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Breisig – Eine rheinische Komturei des Tempels

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und berichte von Breisig, auch Niederbreisig oder Brysische genannt, einer bedeutenden Komturei am Rhein. Der Ort liegt im heutigen Rheinland-Pfalz an einem wichtigen Verkehrs- und Handelsweg, der schon im Mittelalter Menschen, Waren und Ideen verband. Breisig gehörte zu den alten Besitzungen des Stiftes Essen; die Obervogtei lag bei den Pfalzgrafen und gelangte spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Lehen an die Grafen von Jülich. Möglicherweise steht die Gründung unserer Niederlassung in Verbindung mit Graf Wilhelm III. von Jülich, der am Fünften Kreuzzug teilnahm und dort verstarb.

Bauliche und territoriale Entwicklung

Das genaue Gründungsjahr der Templerniederlassung ist nicht bekannt. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1215, als das Florinstift Koblenz dem Templerhof zu „Brysich“ Güter übertrug. Wenige Jahre später nennt Caesarius von Heisterbach in seinem Dialogus miraculorum (1222) einen Templerpriester Einulf, der in „Briseke villa Diocesis Coloniensis“ verstorben sei – ein früher Beleg für unsere Präsenz am Ort.

Erst ab 1237 darf Breisig als Niederlassung im Rang einer Komturei gelten. Um 1245 errichteten wir die Kapelle des hl. Donatus, die eine Kreuzreliquie beherbergte. Diese Reliquie wurde später auch von den Johannitern verehrt und wird bis heute in der Pfarrkirche St. Marien in Bad Breisig aufbewahrt – ein stilles Zeugnis unserer geistlichen Hinterlassenschaft.

Breisig entwickelte sich zu einem Zentrum des Ordens in der Region. Der genaue Umfang des Besitzes lässt sich nicht mehr vollständig rekonstruieren, doch zahlreiche Flurnamen wie Templerwäldchen, Tempelacker oder Am Tempelfeld weisen möglicherweise auf ehemaligen Templerbesitz hin. Zu den Gütern der Komturei gehörten wohl ein Tempelwald in Franken von etwa 80 Morgen, eine Tempelwiese in Waldorf sowie weiterer Grund in der Umgebung. Manche dieser Namen könnten allerdings auch auf ältere, etwa römische Kultplätze zurückgehen.

Von großer Bedeutung waren unsere städtischen Besitzungen. 1237 erwarb der Komtur von Brisike ein Haus in der Kölner Trankgasse, nahe dem Dom, das im 13. Jahrhundert als „neuer Tempel“ bekannt war. Ein weiteres Haus in derselben Gasse wurde 1290 als „alter Tempel“ bezeichnet. Hinzu kamen zahlreiche Güter, die uns bei Ordenseintritten übertragen wurden: 1226 schenkte ein Johann aus Andernach Landeigentum; ebenso gelangten ein Acker in Kottenheim und ein Templergarten in Meindorf im Siegkreis in unseren Besitz. 1268 verpachteten wir Besitz in Obererlebach, den ein Bruder eingebracht hatte, an dessen leiblichen Bruder und Wicker von Offenbach.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts zwang die angespannte wirtschaftliche Lage des Ordens zu Verkäufen. 1284 veräußerte Komtur Konrad sämtliche Güter in Ostheim für 70 Mark Kölner Denare und übertrug Zinseinkünfte an die Klöster Thron und Marienborn. Der „alte Tempel“ in Köln wurde 1291 in Erbleihe gegeben; der „neue Tempel“ ging 1330 von den Johannitern an das Domkapitel über.

Beziehungen und Konflikte

Über Konflikte ist nichts überliefert. Eine Urkunde von 1290 nennt mehrere Brüder der Komturei – Heinrich von Blaterstein, Conrad und Gysilbert von Menden, Tilmann von Honnef, Heinrich von Dollendorf – und zeigt exemplarisch, dass die Templer von Breisig aus der näheren rheinischen Umgebung stammten. Die Komturei war somit fest im regionalen Adel und Bürgertum verwurzelt.

Architektonische Überreste

Das Haupthaus der Komturei wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der heute als „Tempelhof“ bekannte Bau entstand 1657 unter den Johannitern. Die Templerkapelle aus der Zeit um 1245 wurde in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts abgebrochen. Bei Bauarbeiten in den Jahren 1910 und 1955 stieß man auf ihre Fundamente sowie auf zahlreiche Gräber, die jedoch überwiegend der Johanniterzeit zuzuordnen sind.

So bleibt Breisig ein Ort, an dem unser Orden über mehr als ein Jahrhundert hinweg wirkte: als geistliches Zentrum, als wirtschaftlicher Knotenpunkt und als Teil des großen rheinischen Netzwerks der Templer. Auch wenn die Mauern gefallen sind, lebt das Andenken fort – im Namen, in der Reliquie und im Gedächtnis der Landschaft.

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