✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

 Heute ist der Todestag unseres 2. Ordensgrossmeisters

✠ Robert de Craon – Der Ordensmeister, der uns Freiheit gab ✠
geschrieben aus der Sicht eines Tempelritters

Ich, ein Bruder des armen Ritterordens vom Tempel, lege Zeugnis ab von Robert de Craon, unserem zweiten Großmeister, der von den Jahren 1136/37 bis zu seinem Tod am 13. Januar 1149 den Orden führte – klug, unbeirrbar und mit festem Blick auf Jerusalem.

Schon die Chronisten wussten um seine Herkunft. Wilhelm von Tyrus nennt ihn einen miles eximius, edel an Leib und Sitte, tapfer in den Waffen. Und wahrlich: Robert stammte aus hohem Adel Aquitaniens, aus dem Hause Craon, geprägt von frommen Eindrücken seiner Jugend und vom Geist der Kreuzzugspredigt.

Vom weltlichen Ritter zum Diener Christi

Wie viele dritte Söhne des Hochadels begann Robert sein Leben im Dienst weltlicher Herren. Er focht für Grafen und Herzöge, kannte Hofintrigen, Fehden und die Verlockung reicher Heirat. Doch er verzichtete. Er ließ Braut und Land zurück und zog – wohl um 1125 – ins Heilige Land, um als Bruder des Templerorden zu dienen. Nicht aus Not allein, sondern aus Überzeugung.

Großmeister in schwerer Zeit

Als Robert zum Großmeister gewählt wurde, lag der Orden darnieder. Verluste an Menschen, Mangel an Mitteln, Abhängigkeit von Bischöfen und Patriarchen – all das drohte unser Werk zu ersticken. Robert erkannte: Ohne Freiheit kann kein Schwert für Christus geführt werden.

Darum zog er 1138 erneut in den Westen. Mit Wort und Würde überzeugte er Papst Innozenz II., unsere Lage zu sehen. Das Ergebnis war die größte Gnade, die unserem Orden je zuteilwurde.

Omne datum optimum – Unsere Magna Charta

Am 29. März 1139 erließ der Papst die Bulle Omne datum optimum. Sie stellte uns unmittelbar unter den Schutz des Heiligen Stuhls. Kein Patriarch, kein Bischof stand fortan zwischen uns und Rom. Wir durften unsere Regel selbst wahren, unseren Meister frei wählen, Zehnten verweigern, Beute behalten und eigene Kleriker halten.

Diese Freiheit verdankten wir auch der Fürsprache des heiligen Bernhard von Clairvaux, Freund des Ordens und Stimme mit Gewicht in der Christenheit.

Ausbreitung und Kampf an allen Fronten

Unter Robert wuchs der Orden: in Frankreich, England, im Orient – und auch an den Grenzen der Christenheit in Spanien und Portugal. Burgen wurden errichtet, Länder gesichert, Könige beraten. Wir wurden Teil der Landesverteidigung, nicht bloß Pilgerwächter.

Doch der Kampf forderte seinen Preis. Niederlagen im Heiligen Land, Verluste durch Unbedacht – auch wir waren nicht frei von Schuld. Dennoch hielt Robert Kurs.

Zweiter Kreuzzug und das Drama von Damaskus

Der Fall Edessas rief den Zweiter Kreuzzug hervor. Könige kamen, Heere zogen. Vor Damaskus aber scheiterte das Unternehmen – durch Fehlentscheidungen, Zwietracht und Furcht. Man suchte Schuldige, auch unter uns Templern. Doch selbst Wilhelm von Tyrus, kein Freund unseres Ordens, wies uns keine Mitschuld zu.

Vermächtnis eines Ordensmeisters

Robert de Craon starb, während der König von Frankreich noch im Heiligen Land weilte. Er hinterließ uns keinen leichten Weg, aber ein festes Fundament. Er machte aus einer bedrängten Bruderschaft einen freien, europaweit verankerten Ritterorden. Er ließ unsere Regel ins Französische übertragen, damit jeder Bruder sie verstehe – nicht nur die Gelehrten.

Wir, seine Brüder, wissen: Ohne Robert wären wir gebunden gewesen. Mit ihm wurden wir stark.

Möge Gott seiner Seele gnädig sein. ✠

Schreibe einen Kommentar