✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Die Templer in Cremona

Eine Komturei des Ordens in Italien

Als Brüder des Ordens der Armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon errichteten wir nicht nur Burgen im Heiligen Land. Über ganz Europa hinweg entstanden unsere Komtureien, die den Orden mit Nahrung, Geld und neuen Brüdern versorgten.

Eine dieser Niederlassungen befand sich in der norditalienischen Stadt Cremona in der Lombardei. Diese Komturei spielte eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Versorgung des Ordens.

Die frühesten Spuren unserer Präsenz in Cremona reichen bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück.

Die ersten Spuren der Templer in Cremona

Der älteste bekannte Hinweis auf unsere Anwesenheit stammt aus dem Jahr 1165. In diesem Jahr erwarb ein missus – ein Gesandter oder Beauftragter des Ordens – Land in der Umgebung von Cremona.

Doch bereits ein Jahr zuvor, 1164, wird eine Templerkirche im nahegelegenen Mezzano Chiantolo erwähnt. Dies deutet darauf hin, dass der Orden in dieser Region bereits zuvor Fuß gefasst hatte.

Solche frühen Erwerbungen waren typisch für die Ausbreitung unseres Ordens in Europa. Lokale Adelige, Geistliche und Bürger überließen dem Orden Land oder Einkünfte, damit wir unsere Aufgaben im Heiligen Land erfüllen konnten.

Die Anerkennung durch den Bischof

Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Komturei erfolgte im Jahr 1193.

Der damalige Bischof Sicard von Cremona gewährte den Tempelrittern des städtischen Ordenshauses die Pfarrrechte. Diese Entscheidung stärkte die Stellung des Ordens in der Stadt erheblich.

Mit den Pfarrrechten war nicht nur religiöse Autorität verbunden, sondern auch ein stabiler wirtschaftlicher Hintergrund. Die Komturei konnte nun stärker in das religiöse und gesellschaftliche Leben der Region eingebunden werden.

Der Besitz der Komturei

Wie viele Niederlassungen des Ordens war auch die Komturei von Cremona vor allem ein wirtschaftliches Zentrum.

Die Einkünfte des Hauses bestanden hauptsächlich aus den Pachtzahlungen zahlreicher Pächter. Aus den Inventaren, die während des späteren Inquisitionsprozesses gegen den Templerorden erstellt wurden, geht hervor, dass etwa 150 Pächter Abgaben an die Komturei entrichteten.

Zum Besitz des Ordens gehörten außerdem:

  • Weinberge

  • landwirtschaftliche Felder

  • Ländereien im Umland

Diese Einkünfte waren von großer Bedeutung. Sie ermöglichten es dem Orden, seine militärischen und karitativen Aufgaben im Heiligen Land zu finanzieren.

Die europäischen Komtureien waren gewissermaßen das wirtschaftliche Rückgrat des Ordens.

Der Standort der Templerniederlassung

Nach dem heutigen Stand der historischen Forschung befand sich die Niederlassung der Tempelritter in Cremona in der damaligen Vorstadt der Stadt.

Der Standort lag vermutlich an der heutigen:

Via Bernardino Gatti

In unmittelbarer Nähe befand sich das Allerheiligenkloster, das heute mit der Via Luigi Voghera verbunden wird.

Auch der Name eines nahegelegenen Stadttors erinnert an unsere Anwesenheit. Dieses Tor wurde einst „del Tempio“ – Tor des Tempels genannt.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1283 erwähnt zudem eine Straße mit dem Namen:

„strata Templi“ – Straße des Tempels

Solche Ortsnamen zeigen, wie tief der Orden in das Leben der mittelalterlichen Stadt eingebunden war.

Das Ende der Komturei

Wie viele Häuser unseres Ordens wurde auch die Komturei von Cremona von den Ereignissen des frühen 14. Jahrhunderts betroffen.

Nachdem der Templerorden 1312 aufgelöst wurde, gingen die meisten Besitzungen an den Johanniterorden über.

Auch das Haus in Cremona und seine Ländereien wurden den Johannitern übergeben, die sie fortan verwalteten.

Damit endete die direkte Präsenz der Tempelritter in der Stadt – doch ihre Spuren blieben in Dokumenten, Ortsnamen und historischen Überlieferungen erhalten.

Fazit

Die Komturei von Cremona war ein bedeutender Teil des europäischen Netzwerks der Tempelritter. Mit ihren Ländereien, Weinbergen und zahlreichen Pächtern stellte sie wichtige wirtschaftliche Ressourcen für den Orden bereit.

Auch wenn die Tempelritter heute nicht mehr existieren, erinnern historische Urkunden, Straßennamen und archäologische Hinweise an ihre einstige Präsenz in der lombardischen Stadt.

Cremona ist damit ein weiteres Beispiel dafür, wie weit das Netzwerk des Templerordens im mittelalterlichen Europa reichte – von den Städten Italiens bis zu den Festungen des Heiligen Landes.

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