Papst Franziskus: „Gesundheit ist ein primäres Gemeingut“

Die Corona-Pandemie hat „viele Unzulänglichkeiten der Gesundheitssysteme und Mängel bei der Betreuung Kranker ans Licht gebracht“. Das schreibt Papst Franziskus in einer Botschaft zum Welttag der Kranken, die an diesem Dienstag veröffentlicht wurde.

„Den Alten, Schwachen und Hilflosen wird nicht immer der Zutritt zu den Behandlungen gewährleistet, und nicht immer ist er gerecht geregelt“, so der Papst wörtlich. Hier gehe es nicht nur um „politische Entscheidungen“, sondern auch um die Verwaltung der Ressourcen.

„Ressourcen für die Pflege und den Beistand der Kranken anzulegen hat Vorrang“, schließlich sei die Gesundheit „ein primäres Gemeingut“. Schon in seiner Weihnachtsbotschaft vor dem feierlichen Segen Urbi et Orbi am 25. Dezember hatte Franziskus Zugang zu Covid-Impfstoffen und –Therapien für alle gefordert. In seiner Botschaft zum Welttag der Kranken hält er es jedoch etwas allgemeiner.

Ihr alle aber seid Brüder
Der Titel der Botschaft ist ein Zitat aus dem Matthäusevangelium: „Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder (Mt 23,8). Der Untertitel lautet: Das Vertrauensverhältnis als Grundlage der Sorge um Kranke. Papst Franziskus wirbt in seiner Botschaft für Empathie, vertrauensvolle Beziehungen sowie Geschwisterlichkeit – auch in Anknüpfung an seine jüngste Enzyklika „Fratelli tutti“ über die Geschwisterlichkeit aller Menschen, in der Franziskus auch schon auf die Coronapandemie einging.

„Eine schweigsame Schar von Helfenden“
Die Corona-Krise hat aus der Sicht des Papstes nicht nur Negatives aufgedeckt. Denn in der Pandemie sei ja „auch die Einsatzbereitschaft und die Großherzigkeit des Personals im Gesundheitswesen, von Ehrenamtlichen, von Arbeitern und Arbeiterinnen, von Priestern und Ordensleuten“ deutlich geworden.

Sie hätten „mit Professionalität, Opferbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe vielen Kranken und ihren Familienangehörigen geholfen, sie gepflegt, getröstet und versorgt“. Wörtlich spricht Franziskus in der neuen Krankenbotschaft von einer „schweigsamen Schar von Männern und Frauen, die sich entschieden haben, in diese Gesichter zu schauen und sich der Wunden der Patienten anzunehmen“.

„Emphatie zeigen“
Franziskus‘ Botschaft gilt dem 29. Welttag der Kranken. Er wird am kommenden 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, begangen. Schon zu Beginn seiner Botschaft versichert der Papst allen, die auf der ganzen Welt an den Folgen der Coronavirus-Pandemie leiden, „und vorrangig den Ärmsten und Ausgeschlossenen“, seine „geistige Nähe“.

In dem Text ermuntert Franziskus die Christen, sich um Kranke und Ausgestoßene zu kümmern – sonst fehle es „an Kohärenz zwischen dem Glaubensbekenntnis und dem wirklichen Leben“. Jesus lehre uns, „anzuhalten, zuzuhören, einen direkten, persönlichen Kontakt zum anderen herzustellen, Empathie und Betroffenheit ihm oder ihr gegenüber zu zeigen und sich von dem Leid anrühren zu lassen“.

Keine Heuchelei oder Selbstvergötterung
Selbstvergötterung und Heuchelei führen laut Franziskus hingegen dazu, dass die Menschen, „als Kinder des einzigen Vaters“ vergessen, dass sie „zu einer universalen Geschwisterlichkeit gerufen sind“. Er mahnt, den christlichen Glauben auch durch entsprechendes Handeln im Alltag zu leben. Dies komme dann der ganzen Gesellschaft zu Gute:

„Eine Gesellschaft ist umso menschlicher, wie sie sich ihrer schwachen und leidenden Glieder anzunehmen vermag und wie sie dies aus dem Geist einer geschwisterlichen Liebe leisten kann. Streben wir nach diesem Ziel und machen wir es in einer Weise, dass keiner einsam zurückbleibt und keiner sich ausgeschlossen oder fallengelassen fühlt.“

„Leiden ist keine Strafe Gottes“
Warum es schwere und unheilbare Krankheiten gibt und Gott auch Leid zulässt? Auch auf diese Frage geht Franziskus in seiner Botschaft zum Weltkrankentag ein. Er schreibt, Krankheit zeige dem Menschen seine Grenzen und bewege ihn „zu einer Sinnfrage…, einer Frage auf der Suche nach einer neuen Bedeutung und einer neuen Richtung der Existenz“. Aus dem alttestamentlichen Buch Ijob könne der Kranke aber lernen, „dass sein Leiden keine Strafe ist, und auch kein Zustand der Gottesferne oder ein Zeichen seiner Gleichgültigkeit“.

Für eine gute Therapie ist, wie die Papst-Botschaft betont, „der relationale Aspekt wesentlich“. Schon in den Evangelien falle doch auf, „dass die von Jesus gewirkten Heilungen keine magischen Gesten sind, sondern immer die Frucht einer Begegnung, einer interpersonalen Beziehung“.

Schreibe einen Kommentar