Die Burg Lockenhaus nach dem 2. Weltkrieg
So sah die Templerburg nach dem Abzug der russischen Besatzungsmacht aus
Als Brüder des Ordens blicken wir mit gemischten Gefühlen auf die wechselvolle Geschichte der Burg Lockenhaus, die in den alten Überlieferungen eng mit dem Geiste der Tempelritter verbunden ist. Was im 12. Jahrhundert als Bollwerk und geistiger Ort des Rittertums diente, war in den Jahrhunderten nach unserem Untergang vielfach den Stürmen der Zeit ausgeliefert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Burgenland unter sowjetischer Besatzung. Auch die altehrwürdige Burg Lockenhaus blieb von dieser Epoche nicht unberührt. Als die russischen Truppen schließlich abzogen, hinterließen sie ein Bild der Verwahrlosung und des Verfalls. Die Mauern waren beschädigt, die Dächer teilweise eingestürzt, die Kapelle entweiht, und das gesamte Bauwerk schien seinem Untergang geweiht.
Was einst als geistige Feste des Ritterordens galt, stand nun als Ruine da – eine stumme Mahnerin, dass der Zahn der Zeit und die Gleichgültigkeit der Menschen selbst die stärksten Mauern zu Staub verwandeln können.
Die Rettung durch Opfermut
Doch wie so oft in der Geschichte, erweckte die Vorsehung Helfer, die das Erbe nicht untergehen lassen wollten. Im Jahre 1968 traten Margaret und Prof. Paul Anton Keller als wahre Hüter dieser Stätte auf. Sie erwarben die Burg, die damals in einem nahezu hoffnungslosen Zustand war.
Mit großem Opfermut entschloss sich das Ehepaar, seinen gesamten Besitz zu veräußern und rund 510.000 Euro (umgerechnet) in die Restaurierung dieses europäischen Kulturdenkmals zu investieren. Ihr Ziel war es, der Burg den alten Glanz zurückzugeben und sie für kommende Generationen zu bewahren.
Prof. Paul Anton Keller starb 1976, noch bevor das Werk vollendet war. Doch seine Gattin Margaret führte die Aufgabe unbeirrt weiter. Obwohl ihre Mittel bald erschöpft waren, blieb sie dem Vermächtnis ihres Mannes treu und wies zahlreiche private Kaufangebote zurück. Statt die Burg in fremde Hände zu geben, übertrug sie sie der eigens gegründeten „Prof. Paul Anton Keller-Stiftung – Burg Lockenhaus“.
Von der Ruine zum Kulturdenkmal
Seit 1980 sorgt ein Kuratorium dafür, die Burg in Ehren zu bewahren. Mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes und Investitionen von rund 22 Millionen Euro konnte Lockenhaus restauriert und gesichert werden.
Heute erstrahlt die Templerburg wieder in voller Pracht. Sie ist nicht nur ein steinernes Denkmal des Mittelalters, sondern ein lebendiges Kulturzentrum, das Raum für Konzerte, Ausstellungen, Feste und Begegnungen bietet. So verbindet sich der Geist der Geschichte mit der Kreativität und Freude unserer Zeit.
Das Vermächtnis
Wenn wir als Tempelritter auf diese Geschichte blicken, erkennen wir darin den gleichen Geist, der uns einst trug: Treue, Opfermut und Beständigkeit. Die Mauern mögen gefallen sein, die Dächer zerbrochen, doch durch die Hingabe weniger Menschen lebt der Ort fort.
Die Burg Lockenhaus ist heute ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart sich die Hand reichen. Sie mahnt uns, dass jede Generation Verantwortung trägt – Verantwortung für die Erinnerung, für das Erbe und für das Licht, das niemals erlöschen darf.
„Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.“
Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gebührt die Ehre.

