Exkommunikation bestätigt
Die Bischofsweihen der Piusbrüder
Wenn Geschichte sich wiederholt
Am 1. Juli 2026 weihte die Priesterbruderschaft St. Pius X. (Piusbrüder) im schweizerischen Écône vier neue Bischöfe – ohne päpstliches Mandat und gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. Wenige Tage später erklärte das Glaubensdikasterium des Vatikans den Vorgang zu einem „Akt schismatischer Natur“. Die beteiligten Weihbischöfe und die vier neu geweihten Bischöfe hätten sich nach Auffassung Roms automatisch die Exkommunikation (latae sententiae) zugezogen.
Für Beobachter der Kirchengeschichte wirkt dieses Ereignis wie ein Déjà-vu. Denn genau dasselbe geschah bereits 1988, als Erzbischof Marcel Lefebvre trotz ausdrücklichen päpstlichen Verbots vier Bischöfe weihte. Damals sprach Papst Johannes Paul II. ebenfalls von einem schismatischen Akt.
Exkommunikation – eine alte kirchliche Waffe
Aus Sicht des kanonischen Rechts ist die Entscheidung des Vatikans konsequent. Seit Jahrhunderten beansprucht der Papst das ausschließliche Recht, Bischofsweihen zu genehmigen. Wer dieses Recht missachtet, stellt nach katholischer Auffassung die kirchliche Einheit infrage.
Doch gerade hier beginnt auch die historische Diskussion.
Die Geschichte der Kirche kennt zahlreiche Fälle, in denen sich Bischöfe, Patriarchen und sogar Päpste gegenseitig exkommunizierten. Besonders bekannt ist das Morgenländische Schisma von 1054, bei dem sich Rom und Konstantinopel gegenseitig mit dem Kirchenbann belegten. Auch während des Großen Abendländischen Schismas existierten gleichzeitig mehrere Päpste, die sich gegenseitig für unrechtmäßig erklärten und ihre jeweiligen Anhänger exkommunizierten.
Aus heutiger Sicht erscheint es fast paradox: Menschen, die sich alle auf Christus beriefen, erklärten sich gegenseitig zu Ausgestoßenen der Kirche.
Wer gehört wirklich zur Kirche Christi?
Aus templerischer Sicht stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage:
Ist die Zugehörigkeit zu Christus ausschließlich von einer juristischen Entscheidung des Vatikans abhängig?
Jesus Christus selbst sprach häufig über Liebe, Glauben, Umkehr und Nachfolge. Von einer zentralen kirchlichen Verwaltung, die über das Heil einzelner Menschen entscheidet, ist in den Evangelien dagegen nur wenig zu finden.
Gerade deshalb fällt vielen Christen auf, dass kirchenrechtliche Maßnahmen oftmals stärker wahrgenommen werden als die eigentliche Botschaft des Evangeliums.
Das „heilige Volk Gottes“
Bemerkenswert ist auch die Wortwahl des aktuellen Dokuments. Dort wird mehrfach vom „heiligen Volk Gottes“ gesprochen.
Dieser Ausdruck stammt aus der frühen christlichen Tradition und wurde besonders durch das Zweite Vatikanische Konzil wieder stärker betont. Er erinnert daran, dass Kirche nicht nur aus Klerikern besteht, sondern aus allen Gläubigen.
Dennoch entsteht bei manchen Beobachtern der Eindruck eines Widerspruchs: Einerseits wird das Volk Gottes hervorgehoben, andererseits werden Gläubige davor gewarnt, an Gottesdiensten der Piusbruderschaft teilzunehmen, und formelle Mitglieder der Bruderschaft werden als schismatisch bezeichnet.
Das Lefebvre-Schisma wiederholt sich
Fast vier Jahrzehnte nach den Ereignissen von 1988 scheint sich die Geschichte nahezu unverändert zu wiederholen.
Damals wie heute berufen sich beide Seiten auf ihre Treue zur katholischen Kirche.
Der Vatikan betont die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber dem Papst.
Die Piusbruderschaft verweist dagegen auf ihre Verpflichtung, die traditionelle katholische Lehre und Liturgie unverändert zu bewahren.
Damit stehen erneut zwei unterschiedliche Auffassungen von kirchlicher Treue einander gegenüber.
Ein Blick aus templerischer Sicht
Templer haben die Geschichte der Kirche stets mit Respekt, aber auch mit kritischem Blick betrachtet.
Wir wissen, dass kirchliche Institutionen von Menschen geleitet werden. Menschen können irren, Machtkämpfe führen oder unterschiedliche Auffassungen vertreten. Die Geschichte liefert dafür unzählige Beispiele.
Unser Maßstab bleibt deshalb in erster Linie Jesus Christus.
Er rief nicht zur gegenseitigen Verurteilung auf, sondern zur Wahrheit, zur Liebe und zur Umkehr. Er sprach von Demut statt Macht, von Dienst statt Herrschaft.
Wenn heute erneut Exkommunikationen ausgesprochen werden, lohnt sich daher die Frage:
Dient dieser Schritt tatsächlich der Einheit der Christen – oder vertieft er eine Spaltung, die bereits seit Jahrzehnten besteht?
Schlussgedanke
Die Ereignisse von Écône zeigen erneut, wie tief die Spannungen innerhalb der katholischen Welt sind. Sie erinnern zugleich daran, dass kirchliche Konflikte keine Erscheinung der Gegenwart sind, sondern die Christenheit seit Jahrhunderten begleiten.
Für den Templer bleibt deshalb die wichtigste Frage nicht, welche Institution über die größere Autorität verfügt, sondern wie treu jeder einzelne Christ den Worten und dem Vorbild Jesu Christi folgt.
Denn letztlich wird nicht ein kirchenrechtliches Dekret über das Herz eines Menschen urteilen, sondern Gott allein.

