Papst: Korruption ist Dauerproblem im Vatikan

Papst Franziskus hat baldige weitere Maßnahmen gegen Korruption im Vatikan angekündigt und zugleich eingeräumt, dass es sich um ein tief sitzendes Problem handelt. Kritik gegen seine Person bedeute keinen grundsätzlichen Widerstand, sagte er der italienischen Nachrichtenagentur „Adnkronos“ (Freitag). „Ich glaube nicht, dass es auch nur eine einzige Person hier drinnen oder außerhalb gibt, die dagegen wäre, das Unkraut der Korruption auszurotten“, so das Kirchenoberhaupt vor dem Hintergrund der Finanzaffäre rund um den zurückgetretenen Kardinal Giovanni Becciu, die auch hohe Kurienkreise erfasst.

Korruption sei eine „stets wiederkehrende Geschichte“, sagte der Papst. „Sie wiederholt sich, dann kommt jemand, der durchputzt und Ordnung schafft, aber dann geht es von vorne los“, sagte Franziskus. Er sehe sich dazu gerufen, den Kampf dagegen zu führen. „Der Herr wird einmal sagen, ob ich das gut oder schlecht gemacht habe. Ehrlich gesagt bin ich nicht sehr optimistisch, aber ich vertraue auf Gott und auf die Menschen, die Gott treu sind“, sagte der Papst.

Er verwies darauf, dass Benedikt XVI. ihm 2013 bei seinem Amtsantritt gesammelte Unterlagen über Problemfälle übergeben habe; sein Vorgänger habe die betreffenden Personen entfernt. „Ich habe lediglich die Aussagen von Papst Benedikt aufgenommen und seine Arbeit fortgeführt“, sagte Franziskus.

Für das Vorgehen gegen Korruption im Vatikan habe er keine besondere Strategie. „Das Schema ist banal, einfach, vorwärtsgehen und nicht stehenbleiben.“ Nötig seien „kleine, aber konkrete Schritte“. Franziskus erinnerte an Reformen der Vatikanjustiz in den vergangenen Jahren. Es seien „Positionen und Widerstände“ zu beseitigen gewesen, Ermittlungen in den Vatikanfinanzen unternommen und die Leitung der Vatikanbank IOR erneuert worden. „Ich hatte etliche Dinge zu ändern, und etliche weitere werden sich bald ändern“, sagte er.

Franziskus betonte, Kritik sei für ihn vor allem Anlass zur Selbstprüfung; er stecke sie aber nicht leicht weg. Kritische Äußerungen gefielen niemandem, „vor allem, wenn es Schläge ins Gesicht sind“ oder wenn sie in bösartiger Absicht geäußert würden.

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