✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

⚔️ Gedanken am 4. September

Der Mond im Fenster – Kindheitserinnerung und spirituelle Sehnsucht

Als ich noch ein Kind war, stand mein Bett unter einem großen Erkerfenster. Oft lag ich nachts still und schaute zum Mond empor. Dieses leuchtende Gestirn, so nah und doch unerreichbar, schien mir wie ein Tor zum Geheimnis.

Eines Tages schenkte mir mein Vater eine Schallplatte mit einem Märchen. Es handelte von einer kranken Prinzessin, deren Leiden niemand heilen konnte. Die Ärzte am Hofe waren ratlos, bis der Oberzeremonienmeister mit seiner tiefen, magischen Stimme die Lösung verkündete: Die Prinzessin muss den Mond haben.

Doch wie sollte man den Mond erreichen? Selbst die längste Leiter reichte nicht bis an ihn heran. Schließlich ließ der Zeremonienmeister einen Silbermond für die Prinzessin anfertigen. Und tatsächlich: Mit dem kleinen Mond am Kettchen wurde sie gesund.

Eine Zeitlang versuchte der Zeremonienmeister, sie nachts vom Fenster fernzuhalten – damit sie nicht bemerkte, dass der echte Mond noch immer am Himmel stand. Doch eines Nachts erblickte sie ihn doch. Und anstatt enttäuscht zu sein, freute sie sich von Herzen: Gott hatte einen neuen Mond wachsen lassen, damit alle Menschen sich daran erfreuen konnten.

Spirituelle Deutung

Dieses Kindermärchen enthält eine tiefe Wahrheit:

  • Der wahre Mond steht für das Göttliche, das uns stets überragt.

  • Der Silbermond am Kettchen symbolisiert die irdischen Abbilder, die wir uns erschaffen – Glaubensbilder, Symbole, Dogmen. Sie können uns helfen, doch sie sind nicht das Ganze.

  • Die Freude der Prinzessin am neuen Mond zeigt uns die kindliche Fähigkeit, das Wunderbare zu sehen – und Gott als den zu erkennen, der uns stets neu schenkt, was wir brauchen.

Das Märchen war vielleicht mehr als eine Unterhaltung – es war ein erster Hinweis auf die spirituelle Sehnsucht, die in jedem Menschenkind ruht: die Sehnsucht nach dem Himmel in uns.

Templerarbeit

Um diese verborgene Sehnsucht wieder wachzurufen, üben wir uns in Erinnerung und Sammlung:

  1. Stille finden
    Verweile einige Minuten im Frieden des Gebets der Sammlung oder in einer Shamatha-Vipassana-Meditation.

  2. Erinnere dich
    Frage dich: Was war meine Lieblingsgeschichte als Kind?

  3. Deutung wagen
    Überlege, ob diese Geschichte in irgendeiner Weise mit deinem heutigen spirituellen Leben in Verbindung steht.

    • Enthielt sie ein Bild von Heilung?

    • Eine Botschaft von Hoffnung?

    • Einen Hinweis auf die Suche nach dem Göttlichen?

  4. Notizen machen
    Schreibe deine Gedanken auf. So entsteht ein Faden zwischen Kindheit und Gegenwart, ein Weg, auf dem du die archetypische Geschichte deines Lebens erkennst.

Fazit

Kindheitserinnerungen sind mehr als bloße Nostalgie. Sie bergen Schlüsselbilder für unsere Seele, die uns aufzeigen, wie unser inneres Leben schon früh auf das Göttliche ausgerichtet war.

So wie die Prinzessin am Märchenmond gesund wurde und sich am himmlischen Mond erfreute, so sind auch wir eingeladen, in den Bildern unserer Kindheit das Licht des Ewigen zu erkennen.

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