⚔️ Gedanken am 17. Oktober

Toleranz ist eine Tugend, die ebensooft mißverstanden wird
wie die Geduld. Darüber, daß das, was die meisten Leute
»Geduld« nennen, in Wirklichkeit bis zum äußersten gespannte
Ungeduld ist, haben wir bereits im März gesprochen.
Analog dazu verstehen wir unter Toleranz im allgemeinen,
uns höflich zu verkneifen, irgendwelche armen Ignoranten
an unserer höheren Einsicht teilhaben zu lassen.
Echte Toleranz hat aber eher etwas mit der weisen Empfehlung
der amerikanischen Ureinwohner zu tun, ehe wir einen
anderen beurteilen, »tausend Meilen in seinen Mokassins zu
gehen«. Bis wir die hinter uns gebracht haben, sind wir
bestimmt zu müde, ein Urteil zu fällen. Und wenn wir dann
doch noch in der Laune sein sollten, Kommentare über die
Lebensweise des anderen abzugeben, dann werden wir dies
aller Wahrscheinlichkeit nach mit mehr Wohlwollen und
Güte tun, als es nach einer flüchtigen Betrachtung der Fall
gewesen wäre.

Tägliche Templerarbeit:
Verweile für ein paar Minuten in der Shamatha-Vipassana-Meditation,
im Ei aus Licht oder im Gebet der Sammlung. Denke an
einen Menschen, für den du »beim besten Willen« keine Toleranz
aufbringen kannst. Stell dir vor, du seist dieser Mensch. Wie war
deine Kindheit? Was sind deine größten Ängste? Was sind deine
größten Hoffnungen? Was bedauerst du am meisten? Was sind die
Leistungen oder Errungenschaften des Menschen, die am ehesten
bewirken, daß du froh bist, ein Mensch zu sein?

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