✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

⚔️ Gedanken am 9. August

Meditation ohne Ziel – Der Weg zum inneren Gleichmut

Das Ich und seine Sehnsucht nach Erlebnissen

Auf dem spirituellen Weg geschieht es leicht, dass wir – oft ganz unbemerkt – in die Falle des spirituellen Begehrens geraten. Besonders in der Meditation: Wir wünschen uns Ruhe, Einsicht, Visionen, ein „Zeichen“ oder ein besonderes Gefühl der Erleuchtung. Und so subtil dieser Wunsch auch sein mag, er verrät das Wirken des Ichs, das sich erneut in den Vordergrund drängt.

Sobald wir nach Meditations-Erfahrungen lechzen, überlassen wir dem Ego das Regiment – jenem Teil in uns, der immer etwas „haben“, etwas „werden“ oder etwas „erleben“ will. Doch in Wahrheit verschließen wir uns damit dem wahren Wesen der Meditation: einem inneren Zustand des vollkommenen Loslassens.

Meditation ist geschehen lassen, nicht machen wollen

Wahre Meditation ist kein Tun – sie ist ein Seinlassen, ein Aufgeben der Kontrolle, ein Hineingleiten in das, was jetzt ist, ohne dass es anders sein müsste.

Wenn in der Meditation nichts geschieht – kein Licht, keine Stimme, kein ekstatisches Gefühl – dann ist das kein „Fehlschlag“, sondern eine Einladung zur Tiefe. Das Ziel liegt nicht im Erlebnis, sondern in der Haltung des Gleichmuts gegenüber allem, was aufsteigt.

Und wenn – was durchaus geschehen kann – eine Vision auftaucht: Jesus, Maria, der Buddha oder andere geistige Wesen, dann ist auch das keine Bestätigung eines besonderen Zustands, sondern einfach eine Erscheinung – anzunehmen mit derselben inneren Ruhe, mit der wir das scheinbare „Nichts“ zuvor angenommen haben.

Reife Meditation bedeutet, nicht nach Höhepunkten zu suchen – sondern frei zu werden von der Gier nach Höhepunkten.

Die Bewegung vom Ich zur stillen Mitte

Je weiter wir in der spirituellen Praxis gehen, desto klarer erkennen wir die subtilen Vorlieben und Abneigungen des Ichs:

  • Das gefällt mir, das nicht.

  • Das war eine „gute“ Meditation, das war eine „schlechte“.

  • Jetzt bin ich „weiter“, jetzt nicht.

Doch all diese inneren Kommentare entspringen nicht dem wahren Selbst, sondern einer alten Gewohnheit des Egos, alles zu bewerten.

Mit zunehmender Reife beginnen wir, diese Urteile hinter uns zu lassen. Wir beginnen, zu sein, statt zu suchen. Und darin liegt eine große Befreiung.

Tempelarbeit: Gleichmut üben in der Shamatha-Vipassana-Meditation

Nimm dir heute Morgen Zeit für eine einfache Shamatha-Vipassana-Meditation. Finde einen ruhigen Ort, richte deinen Sitz ein, schließe die Augen.

Achte zuerst auf den Atem – das ist Shamatha, die Ruhemeditation. Wenn du ruhiger wirst, beginne, die Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen einfach zu beobachten, ohne sie zu bewerten – das ist Vipassana, die Einsichtsmeditation.

Was auch immer aufkommt – oder nicht aufkommt – bleibe gegenwärtig und gelassen.

Erinnere dich an die Worte des heiligen Franziskus von Sales:

„Wenn dein Herz während der ganzen Stunde der Meditation umherschweift, ist es dennoch eine gut verbrachte Stunde.“

Diese Worte entlasten, ermutigen und führen uns zurück zur Demut des Übens, frei von Ziel und Anspruch.

Fazit: Der stille Glanz des wahren Selbst

Die Frucht der Meditation ist nicht die Vision – sondern der innere Wandel: das allmähliche Zurücktreten des Ichs, das Aufleuchten der stillen Mitte, das Gewahrwerden einer Präsenz, die nichts will und alles umfasst.

Wenn du aufhörst, etwas Bestimmtes erleben zu wollen, beginnt das Erleben der Wirklichkeit jenseits aller Formen.
Und das ist das wahre Licht, das aus deiner eigenen Tiefe aufstrahlt.

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