Was bedeutet dieser Stich?

Das mannweibliche Doppelwesen, Hermaphrodit, Androgyn, Rebis
genannt, kommt in der alchemistischen Bilderwelt
so häufig vor wie der Ouroboros. Dieses Bild aus den „Symbola“
Michael Maiers ist das monströseste von allen, da das Zweigeschlechterwesen
sonst mit einem Lendentuch dargestellt ist, hier hingegen
mit doppelten Genitalien gezeigt wird. Als Patron fungiert der heilige
Albert, Albertus Magnus (ca. 1200-1280), als Vertreter der deutschen
Alchemie.

Das Doppelwesen selbst hält ein Y als „stenographische Abkürzung“
seines aus der Zweiheit in eine Einheit verwandelten Körpers in der
Rechten. Die Wurzel des Androgyn-Bildes könnte in gnostischen
Vorstellungen zu suchen sein, die das apokryphe „Ägypter-Evangelium“
erwähnt: Jesus habe der Salome geoffenbart, der Tod werde
so lange Macht haben, als die Frauen noch gebären könnten. Aber
„wenn die zwei eins werden und das Männliche samt dem Weiblichen
weder männlich noch weiblich sein wird“, dann könnte der Tod als
Folge der Körperlichkeit überwunden werden. Es scheint, als hätte
die Alchemie den gnostischen Appell zur Aufhebung der Geschlechtlichkeit
auf ihre Weise interpretiert, wenn sie von dem aus den zwei
Urstoffen durch Vermischung gebildeten „Androgyn“ sprach.

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