⚔️ Was bedeutet dieser Stich?

Das 21. Emblem-Bild aus Michael Maiers „Atalanta fugiens“ wird oft
— nicht ganz zutreffend — als „Quadratur des Kreises“ bezeichnet.
Dies wäre ein Verwandeln eines Quadrates in einen flächengleichen
Kreis mit geometrischen Mitteln, Symbol der „coincidentia oppositorum“.

Hier jedoch wird eher eine „alchemistische Geometrie“ gezeigt, im
Sinne einer Textstelle im „Rosarium Philosophorum“: Bilde aus
Mann und Weib einen Kreis, aus diesem ein Viereck, aus dem Dreieck
wieder einen Kreis und du hast das Magisterium. „Mann und
Weib“ sind die beiden Grundstoffe, die vereinigt werden und in den
4 Elementen oder Aggregatzuständen eine bereits höhere Einheit
bilden. Daraus wird die Natur der drei Prinzipien (Sal, Sulphur, Mercurius)
gewonnen und diese dann zu einer noch höheren Einheit
zusammengefaßt: zum Stein der Weisen, dem äußeren großen Kreis
entsprechend. „So ist gemachet der Schein / welchs so du nicht
kannst wissen / Die Geometrische Lehr zu verstehn sey geflissen“
schließt die holprige deutsche Übersetzung des zugehörigen Epigramms.

Eine stark vereinfachte und auf geometrische Figuren reduzierte
Variante dieses Themas aus dem „Chaos“-Buch von Heinrich Khunrath
zeigt dieses Bild in spekulativ-rosenkreuzerischem Kontext,
worin der äußerste Kreis als „Quintessenz“ bezeichnet wird.

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