Klima

Die Autobahn führt direkt ins Treibhaus. Denn über unser Treiben kommt die Erde
ins Schwitzen. Seit James Watt seine Dampfmaschine in Gang setzte, hat die
Menschheit aus Schloten und Auspuffrohren Millionen und Abermillionen Tonnen
Kohlendioxid in die Atmosphäre geschleudert. Einem Treibhausdach gleich, sorgt
das Kohlendioxid dafür, dass sich die Erdoberfläche erwärmt – in den letzten hundert
Jahren bereits um ein halbes Grad Celsius. Noch ein Grad zusätzlich, so sagen
Wissenschaftler, und es wird ungemütlich auf der Erde: Dürrekatastrophen, Sintfluten,
steigende Meeresspiegel bedrohen die Menschheit.
Wir heizen dem Klima ordentlich ein
Im Durchschnitt blasen die Erdenbürger gut vier Tonnen Kohlendioxid pro Kopf
jährlich in die Luft. Doch pro Amerikaner beispielsweise zwanzig Mal mehr als
pro Chinesen. Die Industrieländer des Nordens einschliesslich der Länder des
ehemaligen Ostblocks – nur ein Fünftel der Menschheit – produzierten seit
1950 mehr als vier Fünftel aller treibhauswirksamen Gase. Soll eine Klimakatastrophe
abgewendet werden, darf die Menschheit langfristig nur noch 15 %
der Kohlendioxidmengen des Jahres 1985 in die Atmosphäre schleudern.
Etwa 13.000 Kilowattstunden Primärenergie verbraucht der Bundesbürger
jährlich im Haushalt. Wenn der Stromzähler zu Hause eine Kilowattstunde registriert,
haben Sie bereits drei Kilowattstunden Primärenergie verbraucht –
die Differenz sind Verluste bei Stromerzeugung und -Verteilung. Zu den 13.000
Kilowattstunden kommen weitere 6.000 zur Fortbewegung mit Auto, Bahn
oder Flugzeug. Ein 13-Stunden-Ferienflug übrigens schadet dem Klima ebensoviel
wie viereinhalb Jahre Autofahren, da die Jets durch besonders sensible
Luftschichten düsen.
Energie sparen lohnt: Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde erspart unserer
Luft 6,7 Gramm Schwefeldioxid und 2,5 Gramm Stickoxide sowie Stäube,
Schwermetalle und Radioaktivität.

Rund ein Fünftel aller Kohlendioxid-Emissionen kommen aus dem Verkehrsbereich.
Von dieser Menge blasen Personenwagen wiederum drei Viertel in die Luft.
Rund 55 Millionen Tonnen Diesel- und Ottokraftstoff werden jährlich durch den
Auspuff gejagt – zweieinhalb Mal soviel wie 1970.
Da müssen die Statistiker der Bundesregierung schon tief Luft holen, um Bewegung
in den Mief zu bringen. Wie die Bundesregierung den Ausstoss von Kohlendioxid
drosselt, demonstrierte sie mit dem Klimaschutzbericht im Jahr 1993: Der
vermeldete einen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen um 14,5 % seit 1987 in
der gesamten Bundesrepublik. Der West-Bürger brauchte deshalb nicht den Fuss
vom Gas zu nehmen oder am Heizungsventil zu drehen. Das Wunder vollbrachten
die Ost-Bürger: Der Zusammenbruch der Wirtschaft in den neuen Ländern legte
die Braunkohle-Dreckschleudern reihenweise lahm. Da konnte der West-Bürger
sogar aus den Auspuffrohren noch 3 % mehr Kohlendioxid blasen, ohne die schöne
Statistik zu verderben.
„Klima-Gipfel“ Berlin Die Bundesregierung steht unter Erfolgsdruck. Auf dem „Klima-Gipfel“ im April
1995 in Berlin bekräftigte sie ihr Ziel, alle klimarelevanten Emissionen bis zum
Jahr 2005 um 25-30 % der Menge des Jahres 1987 zu reduzieren. Doch bislang
fehlt auf nationaler und internationaler Ebene so ziemlich alles, was nötig ist, um
dieses Ziel zu erreichen. Die guten Worte werden wohl solche bleiben. Eine Untersuchung,
die das Umweltbundesamt in Auftrag gab, brachte zu Tage: Bleibt der
Verkehr im Wachstumstrend, nehmen die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr
2005 gegenüber 1987 um 38 % zu, obwohl eine Verbrauchssenkung pro Pkw um
15 % angenommen wurde.
Bislang sinkt der Kraftstoffverbrauch des einzelnen Fahrzeugs kaum – seit 1980
nicht einmal um einen Liter. Neuwagen verbrauchten 1992 noch immer durchschnittlich
9,7 Liter auf 100 Kilometer. Nimmt man die Innovationsgeschwindigkeit
der letzten fünf Jahre, bräuchte es noch rund 50 Jahre bis zum 2,5-Liter-Wert.
Der wird immerhin bereits als technisch möglich angesehen.
Landschaftsverbrauch, Lärm und Lebensgefahr

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