Heute ist der Todestag des 9. Templergrossmeisters
Arnaldus de Turre Rubea († 30. September 1184 in Verona)
Der 30. September markiert ein bedeutendes, aber oft übersehenes Datum in der Geschichte des Templerordens: den Tod von Arnaldus de Turre Rubea (auch Arnald de Torroja genannt), dem 9. Großmeister des Ordens. Mit seinem Tod in Verona im Jahr 1184 verlor der Orden eine herausragende Persönlichkeit, deren Wirken vor allem in Spanien, Aragon und im Heiligen Land tiefe Spuren hinterließ.
Herkunft und Aufstieg
Arnaldus entstammte der katalanischen Adelsfamilie Torroja, die eng mit dem Königshaus von Aragon verbunden war. Bereits vor 1163 trat er in den Orden ein und machte schnell Karriere. Als Provinzialmeister von Spanien und der Provence verwaltete er über viele Jahre hinweg nicht nur Ordensbesitzungen, sondern auch bedeutende Grenzfestungen im Kampf gegen die Sarazenen.
In dieser Zeit zeigte sich Arnaldus nicht nur als Krieger, sondern vor allem als Verwalter und Diplomat. Unter seiner Hand entstand ein Chartular, das mehr als 400 Dokumente umfasst – ein Beleg für die wirtschaftliche und rechtliche Festigung des Ordens in Spanien. Adlige Männer und Frauen traten in großer Zahl in die confraternitas des Ordens ein, was das Ansehen der Templer im Westen stärkte.
Wahl zum Großmeister
Nach den schweren Verlusten der Templer in den 1170er Jahren, als die Burg an der Jakobsfurt zerstört und viele Brüder getötet wurden, bedurfte der Orden einer starken, aber zugleich vermittelnden Hand. Arnaldus, der bereits Erfahrung in Verhandlungen mit Königen und Prälaten gesammelt hatte, wurde 1180/81 zum 9. Großmeister gewählt.
Seine Wahl fiel in eine Zeit, in der das Königreich Jerusalem von inneren Spannungen zerrissen war. König Balduin IV., vom Aussatz gezeichnet, kämpfte mit Thronfolgestreitigkeiten und der Rivalität zwischen Raimund von Tripolis und Guido von Lusignan. Arnaldus bemühte sich, als Vermittler aufzutreten, statt den Orden in politische Lager hineinzuziehen.
Mission nach Europa
Im Jahr 1184 reiste Arnaldus gemeinsam mit dem Patriarchen von Jerusalem und Roger des Moulins, dem Großmeister der Johanniter, nach Europa. Ziel war es, Papst und Kaiser um Unterstützung für das bedrohte Königreich Jerusalem zu bitten. Doch die Mission nahm für Arnaldus ein tragisches Ende: Noch vor dem Zusammentreffen mit den Herrschern starb er am 30. September 1184 in Verona.
Sein Tod bedeutete nicht nur einen schweren Verlust für die Templer, sondern auch für das christliche Königreich im Orient, das in den folgenden Jahren zunehmend unter den Druck Saladins geraten sollte.
Vermächtnis
Arnaldus de Turre Rubea war kein kriegslüsterner Abenteurer, sondern ein Mann der Ordnung, Verwaltung und Diplomatie. Unter seiner Leitung hatte der Orden in Spanien eine Blütezeit erlebt und im Heiligen Land versuchte er, durch Vermittlung Frieden zu bewahren.
Sein Name mag im Schatten bekannterer Großmeister wie Hugues de Payens oder Jacques de Molay stehen, doch für die Geschichte des Ordens ist er von großer Bedeutung:
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Er repräsentierte die internationale Verankerung des Templerordens.
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Er war ein Großmeister, der den Ausgleich suchte, wo andere auf Konfrontation setzten.
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Sein Tod in Verona erinnert daran, dass die Templer nicht nur Krieger waren, sondern auch Gesandte zwischen Ost und West.
Gedenken
Am 30. September erinnern wir Templer an den 9. Großmeister Arnaldus de Turre Rubea – einen Ritter, der die geistige und organisatorische Kraft des Ordens verkörperte. Sein Leben lehrt uns, dass wahre Größe nicht allein auf dem Schlachtfeld entschieden wird, sondern auch in Diplomatie, Ordnung und dem Streben nach Frieden.

