đŻ MEIN WEG ZUR ABSOLUTEN FREIHEIT (Vorabdruck)
Warum konnten die Templer keinen eigenen Staat grĂźnden?
Robert de Sable, der 11. Ordensgrossmeister, versäumte eine der grĂśssten Gelegenheiten zu nutzen, die sich dem Tempel jemals boten. Wie bereits erwähnt, hatte Richard auf seinem Weg in den Orient die formell noch unter der Hoheit von Konstantinopel stehende Insel Zypern erobert. Kurz darauf veräusserte der KĂśnig – vermutlich aufgrund fehlender Truppen fĂźr die Besatzung oder einfach aus Geldmangel – die Insel an den Templerorden, zu einem stattlichen Kaufpreis von 100.000 Besanten. Offensichtlich hatte der Tempel trotz des Verlusts seines gesamten VermĂśgens im Orient keine Probleme, die geforderte Anzahlung von 40.000 Besanten zu leisten.
Jedoch standen die neuen Herren der Insel ebenso wie ihr Vorbesitzer vor dem gleichen Problem: die Aufstellung einer Garnison zur MachtausĂźbung, insbesondere da der Feldzug gegen Saladin an der KĂźste Palästinas bereits in vollem Gange war. Der kleinen Besatzung – mĂśglicherweise nur ganze hundert Mann – gelang es nicht, die freiheitsliebende griechische BevĂślkerung unter Kontrolle zu halten. Hohe Abgaben und verschiedene Ăbergriffe fĂźhrten schliesslich in Nikosia zu einem Volksaufstand gegen die als Fremdherrschaft empfundene Besatzungsmacht.
Obwohl die Revolte niedergeschlagen werden konnte, wurde den Templern klar, dass der Besitz Zyperns langfristig zu viele Ressourcen binden wĂźrde, die der Orden gerade zu jenem Zeitpunkt dringender benĂśtigte, um seine Mission in Outremer zu erfĂźllen. Diese Erkenntnis veranlasste die OrdensfĂźhrung, die unbeliebte Insel nach knapp einem Jahr wieder aufzugeben. Mit Zustimmung Richards beschloss man, dem mittlerweile als KĂśnig von Jerusalem abgelĂśsten Guido von Lusignan, der ein neues Herrschaftsgebiet suchte, die Herrschaftsrechte gegen RĂźckerstattung des Kaufpreises zu Ăźbertragen.
Es ist leicht vorstellbar, dass die Geschichte des Templerordens wahrscheinlich anders verlaufen wäre, wenn er Zypern behalten hätte – denn die flächenmässig grĂśsste Insel des Ăśstlichen Mittelmeers war seit alters her von ausserordentlich hoher strategischer Bedeutung. Mit Zypern als Basis hätte der Orden nicht nur die Seewege in diesem Raum sichern kĂśnnen, sondern auch militärische Operationen gegen jeden beliebigen Punkt an der FestlandkĂźste zwischen Alexandria im SĂźden und Antiochia im Norden vorbereiten kĂśnnen.
Ausserdem verpasste der Tempel mit dem Verkauf die einmalige Gelegenheit, einen eigenen Staat zu grßnden, lange bevor die Deutschen Herren in Ostpreussen und das Hospital auf Rhodos dies taten. Dieses Versäumnis sollte sich hundert Jahre später bitter rächen.
Das Ende des Templerordens
Trotz ihrer finanziellen Macht und militärischen Stärke wurden die Templer schliesslich in den frĂźhen 14. Jahrhundertern von der Kirche und verschiedenen KĂśnigreichen verfolgt. Der berĂźhmteste Vorwurf gegen den Orden war die Häresie und die Anbetung eines “Baphomet”. Papst Clemens V. verurteilte den Orden, und viele seiner Mitglieder wurden verhaftet, gefoltert und verbrannt.
Am 19. März 1314 wurde der letzte Grossmeister des Templerordens, Jacques de Molay, auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Mit seinem Tod endete die Geschichte des alten Templerordens, und seine Mitglieder wurden verfolgt und vertrieben.
Insgesamt gibt es verschiedene Grßnde, warum die Templer keinen eigenen Staat grßnden konnten. Trotz ihres beeindruckenden VermÜgens und ihrer militärischen Macht blieben sie politisch isoliert und waren von Feindschaften und Konflikten umgeben, die letztendlich zu ihrem Untergang fßhrten. Heute werden die Templer als eine der geheimnisvollsten und faszinierendsten Gruppen in der Geschichte angesehen.
