Neue Wende im Finanzskandal des Vatikans

Der andauernde Finanzskandal über die Immobiliengeschäfte des Staatssekretariates hat eine weitere Wende genommen: Einer der involvierten italienischen „Geschäftsmänner“, Raffaele Mincione, verklagt den Vatikan und die Holdinggesellschaft der Luxus-Immobilie in London.
Das berichtet die „Catholic News Agency“ (CNA).

Demnach hat Minciones Firma „WRM Capinvest“ am 17. Juni vor dem High Court von England und Wales Klage eingereicht gegen die auf der Kanal-Insel Jersey registierirte „60 SA Ltd.“ meldete der Nachrichtendienst „Law360“.

Die Firma „60 SA“ ist Eigentümerin von 60 Sloane Avenue: Der Immobilie, die das Staatssekretariat des Vatikans für etwa 300 Millionen Euro von Mincione gekauft hat.

Eine zweite Klage hat die in Luxemburg ansässige Firma „Athena Capital Fund SICAV-FIS SCA“ eingereicht – ein Tochterunternehmen des „Athena Capital Fund“, der ebenfalls Mincione gehört – und zwar gegen das Staatssekretariat des Vatikans, so „Law360“.

Athena, WRM Capital sowie Mincione persönlich seien Kläger des Verfahrens, meldet der Nachrichtendienst.

Die Klagen sind die jüngste Entwicklung im laufenden Finanzskandal um die Investitionen des Staatssekretariats über Mincione und insbesondere um den Kauf des Londoner Gebäudes.

Am 5. Juni wurde ein weiterer italienischer Geschäftsmann, Gianluigi Torzi, von den vatikanischen Behörden wegen seiner Rolle bei der Vermittlung des letzten Teils des Erwerbs der Holdinggesellschaft, durch das Staatssekretariat verhaftet. Die Staatsanwaltschaft hat Torzi der Erpressung, Veruntreuung, schweren Betrugs und Geldwäsche beschuldigt. Er wurde am 15. Juni gegen Kaution freigelassen.

Die Festnahme Torzis folgte nach monatelangen Ermittlungen und Razzien durch die Behörden des Vatikans, die zur Suspendierung mehrerer Mitarbeiter des Staatssekretariats führten. Im vergangenen Monat berichtete die „NZZ am Sonntag“, dass mehrere Dutzend Millionen Euro von den Schweizer Behörden auf mehreren Bankkonten eingefroren worden waren.

Die Zusammenarbeit des Sekretariats mit Mincione geht auf das Jahr 2014 zurück, als das Staatssekretariat rund 200 Millionen Euro in den „Athena Global Opportunities Fund“ von Mincione investierte. Zu den Fonds gehörten Kredite, die von zwei Schweizer Banken, Credit Suisse und BSI, gegen andere Fonds unter der Kontrolle des Sekretariats gewährt wurden.

Die CNA hat bereits früher berichtet, dass die Gelder zusätzlich zu einer anfänglichen Beteiligung von 45% am Londoner Gebäude, das sich im Besitz von Mincione befindet, auch in andere Unternehmen und Projekte investiert wurden, die sich im Besitz von Mincione befinden oder mit Mincione verbunden sind. Am 6. Juni beschrieb „Vatican News“ die Verwaltung vatikanischer Investitionen durch Mincione als „spekulativ“ und als „Interessenkonflikt“.

Der Vatikan brach 2018 die Verbindung zu Mincione ab, erwarb den gesamten Londoner Besitz und zog seine verbleibenden Investitionen bei Athena zurück.

Schreibe einen Kommentar