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Sind junge Menschen für echte Arbeit sind nicht zu gebrauchen?

Es sind schwere Vorwürfe, die Susanne Nickel, Rechtsanwältin und Arbeits-Expertin, im „Handelsblatt“ erhebt: Die „Wohlstandskinder“ der „Generation Z“, also der 14- bis 28-Jährigen, fühlten sich „zu Höherem geboren“. „Unter der Weltrettung machen sie es nicht“, so Nickel mit Blick auf die Klima-Extremisten. Sie geht noch weiter: Der nach 1995 geborenen „Generation Z“ sei es wichtig, „unter dem Lebensmotto ‚Malle für alle‘“ zu arbeiten. Und auch das „nur dann, wann es beliebt“.

Die Jungen würden Arbeitsverträge unterschreiben, „ohne jemals am Arbeitsplatz zu erscheinen“, so Nickel. Zudem würden sie dazu neigen, „bei der ersten Herausforderung“ hinzuwerfen. Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber sei eine Seltenheit; die jungen Menschen seien nicht an Langfristigkeit interessiert und obendrein undankbar. Die „Generation Z“ sei „meist fordernd, dünnhäutig und häufig auf dem Sprung“.

Das vernichtende Fazit der Arbeits-Expertin: „Für echte Arbeit sind junge Menschen nicht zu gebrauchen“.

Dazu passend ist ein Video, das Nora Schiemann, Redakteurin des regierungsnahen Portals „T-Online“, auf der Seite ihres Arbeitgebers veröffentlicht hat – und das sehr erhellende Einblicke in die Gedankenwelt der „Generation Z“ insbesondere im Journalismus bietet. Das Video sorgte für Aufregung im Internet – deswegen gebe ich hier die wesentlichen Passagen wieder:

„Die Generation Feierabend will immer pünktlich zur Yogastunde und sich bloß nicht überarbeiten. So schreiben und denken viele. Die Kritik richtet sich an Menschen wie mich. Ich bin 27 Jahre alt und Berufseinsteigerin. Und ich kann nur sagen: ‚Ja, es stimmt! Wir haben ein anderes Verständnis von Arbeit und das ist auch dringend nötig‘. Die Arbeitswelt von heute hat sich radikal gewandelt. Wir müssen ganz anders arbeiten.

Die Digitalisierung verändert alles. Das ist positiv, aber auch extrem fordernd. Beispiel ist der Journalismus: Vor 20 Jahren wurde vor allem mit dem Telefon oder im Archiv recherchiert. Heute ist das ganz anders. Durch das Internet erreicht uns täglich eine große Flut an Informationen.

Redaktionsschluss? Gibt es im digitalen Journalismus nicht mehr. Und – das Tempo ist enorm gestiegen. In den meisten anderen Berufen ist es ähnlich. Wir müssen immer effizienter werden und wir haben das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Ich mein‘, die Chefin oder der Chef ist es ja auch.

Gleichzeitig gilt für uns das Wohlstandsversprechen nicht mehr.
Wohneigentum? Eigentlich kaum bezahlbar, es sei denn, die Eltern sind reich.

Eine Familie gründen? Wir kommen ja schon so kaum über die Runden, wie soll man’s dann noch mit Kindern schaffen.
Eine solide Rente? Ökonomen und Politiker prophezeien schon jetzt, dass wir mindestens bis 70 arbeiten müssen.

Für solche Aussichten wollen WIR uns nicht kaputtarbeiten.“

Den Wunsch nach weniger Arbeiten und mehr Freizeit halte ich für legitim und nachvollziehbar. Auf der Sollseite. Aber man muss dann eben auch auf der Habenseite die Ansprüche massiv herunterschrauben. Genau daran scheint es mir aber zu fehlen.

Der Kontrast zwischen Vertretern der „Generation Z“ wie Nora Schiemann und der Generation meiner Eltern, die Deutschland wiederaufgebaut hat, könnte größer kaum sein. Auch meine Eltern wussten damals nicht, welche Aussichten auf sie warten. Aber sie haben einfach angepackt. Hätten sie damals die gleiche Einstellung gehabt wie Nora Schiemann & Co. – Deutschland würde heute wohl eher an Obervolta erinnern.

Und was nicht ist, kann – leider – noch werden. (Reitschuster)

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