte, wie noch Riley – Smith es tut. Ein Vertrag beider Grossmeister,
den der Patriarch von Antiochia 1233 bestätigte, nachdem er mit drei
Brüdern aus jedem Orden die Rechtslage geklärt hatte, zeigt die
ausserordentlich verwickelten Verhältnisse in der Grafschaft Tripolis: die
Templer waren verpflichtet, den Vertrag der Johanniter mit Aleppo wegen
Gabala zu halten, und mussten auch das Gebiet um Margat mitbeschützen;
nach Auslaufen des Vertrages sollten sie Gabala von den
Johannitern gegen 1100 Byzantiner in Pacht nehmen, obwohl die Stadt
noch in der Hand der Muslime war; denn später heisst es: Sollte Gabala
von den Christen erobert werden, sollten es beide Orden unter sich teilen,
wie es schon zur Zeit Philipps de Plessis, auf dessen Abmachung Bezug
genommen wird, festgelegt worden war. Verträge, die Gabala betrafen,
mussten beide Orden unterzeichnen. Die Templer sollten die Zufahrtswege
zu Wasser und zu Land benutzen dürfen, ad gravandum Gabulum . . . et
guerram faciendam. Ihre Streitigkeiten mit der Herrschaft Sahyün
(Saona) mussten dagegen beide Orden allein austragen. Auch Venedig
stand mit Sahyün in eigenem Vertragsverhältnis. Dass diese Regelung,
die, was Gabala betrifft, uns unverständlich bleibt, keinen dauernden
Frieden herstellen konnte, wird deutlich. Bündnisse mit Muslimen und
Feldzüge gegen sie auf eigene Verantwortung waren in jener Zeit üblich
geworden. Bei der Beurteilung und der Kritik des Verhaltens beider Orden
im 13. Jahrhundert sollte das nicht vergessen werden.

Auseinandersetzungen zwischen den Orden gab es auch um den Wasserlauf
des Belus südlich von Akko, an dem beide Orden – wohl schon vor
1201 – Mühlen hatten, die der Johanniter bei Recordane oberhalb
von denen der Templer von Castiel Doc, Kh. ed-Douk. Wegen der anderen
Wasserverhältnisse waren die Mühlen im Orient anders gebaut als in
Europa. Die Räder liefen horizontal im tiefsten Teil der Mühle; das
durch einen Steindamm gestaute Wasser wurde ihnen durch einen Schleusenkanal
über eine Gleitbahn mit starkem Gefälle zugeleitet. Damit die
Mühlen beider Orden betrieben werden konnten, bestimmten die Grossmeister
und Konvente beider Häuser 1235, dass die Templer das Wasser
nur bis zu einer Markierung an den Mühlen von Recordane stauen, die
Johanniter aber nicht das Wasser stauen und auf einmal uno ictu ablassen
durften zum Schaden der Templermühlen. Beide durften unterhalb
von Castiel Doc den Belus befahren, die Johanniter aber mussten abladen
bei den Templermühlen und erst oberhalb wieder Schiffe benutzen,
allerdings ohne durch sie den Damm der Templer zu beschädigen. Dies
wurde für beide Partner „für immer“ festgelegt. Die Regelung war
gut; 27 Jahre später kam man darauf zurück, denn die Ordensleute,
die auf den Vorteil ihrer Orden bedacht waren und es sein mussten,
hatten auch weiterhin Streit miteinander. Die Templer hatten zu hoch
gestaut und den Mühlen der Johanniter Schaden zugefügt, die Johanniter
hatten Wasser in ihre Zuckerrohrplantagen abgeleitet und damit die
Templermühlen wegen mangelndem Wasser stillgelegt. Der päpstliche
Legat bekräftigte 1235 auch hier nur, wie im Streit um Gabala, eine
Einigung, die die Grossmeister selbst getroffen hatten. Dass ihre Leute
sich nicht daran hielten, warf ihnen Papst Gregor IX. zornig vor.

Es handelt sich auch hier nicht um einen Streit „der“ Orden, sondern
um Händel zwischen Ordensbrüdern, die, wie die Beispiele zu den
Ordensstrafen zeigen, nur durch harte Strafen zu Gehorsam und Ordnung
erzogen werden konnten. Die folgenden Beispiele gehören fast alle in das
3. oder 4. Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts, wie die darin genannten Ordensritter
erkennen lassen. Es erschien notwendig, in dieser Zeit grössere
Strenge walten zu lassen als noch kurz zuvor. Brüder, die in Atlit nachts
in ihrem Schlafraum „sündigten“ und assen, wurden mit Kerker bestraft.
Ein Bruder, der in Chastelblanc über eine Schäferei gesetzt war,
verlor seinen Hahit, weil er einen Krug Butter nicht angegeben hatte,
desgleichen in Tortosa ein Templer, der auf einen Auftrag erwidert
hatte: „Vielleicht werde ich es tun“; man konnte seines Habits verlustig
gehn, wenn man nur sagte, man wolle zu den Sarazenen überlaufen.
Als bei einem Aufbruch bei Mitternacht Streit entstand und
ein Bruder den andern schlug, verurteilte der Marschall den schuldigen
Bruder, obwohl kein Blut geflossen war, und liess ihn gefesselt nach
Atlit bringen. Mit der Härte der Bestrafung in diesem Fall waren die
alten Ordensbrüder nicht einverstanden: sie war zu Anfang des Jahrhun-
derts offensichtlich noch nicht üblich gewesen. Schuldige Brüder wurden
aus Frankreich trotz der Gefahren und Kosten des weiten Weges
herübergesandt, um vom Grossmeister und Generalkapitel gerichtet zu
werden. Die Aufnahmebedingungen blieben nach den Aussagen im
Prozess bis in die letzten Jahre des Ordens in derselben Härte erhalten.
Doch genügte offenbar die durch sie getroffene Auswahl noch nicht. Den
Oberen des Ordens erschien die Strenge der Zucht notwendig, wohl, weil
dennoch Brüder verschiedenster Herkunft und Erziehung aufgenommen
wurden, die sie vor dem Einfluss der Aussenwelt – in den Orient kamen
auch Abenteurer und wegen eines Verbrechens Flüchtende – nicht genügend
schützen konnten. Übeltäter traten in den Orden, wenn auch nur
für eine bestimmte Zeit, um ihre Schuld abzubüssen. Das Asylrecht des
Ordens gewährte allen Aufnahme; doch Gregor IX. musste 1238 beide
Orden warnen, nicht Mördern und andern Schuldigen Unterschlupf zu
gewähren, die, wie es wiederholt heisst, in den Orient flohen. Auch die
Erlaubnis Honorius‘ III., mit Exkommunizierten Umgang zu haben, cum
expedire videretur, war gefährlich und erklärt auch die immer wieder-
holten Vorschriften und Strafandrohungen, die im Lauf der Jahre der
ursprünglichen Regel angefügt wurden. Doch, eine Ordensgemeinschaft,
die nur durch härteste Strafen zusammengehalten werden kann, ist in
ihrem Kern bedroht.

Es gab ausser solchen schwer in Zucht zu haltenden Brüdern auch
solche wie jener Bruder „Wasser und Brot“, der sich vor lauter Askese
und Fasten nicht auf dem Pferd halten konnte, als man zum Angriff
ritt, – und, um den Meister, echte Ordensritter, rechtschaffene, verständige
Männer (prodomes), für die andere Gesetze galten, denn es
war üblich im Orden, „bei einem prodome aus einem grossen Vergehen ein
kleines“ werden zu lassen, und „bei einem Bruder von törichtem Betragen
aus einem kleinen ein grosses“; „wenn (nämlich) ein prodome des
Hauses von gutem Leben und gutem Wandel in irgendeiner Sache Unglück
hat, weswegen er das Haus (den Orden) oder den Habit verlieren
könnte, so kann man ihn wohl schonen (und zwar so), dass die Gerechtigkeit
des Ordens keinen Schaden nimmt“. Wenn diese Regelung notwendig
und vielleicht weise war, so war sie doch nicht minder gefährlich;
sie züchtete den Hochmut einer Schar von Auserwählten. Und wer traf
die Wahl?

Auch solche milden Urteile sind überliefert. Unter Hermann von
Peragors bekennen sich Brüder der Simonie schuldig; da sie prodomes et
de hone vie sind, ist man unschlüssig, was zu tun sei, und übergibt den
Fall dem Papst, der den Erzbischof von Caesarea mit der Untersuchung
beauftragt. Die Brüder werden absolviert und verlieren ihren Habit;
da sie aber sonst unbescholten sind, werden sie neu aufgenommen. Unter
ihnen sei ein späterer Großmeister gewesen, wie der Verfasser der ‚egards‘
von Augenzeugen erfahren hatte. Kurz vor der Schlacht bei Gaza
wurde zwei Ordensrittern ihre Verfehlung vergeben; sie hatten um das
Provinzialmeisteramt, zu dem beide nacheinander von ihrem Vorgänger
designiert waren, gestritten und beide – der eine in Kastilien und
Leon, der andere in Portugal – amtiert. Auch einem Bruder, der nachts
bei einer Frau gewesen war, wird vergeben, da ihm sonst nichts vorzuwerfen
war. Ein Ritterkomtur Balduin de Beurage, der zuvor Komtur
in Zypern gewesen war, hatte, obwohl gewarnt, leichtsinnigerweise von
Atlit aus Muslime angegriffen und dabei die meisten seiner Leute, dazu
Pferde und Ausrüstung, verloren. Er wurde von Freunden in den Westen
gebracht, bis die ganze Angelegenheit in Vergessenheit geraten war.
Einer der beiden mit ihm entkommenen Brüder ging mit ihm in den
Westen; der zurückblieb, erhielt nie ein Amt im Orden, wurde aber sonst
nicht bestraft.

Auch der Bruder „Hasenmaul“ (Bouche de lievre), wohl ein sergens-
Bruder, obwohl Komtur des Templerhauses in Paphos auf Zypern, wurde
absolviert. Er hatte zwar 200 Besanten mehr, als ihm zugestanden
worden war, für die Instandsetzung seines Hauses verwendet, aber wegen
seines guten Wandels wurde ihm die Strafe erlassen. Es wurde also nicht
auf den Stand gesehen; auch ein sergens-Buder konnte ein prodome
sein. Das ist um so mehr bemerkenswert, als in dieser Zeit sich auch im
Orden die Stände stärker gegeneinander abschlössen, trotz des vorgeschriebenen
höfischen Verhaltens, „belement et en pais“, der Ritter
auch gegen die dienenden Brüder. Die religiösen und gottesdienstlichen
Gebote, die drakonischen Strafen und der Versuch einer Erziehung zum
höfischen Leben stehen in einem merkwürdigen Verhältnis zueinander,
das nicht weniger widerspruchsvoll ist, als die gemeinsamen Aktionen der
Grossmeister und die blutigen Fehden der Brüder beider Orden miteinander
und als der Wechsel von Verträgen mit den Muslimen mit
räuberischen Überfällen auf sie.

An den anhaltenden, schweren Kämpfen der Barone des Landes mit
dem Statthalter des Kaisers in den 30 er Jahren hatten die Orden keinen
Anteil. Der Papst bat die Grossmeister vielmehr um ihren Beistand zur
Aussöhnung der Parteien. Im selben Jahre, 1232, bemühten sie sich
auch mit den anderen geistlichen Fürsten um eine Einigung zwischen
König Heinrich I. von Zypern und dem Erzbischof von Nicosia. Immer
wieder mahnte der Papst zum Frieden. 1235 ging er so weit, dass er die
Grossmeister bat, den Statthalter Friedrichs II. zu unterstützen.
Beide Grossmeister enthielten sich der Parteinahme und suchten
sich herauszuhalten, da eine Einigung nicht erreicht werden konnte.

Ihre Sympathie gehörte, wie es verständlich ist, den Baronen. Beide
Orden -Templer und Johanniter – unterstützten die Ibelins mit Geldmitteln,
damit sie ihre Truppen unterhalten konnten. Sie kauften ihnen
Land ab. Die beiden von den Templern erworbenen Güter Cafarlet (Ha-
Bonim) und Arames (Khirbet Hermesch) lagen im Hinterland von Atlit.
Johann d‘ Ibelin, das ungekrönte Haupt des Widerstandes gegen den Kaiser,
trat, wie erwähnt, kurz vor seinem Tode, 1236, in den Templerorden.
Die Templer schlossen die Tore ihrer Burg von Gastria auf Zypern vor
dem kaiserlichen Grafen Walther von Manupello, aber ebensowenig
gewährten sie Balian d‘ Ibelin Einlass in ihr Haus Montcocq bei Tripolis:
um seinetwillen wollten sie sich nicht mit den Leuten des Kaisers verfeinden.

Ein Überfall der Templer auf Herden von Turkomanen nach dem
Tode des Sultans von Aleppo, 1236, der einen unmündigen Sohn hinterliess,
brachte ihnen grosse Beute, löste aber einen Vergeltungszug von Aleppo
und Damaskus aus. Wenn Boemund V . nicht die Muslime zum Abzug
bewogen hätte, hätten sie Baghräs erobert. Bald darauf rüsteten
die Templer, 1237, „die danach trachten, Muslime und Franken zu beherrschen“,
wie Kamäl ad-Din sagt, zur Eroberung der Burg Darbsäk,
die ihnen ehemals gehörte. Christen, die in der Burg gefangengehalten
wurden, warnten sie vor der feindlichen Übermacht, der sie nicht gewachsen
seien. Der Komtur von Antiochia Guillaume von Montferrat
(Montferrand ?) und sein englischer Bannerträger wagten mit ihren Leuten
den Angriff; alle wurden erschlagen.

Verträge boten immer nur eine beschränkte Garantie. Bald nach dem
Abzug Kaiser Friedrichs II. wurden Pilger auf dem Wege nach Jerusalem
überfallen; die Pilgerstrassen blieben unsicher. 1238 ermahnte Gregor IX. die Templer, wieder ihres alten Amtes, der Bewachung der Pilgerstrasse
vom Meer nach Jerusalem, zu walten. Dass allerdings das Amt des
Komturs von Jerusalem, dem dieses Pilgergeleit oblag, besetzt war,
obwohl Christen 1229 nach Jerusalem zurückkehrten, ist unwahrscheinlich.
Die Templer hatten die Aqsä-Moschee nicht zurückerhalten.

Der Tod al-Kämils am 8. März 1238 und die Uneinigkeit seiner Erben
eröffnete die Möglichkeit des glücklichen Ausgangs eines neuen Kreuzzuges.
Seit Jahren hatte Gregor IX. dazu aufgerufen. Der Vertrag mit
al-Kämil lief erst 1239 aus, aber schon im Herbst 1237 baten die Grossmeister,
die Prälaten und weltlichen Fürsten des Landes den Grafen Thibaud IV., Graf von der Champagne und König von Navarra, sein Kreuzzugsversprechen
einzulösen, da sich die Muslime nicht an die Verträge
hielten. Der Kaiser förderte die Kreuzfahrer. Der Papst hielt sie zurück,
um nicht die Parteigänger des Kaisers zu unterstützen. Er sandte Kreuzfahrer
nach Konstantinopel und verwendete, hoch verschuldet, zum
ersten Mal auch Kreuzzugsgelder für seinen Kampf gegen den Kaiser.
Wenigstens war ein lange währender Streit mit der Stadt Marseille, der
Templern und Johannitern schweren Schaden zugefügt hatte, jetzt
beendet. 1233 bewilligte die Stadt ihnen, jährlich zwei Schiffe mit je
1.500 Pilgern aus ihren Häfen auslaufen zu lassen; Waren für ihren eigenen
Bedarf durften sie frei verschiffen. Das grössere Geschäft aus den
Pilgerfahrten und Kreuzzügen wünschte die Stadt selbst zu machen. Die
„armen Leute“, die diesmal keine Kreuzzugsgelder erhielten, mussten
in Marseille umkehren. Eine religiöse Begeisterung aller Volksschichten,
wie sie Urban II. zu erwecken verstanden hatte, existierte nicht mehr.
Wenn aber ein mittelloser, kriegsunkundiger Mann bereit war, das
Kreuz zu nehmen, erfuhr er Zurückweisung und Verachtung.

Am 1. September 1239 landete ein erlesenes Heer in Akko. Man sprach
vom „Kreuzzug der Barone“.

Der unbesonnene Plan, das „reiche“ Damaskus zu erobern und zuvor
Askalon zu befestigen, scheint von den Kreuzfahrern ausgegangen zu
sein. Die Ordensmeister und die Ibelins waren nicht zugegen, als dieser
Beschluss gefasst wurde. Ein erfolgreicher Beutezug des Herzogs von
der Bretagne, Pierre Mauclerc, veranlasste den Grafen Heinrich von Barle-
Duc es ihm nachzutun. Ohne auf den Rat der Ordensmeister und der
Barone des Landes zu hören, rückte er mit seinem Heer in die Gegend von
Gaza vor, obwohl er den Standort und die Stärke der muslimischen
Streitkräfte und das Gelände nicht kannte. Er wurde am 13. Sept. 1239
vernichtend geschlagen. Nach der Ankunft der Kreuzfahrer oder infolge
dieser Niederlage besetzte an-Näsir Däwüd, Herr von Transjordanien,
Jerusalem. Er gewährte den Verteidigern des Davidsturmes,
der einzigen Befestigung der Stadt, nach kurzer Belagerung freien Abzug.
Der Kaiser hattEsein Versprechen, die Sadt mit Mauern zu versehen,
nicht erfüllt, vielmehr nicht erfüllen können. Die Orden hatten
keine Verantwortung für die „geteilte Stadt“ übernommen.

Ein Bündnisangebot des Fürsten von Hamä, der mit seinen ajjübidischen
Verwandten verfeindet war, erwies sich als unaufrichtig. Auch
Hermann von Peragors hatte seinen Versicherungen, Christ werden zu
wollen, Glauben geschenkt. Das Herannahen des christlichen Heeres
unter dem Grafen Thibaud genügte der Absicht des Emirs, seine Feinde
abzuschrecken. Auch die von Norden heranrückenden Chwärizmier mögen
die Ajjübiden von einem Angriff auf Hamä abgehalten haben. Jedenfalls
erwies sich auch dieser Zug Thibauds als vergeblich.

Der derzeitige Herr von Damaskus as-Sälih Ismä’il, ein jüngerer Bruder
al-Kämils, machte den Christen ein echtes Bündnisangebot; für
ihren Beistand gegen Ägypten gab er ihnen Safed und Beaufort, vielleicht
das ganze Galiläa – ein Gebiet, das de iure zu Ägypten gehörte – und
eine Art Kondominium in Sidon und Tiberias. Zu einem gemeinsamen
Feldzug gegen Ägypten kam es aber daraufhin nicht. Die Nachrichten
darüber sind ungenau und einander widersprechend. Ismä’il fühlte
sich von seinen beiden Neffen bedroht. As-Sälih Ajjüb, ein Sohn al-Kämils,
hatte aus der Dschazira kommend 1238 Damaskus eingenommen.
Daraus vertrieben war er in die Gewalt seines Vetters an-Näsir Däwüd
geraten. Er hatte es verstanden, sich aus dieser Gefangenschaft mit dem
Versprechen zu befreien, Däwüd zu helfen, sein väterliches Erbe Damaskus
zu erobern, nachdem Däwüd ihm bei einem Zug gegen Ägypten
Beistand geleistet hätte. Mit Däwüds Hilfe gelang es Ajjüb, im Mai 1240
Kairo einzunehmen; dessen Herrscher, seinen Bruder, liess Ajjüb einkerkern.
Sein Versprechen, Däwüd seinerseits beizustehn, erfüllte er
nicht. Die Feindschaft der Ajjübiden untereinander eröffnete den Christen
grosse Möglichkeiten. Dem Grossmeister erschien das Angebot Is –
mä’üs von Damaskus „wie ein Geschenk des Himmels“. In die Trümmer
der ehemaligen Templerburg Safed wurde sofort ein Komtur,
Reinardus de Caro, der gerade aus Ungarn gekommen war, gesandt.
Zunächst zweifelte der erkrankte Grossmeister an der Möglichkeit des
Wiederaufbaus. Graf Thibaud verliess im Herbst des Jahres 1240 das
Land, ohne sein Versprechen erfüllt zu haben, dabei zu helfen. Zum
Ankauf von Cafarlet und Arames hatte der Orden kurz zuvor 31.000 Besanten
ausgegebe. Die Schrift ‚De construetione castri Saphet‘, die
wohl 20 Jahre später in der Umgebung des Bischofs Benedikt von Marseille
verfasst worden ist, macht diesen zum eigentlichen Initiator des
Wiederaufbaus, nachdem er auf einer Reise nach Damaskus die ausserordentliche
Bedeutung einer Befestigung an dieser Stelle sowohl zum
Schutz der Bevölkerung ringsum, als auch, um die Muslime in Furcht zu
halten, erkannt hatte.

„Am 11. Dezember 1240 begann mit einem riesigen Kostenaufwand
der Wiederaufbau. In den ersten zweieinhalb Jahren wurden 1.100.000
byzantinische sarracenati ausgegeben, wie der Verfasser von ‚De constructione
Saphet‘ von Würdenträgern des Ordens, maiores domus Templi,
selbst erfahren hatte; das wären nach den Angaben bei Schaube nach
der Währung von 1914 7.700.000 Goldmark. In den folgenden Jahren
betrugen die Kosten für den weiteren Ausbau noch etwa je 40.000 byz. S.
Täglich mussten 1.700 und mehr Menschen verpflegt werden, in Kriegszeiten
2.200. Zur Bewachung dienten 50 Ritter-, 30 Servienten-Brüder,
50 Turcopolen und 300 Bogenschützen -also Söldner -, dazu 820
Werkleute und 400 Sklaven: es kamen also auf einen Kämpfer fast drei
Arbeitsleute zur Instandhaltung von Befestigung und Waffen. Die äussere
Umfassungsmauer war 375 cannae, wohl etwa 825 m lang. Die Festung
war uneinnehmbar und fiel 1266 durch Verrat.“

Dieser ungeheure Aufwand an Menschen und Mitteln war nötig, eine
Burg zu errichten und zu erhalten. Die Templer hatten Atlit, das etwa
dieselben Ausmasse gehabt haben dürfte, Baghräs, Safitha und Tortosa
zu verteidigen, um nur ihre grossen Burgen zu nennen. Ihre Einkünfte
reichten nicht aus, diese Kosten zu bestreiten; deshalb die Strengen
Strafen für alle Materialbeschädigungen oder gar -Verluste und die ständigen
Klagen über nicht genügende Mittel.

Graf Thibaud zog mit seinem Heer gemäss seinem Vertrag mit Ismä’il
in die Gegend von Jaffa. Die Fürsten von Damaskus und Horns schickten
Truppen zu den Quellen des Audja, nicht weit davon. Doch ehe es zum
Kampf kam, bot Ajjüb seinerseits den Christen einen Vertrag an: er
bestätigte die Rückgabe von Galiläa und erweiterte das ihnen von Ismä’il
versprochene Gebiet und sagte die Freilassung der Gefangenen von Gaza
zu. Vor allem aus diesem Grund ging Graf Thibaud auch auf diesen
Vertrag ein, kurz bevor er das Land verliess, obwohl er seinen Abmachungen
mit Ismäil widersprach und die Templer und die Barone des
Landes ihm nicht zustimmten.

Graf Richard von Cornwall, des Kaisers Schwager und sein Bevollmächtigter,
der unmittelbar nach der Abreise des Grafen ebenfalls mit
einem ansehnlichen Heer im Oktober 1240 in Akko landete, unterzeichnete
diesen Vertrag ebenso. Der Kaiser unterhielt diplomatische Beziehungen
zu Ägypten und unterstützte ihn deshalb. Dass Ajjüb, Sohn
einer sudanesischen Sklavin, ein roher, gewalttätiger Mensch, nichts von
der Hochherzigkeit seines Vaters und Grossvaters überkommen hatte,
wusste der Kaiser nicht. Es ist sehr wohl möglich, dass der Templergrossmeister
und die Barone des Landes auch aus diesem Grunde eine Verbindung
mit ihm ablehnten. Zwar war auch der Johannitergrossmeister
Pierre de Vieille BridEseit mehr als 20 Jahren im Orient, aber er erhoffte
von einem Vertrag mit Ajjüb den Vorteil, den die Templer durch den Vertrag
mit Ismä’il erreicht hatten. Beide Orden suchten Richard für sich zu
gewinnen; beide leisteten ihm Beistand. Die Templer befestigten mit
dem Grafen Richard und dem Deutschen Orden, trotz ihrer Aufbauarbeiten
in Safed, Jaffa und Askalon, während die Johanniter nach Nordsyrien
zogen und mit dem Sultan von Aleppo um Gabala kämpften.
Hier zeigtEsich zum ersten Mal echtErivalität zwischen beiden Orden,
die deshalb verhängnisvoll war, weil sie politische Gegnerschaft bedeutete.
Vielleicht hatten die Johanniter sogar die Verhandlungen mit Ajjüb
eingeleitet. Aber offene Feindschaft gab es nicht. Es war Richard gelungen
zu vermitteln. Auf ihre Bitte wurde den Johannitern -allerdings
nur als Treuhändern -1243 vom Kaiser die Burg Askalon übertragen,
bei deren Befestigung sie nicht mitgewirkt hatten. Zuerst war
sie, ohne dass die Templer widersprochen hätten, einem kaiserlichen Kastellan
übergeben worden. Der Kaiser versprach, den Johannitern die
Kosten der Verteidigung zu ersetzen, was nie geschah.

Nach der Rückkehr des Grafen richteten die ersten Barone des Landes
im Juni 1241 in der Hoffnung auf Richards Vermittlung ein Schreiben
an den Kaiser mit der Bitte, ihnen Simon de Montford-Leicester, der
mit dem Grafen Richard von Cornwall ins Heilige Land gekommen war,
als Statthalter zu senden. Sie erhielten keine Antwort. Ihr Wunsch
nach einer starken, einheitlichen Führung wurde nicht erfüllt. So verfolgte
wieder jede der vielen Teilgewalten des Landes ihren eigenen Weg
zu ihrem eigenen Vorteil. Die Templer zogen mit den fränkischen Baronen
unter dem Connetable Odo von Montbeliard, der in dieser Zeit neben
Hermann von Peragors der älteste und erfahrenste Führer der Christen
im Orient war, in die Gegend von Caesarea. Sie unternahmen im Laufe
des Jahres 1242 einen Raubzug in die Gegend zwischen Bethlehem und
Hebron und überfielen nach einem Gegenangriff Däwüds am 30. Oktober
dieses Jahres Nablus. Sie zerstörten es und töteten alle, auch seine
christlichen Einwohner.

Nicht die Templer störten den Frieden im Königreich, nachdem Graf
Richard das Land verlassen hatte -wie Matthäus Parisiensis behauptet
-, sondern der kaiserliche Statthalter Richard Filangieri. Er versuchte
1241 mit einigen Johannitern,, ohne ihren Meister, sich Akkos zu
bemächtigen. Balian d’Ibelin von Beirut eilte mit den Templern nach
Akko, um ihn zu vertreiben und belagerte das Haus der Johanniter,
in dem sie den Statthalter vermuteten; dies hat den entstellenden Bericht
des englischen Chronisten ausgelöst, der -allein -erzählt, die
Templer hätten den Frieden des Grafen nicht gehalten (nachdem sie doch
mit ihm Askalon befestigt hatten) und Johanniter und Deutschritter in
Akko angegriffen und geschädigt. Der Überfall misslang. Der Statthalter
entwich. Er wurde sogleich vom Kaiser abberufen und bei seiner
Rückkehr in den Kerker geworfen. Zur selben Zeit, als sein Nachfolger
Thomas von Aquino, Graf von Acerra, Italien verliess, im J u n i 1242
(nicht 1243, wie nach allen neueren Darstellungen) wählten die Barone
des Landes und die Kommunen von Akko, Venedig und Genua die
Königin Alice, eine Enkelin König Amalrichs I. zur balliva, bis König
Konrad, der am 23. April 1243 mündig werden würde, selbst seine Königsrechte
wahrnähme. Der Bericht des venezianischen Gesandten erwähnt den
Grossmeister nicht namentlich, nur allgemein die Orden. Nach den
‚Documents‘ des Jean d‘ Ibelin unterstützte auch er die Rechte der Königin
Alice und trat offen auf die Seite der Barone gegen den Statthalter,
der sich durch seinen Überfall auf Akko -nach ihrer Auslegung -ins
Unrecht gesetzt hatte. Nur der Connetable Odo von Montbeliard blieb
loyal. Die Barone nahmen mit Hilfe der Kommunen noch im Juni 1242
Tyrus ein, das Philipp von Montfort -auch ein Verwandter der Ibelins –
für sich in Anspruch nahm. Er war durch seine Gemahlin Maria Herr in
Toron im nördlichen Galiläa geworden und wünschtEseine Besitzungen
zu erweitern; das Erbe Marias geht auf die Nachkommen Philipps de
Milly zurück. Weder der balliva noch der Stadt Venedig wurden Rechte
in Tyrus eingeräumt. Der Bruder des Statthalters wurde vertrieben.

Ein Deutschordensmeister war, seit Hermann von Salza den Kaiser in
den Westen begleitet hatte, nicht mehr im Lande gewesen. Der Orden,
der vornehmlich Besitzungen in Galiläa hatte, obwohl man dort wegen der
kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, höchstens von dem Versuch
einer Staatsbildung sprechen kann, hielt sich zu den Templern: Mit
den Templern hatten die Deutschordensritter Jaffa und Askalon befestigt.
Ihr Ordensmeister Gerhard von Malberg, der Ende des Jahres 1243 in
den Orient kam, legte im Frühjahr 1244 sein Amt nieder, wohl, weil
er den Orden mit zu hohen Ausgaben belastet hatte. Er floh mit seinen
Anhängern zu den Templern. Doch wurde er nicht in ihren Orden auf-
genommen, obwohl der Papst Dispens dazu erteilt hatte. Er kehrte in
den Westen zurück.

Nur einer aussenstehenden Macht gelang es, die Christen noch einmal
zu einer gemeinsamen Aktion zusammenzuführen. 1243 nahm Ajjüb
wieder Verhandlungen mit IsmäTl auf, während zur selben Zeit der Fürst
von Hamä, Ajjübs Verbündeter al-Muzaffar, in Ajjübs Auftrag die
Chwarizmier veranlasste, sich wieder in Ajjübs Dienste zu stellen; sie
waren schon 1238, als er noch Herrscher in der Dschazira war, mit ihm
im Bunde gewesen. Sie waren von den nordsyrischen Fürsten unter al-
Mansür Ibrahim wiederholt geschlagen und zurückgedrängt worden.
Jetzt trieben die Tataren sie vor sich her.

Im selben Jahr verhandelte Ajjüb auch mit den Christen. Vielleicht um
dem Lande weiter den Frieden zu erhalten, sandte jetzt der Templergrossmeister
selbst Unterhändler zu ihm, aber da Ajjüb die Gesandten
ein halbes Jahr zurückhielt, da wohl auch seine Doppelzüngigkeit den
Christen bekannt geworden war, beschloss der Grossmeister zusammen
mit den Prälaten und einigen Baronen des Landes -Philipp von Montfort
und Odo von Montbeliard, Herr von Tiberias, nahmen ihrer Besitzungen
in Galiläa wegen seine Partei -gemeinsam -communi consilio
et unanimi voluntate -, mit Ismä’il und dem ihm jetzt verbündeten
Däwüd ein Bündnis gegen Ajjüb einzugehn, der nicht einmal seinen
Verträgen mit den Muslimen treu blieb. Gaza, Hebron, Nablus und Daron,
die er den Christen zunächst versprochen hatte, gab er ihnen nicht zurück.
Es wurde dem Grossmeister deutlich, dass sein Bund mit den Christen
nur gegen die anderen Ajjübiden gerichtet war, während ihnen Ismä’il
Safed und andere Orte in Galiläa wirklich ausgeliefert hatte. Jetzt
gaben er und Däwüd ihnen auch Jerusalem mit dem Tempelbezirk, der
56 Jahre lang von Muslimen verwaltet worden war, zurück, obwohl
diEstadt nominell unter ägyptischer Oberhoheit stand, dazu Bethanien
und Bethlehem; die Johanniter erhielten Belvoir zurück. Ungeachtet der
drohenden Gefahr von den heranrückenden Chwarlzmiern strömten
Christen in die Heilige Stadt. Trotz der überaus günstigen Bedingungen
dieses Vertrages waren aber, im Gegensatz zu den Erwartungen des
Großmeisters im Jahre 1240, jetzt seine Sorgen größer als seine Freude
über das Erreichte. Er scheint der Initiator dieses Vertrages gewesen zu
sein, und gerade er beklagt die Uneinigkeit unter den Christen, den „Hass
und den Neid“, mit dem der Orden verfolgt wurde. Spricht nicht auch
das dagegen, die Templer in diesen Jahren als Unruhestifter anzusehn
und auf sie die innere Auflösung des Königreichs zurückzuführen? Nur
mit den Templern, mit der Hilfe der Prälaten und einiger Barone des
Landes war Hermann von Peragors nicht in der Lage, die Stadtmauern
Jerusalems wieder zu errichten und zu verteidigen. Der Papst richtete am
5. August 1243 einen Aufruf an die Christenheit, Mittel dafür zur Verfügung
zu stellen. Es scheint, daß der Kaiser den Templern noch jetzt
eine Befestigung des Tempelbezirks in völliger Verkennung der Lage
untersagte. Auch konnte der Orden nicht, wie er beabsichtigte, ohne
Hilfe bei el-Natrun eine Burg errichten. Es gab kein Zusammenwirken
mehr und keinen Führer, dem sich alle unterstellten. Die Mehrzahl der
Barone und vor allem die Kommunen zogen Verträge mit den Muslimen
Waffenhandlungen vor. Im März 1244 versprach Ajjüb den Handelstreibenden
Venedigs seinen Schutz. Die großen italienischen Seestädte,
die im 12. Jahrhundert die Kreuzfahrer wirksam unterstützt hatten,
schieden aus der Kampfgemeinschaft aus.

Im Frühjahr 1244 brachen die Chwarizmier in das Land ein und ließen
sich im Gebiet zwischen el-Natrun und Gaza nieder, etwa 12.000 Bewaffnete
mit ihrem Troß, Weibern und Kindern. Es fehlten dem Land die
Streitkräfte, sie zu vertreiben. Die Burgen durften ihre Besatzungen nicht
verringern. Im Juli wurde ein Überfall auf Jerusalem unter Verlusten
abgewehrt. Die Einwohner warteten vergeblich auf Hilfe. Am 23. August,
als die Lebensmittel knapp geworden waren, verließ der größere Teil
der Bevölkerung, etwa 6.000 Menschen, in der Hoffnung, durch den
Vertrag mit Däwüd geschützt zu sein, die Stadt. Sie wurden von den
sarazenischen Bergvölkern Judäas, die an keine Abmachung gebunden
waren, umgebracht oder verschleppt. Die in Jerusalem Zurückgebliebenen
fielen den Chwarizmiern zum Opfer, die die Stadt einnahmen und zerstörten.

Jetzt sammelten sich alle verfügbaren Streitkräfte des Landes -etwa
2.000 Ritter und 10.000 Unberittene -und zogen mit den Muslimen von
Damaskus und Horns gegen das Heer Ägyptens und die Chwarizmier.
Bei La Forbie (Hirbiya, Karmiyya) südlich von Askalon kam es am
17. Oktober 1244 zur Schlacht. Al-Mansür Ibrahim, der die Muslime
anführte, soll geraten haben, den Kampf hinauszuzögern, da das Heer des
Gegners nicht für eine lange Dauer ausgerüstet wäre, aber er setzte sich
nicht durch. Es erwies sich als unheilvoll, daß muslimische Truppen unter
christlichen Fahnen kämpfen sollten. Muslime und Christen wurden
geschlagen und fast völlig aufgerieben. Hermann von Peragors und der
Ordensmarschall Hugo de Monlo (Montelauro, L. S. 16 u. 25?) fielen
oder starben schwer verwundet in der Gefangenschaft. 312 Tempelritter
und 324 Turkopolen sollen gefallen sein. Die anderen Orden hatten ähnliche
Verluste. Diese Niederlage ist nur mit Hattin zu vergleichen und
war wohl noch verhängnisvoller als sie. Denn jetzt suchte der Papst den
Kaiser zu vernichten -1245 sollte das 1. Konzil von Lyon stattfinden
-. Die Sorge für das Heilige Land trat bei ihm zurück. Bei den
Gläubigen aber erhoben sich nach den vielen Niederlagen der Christen
Zweifel am Willen Gottes und an Seiner Allmacht: ‚Nunquid melior est
lex Machometi lege Christi‘.

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