Brettemare – Eine landwirtschaftliche Komturei an der Pilgerstraße
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und berichte von Brettemare, einer landwirtschaftlich geprägten Komturei in Frankreich, gelegen unweit der bedeutenden Niederlassung Saint-Étienne-de-Renneville. Der Ort lag an einer alten römischen Straße zwischen Elbeuf und Évreux, einem Verkehrsweg, der im Mittelalter auch von Santiagopilgern genutzt wurde. Damit befand sich Brettemare an einer jener stillen, aber wichtigen Achsen, auf denen Handel, Frömmigkeit und Nachrichten zirkulierten.
Gründung und Entwicklung
Als möglicher Grundstein der Niederlassung gilt die große Landschenkung des Lehens Sacquenville durch Roger de Harenc im Jahr 1212. Diese Gabe schuf die wirtschaftliche Basis, auf der der Orden eine dauerhafte Präsenz errichten konnte. Die erste sichere urkundliche Erwähnung von Brettemare stammt aus dem Jahr 1222.
Spätestens 1262 besaß Brettemare den Rang einer Komturei. In einer Schenkungsurkunde wird ausdrücklich von den „preceptor et fratres militiae Templi apud Bretemaram commorantes“ gesprochen – vom Komtur und den Brüdern des Templerordens, die in Brettemare lebten. Es ist gut möglich, dass die Niederlassung bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts der Komturei Saint-Étienne-de-Renneville unterstand, bevor sie eigenständig wurde, wie es bei vielen wachsenden Häusern des Ordens üblich war.
Besitz und wirtschaftliche Bedeutung
Brettemare war eine ausgesprochen landwirtschaftliche Niederlassung. Zum Besitz gehörten umfangreiche Ländereien von etwa 76 Hektar, die von den Brüdern und ihren Dienstleuten bewirtschaftet wurden. Die Nähe zu fruchtbarem Land und zu einer wichtigen Verkehrsroute begünstigte den Abtransport von Erträgen und die Versorgung benachbarter Ordenshäuser.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erweiterten die Templer von Brettemare ihren Besitz durch Ankäufe in Tourville. Diese gezielte Vergrößerung zeigt, dass die Komturei wirtschaftlich leistungsfähig war und aktiv in die Entwicklung ihres Umlandes eingriff.
Bauten und Nachleben
Besonders bekannt war die große Grangie von Brettemare, ein Wirtschaftsgebäude, das bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts bestand. Allerdings stammt der größte Teil der noch bekannten Bausubstanz nicht aus der Templerzeit, sondern aus dem 17. Jahrhundert, als die Johanniter oder spätere Besitzer die Anlage neu errichteten oder umgestalteten.
So ist Brettemare ein Beispiel für jene stillen Komtureien, deren Bedeutung weniger in Wehrhaftigkeit oder städtischer Präsenz lag, sondern in der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen des Ordens. Entlang einer alten Straße, begangen von Pilgern und Kaufleuten, trug Brettemare mit Ackerbau und Verwaltung dazu bei, dass der Orden seine Aufgabe erfüllen konnte – fern vom Glanz der Städte, doch fest verankert im täglichen Werk.
