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⚔️ Gedanken am 3. September

C. G. Jung und die unmittelbare religiöse Erfahrung

Im Jahr 1937 hielt der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung an der Universität Yale eine Vorlesung, die später berühmt wurde. Darin rief er seine Zuhörer auf, die engen Grenzen dogmatischer und organisierter Religionen zu überschreiten und den Mut zu finden, in eine unmittelbare Begegnung mit der religiösen Erfahrung einzutreten.

Denn wahres religiöses Erleben entspringt nicht aus dem bloßen Hören von Lehrsätzen, sondern aus dem direkten Berührtwerden vom Heiligen, aus dem, was Jung das Numinose nannte – jenes geheimnisvolle, erhabene und zugleich erschütternde Erleben der Gegenwart Gottes.

Ein persönliches Beispiel

Die Worte der Lehrer mögen vergehen, die Predigten mögen verblassen – aber die erste Begegnung mit dem Numinosen bleibt im Gedächtnis eingebrannt.

So erinnere ich mich an meinen ersten Tag in der Hebräisch-Schule. Von dem, was dort gesagt wurde, weiß ich heute kein einziges Wort mehr. Aber ich erinnere mich mit Klarheit daran, wie mich die Form der hebräischen Buchstaben ergriff.

Nicht mit dem Verstand, sondern jenseits allen bewussten Wissens öffnete sich mir ein Tor. Ich wurde emporgehoben in eine Begegnung mit dem Geheimnis, die mir die numinose Gegenwart Gottes offenbarte – und die Verheißung schenkte, dass das Leben voller unaussprechlicher Wunder ist.

Templerarbeit

Jung forderte dazu auf, nicht an starren Begriffen zu kleben, sondern selbst die Schwelle zum Heiligen zu überschreiten. Dies können wir üben, indem wir uns dem direkten Erleben öffnen:

  1. Achtsamer Spaziergang
    Gehe hinaus in die Natur. Lass dein Bewusstsein schweigen und erlebe die Welt, wie sie ist – ungefiltert, unbenannt, unmittelbar. Lausche den Vögeln, spüre den Wind, sieh das Spiel der Blätter.

  2. Frage an dein Herz
    Nach dieser Gehmeditation stelle dir die Frage:
    „Was war meine erste spirituelle Erfahrung, meine erste direkte Begegnung mit dem Numinosen?“

  3. Notizen
    Schreibe einige Gedanken nieder, um sie später wieder aufzugreifen. Sie sind Samen, die dich tiefer mit deiner eigenen spirituellen Geschichte verbinden.

Fazit

Die erste Begegnung mit dem Numinosen ist ein Schlüssel, der uns zeigt, dass Religion nicht zuerst ein System von Lehren ist, sondern ein lebendiges, erschütterndes und beglückendes Erleben der göttlichen Gegenwart.

Wie Jung es lehrte, und wie wir es als Templer verstehen: Die wahre Religion ist jene, die uns selbst in die Erfahrung des Heiligen führt – jenseits aller Worte, jenseits aller Dogmen, hinein in das Licht des Unaussprechlichen.

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