„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mamon“
Eine Betrachtung aus templarischer Sicht
Die heutige Lesung in den katholischen Kirchen führt uns zu einer unbequemen, ja unbeirrbaren Wahrheit: Im Lukasevangelium, Kapitel 16, spricht Christus die Worte:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mamon.“
Diese Mahnung ist von zeitloser Schärfe. Sie richtet sich nicht nur an die Gläubigen im Allgemeinen, sondern auch an jede Institution, die vorgibt, im Namen des Herrn zu handeln.
Der Widerspruch des Reichtums
Der Vatikan, in seiner äußeren Gestalt, ist ein Zentrum von Macht, Prunk und Besitz. Der Reichtum an Immobilien, Aktien, die gewaltigen Archive, die Schätze der Kunst – all dies ist hinlänglich bekannt. Wie aber kann man diese Häufung von irdischem Gut mit den klaren Worten des Evangeliums vereinbaren? Christus ruft zur Armut im Geiste, zur Loslösung vom Materiellen, zur Hingabe an das Ewige. Doch im Zentrum der römischen Kirche hat sich seit Jahrhunderten ein Gegengewicht aufgebaut: weltliche Macht und mammonistischer Reichtum.
Hier drängt sich die Frage auf: Gilt das Wort Christi etwa nicht für den Vatikan? Oder hat man im Laufe der Jahrhunderte gelernt, es zu überhören, zu verdrehen, zu interpretieren, bis es ungefährlich erscheint?
Zur Übersetzung der Schrift
Besonders bemerkenswert ist die Unschärfe in vielen Übersetzungen der Bibel. Im Griechischen ist nicht vom „ungerechten Verwalter“ die Rede, sondern vom „Verwalter der Ungerechtigkeit“. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Er weist darauf hin, dass die Verwaltung selbst in den Dienst des Unrechts gestellt sein kann, dass also ein System entsteht, welches nicht nur einen Fehler im Kleinen, sondern eine Verfehlung im Großen bedeutet.
Wenn man diesen Gedanken ernst nimmt, öffnet sich ein Spiegel: Könnte es sein, dass auch die kirchliche Verwaltung, mit all ihren Finanzen, Strukturen und Hierarchien, Gefahr läuft, ein Verwalter der Ungerechtigkeit zu werden?
Die Haltung der Templer
Für uns Templer ist klar: Die wahre Kirche Christi ist nicht aus Stein gebaut und nicht in Gold gefasst. Sie lebt im Herzen des Einzelnen, im Geist der Gemeinschaft und in der Hingabe an das Ewige Licht. Macht, Reichtum und Besitz sind vergänglich; sie taugen nicht, um den Weg zum göttlichen Ursprung zu ebnen.
Der wahre Ritter Christi dient nicht dem Mamon, sondern dem Herrn. Er sammelt keine Schätze in dieser Welt, sondern sucht die unvergänglichen Güter des Himmels.
Fazit
Die Lesung des heutigen Tages ist ein Prüfstein für alle, die den Namen Christi im Munde führen. Sie fordert, dass wir uns entscheiden: Gott oder der Mamon. Neutralität gibt es hier nicht.
Es bleibt die Frage: Wird der Vatikan den Mut haben, diese Worte Christi auch auf sich selbst anzuwenden?
