Gedanken am 21. Oktober

Mein Sohn nahm einmal an einem Männer-Wochenend-
Workshop mit dem Dichter und Philosophen Robert
Bly teil. Einer der Anwesenden, ein Psychologe, fing an, sich
darüber zu verbreiten, wie er sein inneres Kind wiederentdeckt
und getröstet habe und nun täglich mit ihm spiele.
Irgendwann brüllte Bly in seiner herzerwärmend unverblümten
Art dazwischen: »Na schön, dann ist es ja wohl
langsam an der Zeit, den kleinen Scheißer zu begraben,
oder?« Das brachte den Psychologen und auch einige andere
ganz schön auf die Palme. Aber wenn ich Bly richtig verstanden
habe (auch wenn ich nicht dabei war), wollte er damit
sagen, daß es nicht genug ist, unsere Wunden zu heilen: Wir
müssen sie anschließend transzendieren. Heranwachsen bedeutet
letztlich, daß das innere Kind stirbt und ein emotional
reifer Erwachsener geboren wird.
Tägliche Templerarbeit:
Mache heute wenn möglich einen achtsamen Spaziergang. Uberprüfe
anschließend den Zustand deines inneren Kindes. Wenn es
noch im »Wachstumsalter« ist, hätschle es und lasse ihm seinen
Willen. Wenn du das Gefühl hast, daß du deine Kindheitswunden
geheilt und deine Lehren aus ihnen gezogen hast, sprich ein Dankgebet.

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