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Guillaume de Beaujeu – Der letzte große Meister des Widerstands

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und gedenke Guillaume de Beaujeu, unseres Großmeisters in den letzten, schwersten Jahren im Heiligen Land. Sein Leben und Wirken stehen exemplarisch für die Spannung zwischen ritterlicher Pflicht, politischer Notwendigkeit und dem nahenden Untergang der Kreuzfahrerstaaten.

Guillaume de Beaujeu entstammte einer hochadligen Familie aus dem Lyonnais. Er war eng verwandt mit dem französischen Königshaus, den Anjou und dem Grafen von Flandern. Mehrere Mitglieder seiner Familie bekleideten hohe militärische Ämter am französischen Hof und nahmen an Kreuzzügen im Orient ebenso teil wie an den Kämpfen gegen die Albigenser. Auch Humbert de Beaujeu, Wohltäter der Abtei Cluny und ehemaliger Templer, für den sich Petrus Venerabilis einsetzte, gehörte zu diesem weitverzweigten Geschlecht.

Guillaume trat noch vor 1253 in den Templerorden ein. Nach dem Bericht des sogenannten Templers von Tyrus befand er sich um 1260 bereits im Orient und geriet bei einem Scharmützel in die Gefangenschaft der Turkmenen – ein frühes Zeugnis seiner Nähe zum tatsächlichen Kampfgeschehen. 1271 erscheint er als Komtur von Tripolis, 1273 als Provinzmeister von Süditalien (Apulien und Sizilien). Dieses Amt übte er bis zu seiner Wahl zum Großmeister aus, die am 13. Mai 1273 in absentia erfolgte.

1274 nahm Guillaume de Beaujeu am Konzil von Lyon teil. Dort wurden ein neuer Kreuzzug beschlossen und die Wiedervereinigung mit der Ostkirche angestrebt. Die von König Jakob I. von Aragon vorgetragenen Kreuzzugspläne lehnte Beaujeu ab. Er fürchtete, ein großes Unternehmen könne die ohnehin fragile politische Lage der verbliebenen Kreuzfahrerstaaten weiter destabilisieren, und schätzte die Möglichkeiten des französisch-angevinischen Lagers höher ein. Gesandte Aragons zeigten sich darüber ungehalten und deuteten sein Verhalten als Zögern.

Nach dem Konzil bereiste Beaujeu die Ordensprovinzen Europas, warb für die Sache des Heiligen Landes und sammelte Gelder. In England erlangte er über 38.000 Livres tournoises, die der König dem Orden schuldete und nun zurückerstattete. Im September 1275 landete er in Akkon und griff von dort aktiv in die Politik ein – ein Schritt, der den Orden unweigerlich in die innerchristlichen Machtkämpfe des Ostens verstrickte.

Er unterstützte Karl I. von Anjou als Hoffnungsträger für den Orient, nachdem eine konkurrierende Prätendentin 1277 ihre Rechte auf den Thron von Jerusalem an ihn verkauft hatte. Hugo III. von Zypern, König von Zypern und Titularkönig von Jerusalem, musste daraufhin Akkon verlassen. In einem Schreiben an den Papst klagte er, Templer und Johanniter machten ihm eine Regierung unmöglich. Seine Rache folgte bald: Er ließ Templerhäuser auf Zypern zerstören und beschlagnahmte Ordensbesitz.

Beaujeu wurde auch in die Fehde um Tripolis verwickelt, in der sich Guido de Embriaco, Bohemund VII., kirchliche Würdenträger und ihre Bündnispartner gegenüberstanden. Da sich mehrere Parteien dem Orden als Donaten anschlossen oder Schutz suchten, gerieten wir mitten in den Konflikt. Eine kleine Templerflotte griff Tripolis an, worauf Bohemund VII. mit der Eroberung der Templerfestung Sidon antwortete. Beaujeu ersuchte den Papst um Exkommunikation des Fürsten und drohte mit einer geschlossenen Front der drei Ritterorden. Die Fehde endete erst 1282 mit der Gefangennahme Guy de Gibelets, der die Templer des Verrats bezichtigte.

1277 gelang es Beaujeu gemeinsam mit den Meistern der Johanniter und des Deutschen Ordens, den Frieden zwischen Venedig und dem Herrn von Tyrus zu vermitteln. Nach der Schlacht von Homs 1282 handelte er den Waffenstillstand mit den Mamluken aus, den Vertrag von Tortosa, der den letzten christlichen Stützpunkten eine kurze Atempause verschaffte. Solche Verträge waren nicht ungewöhnlich; sie dienten der Sicherung des Ordens. Dennoch sagte ein Zeuge im späteren Prozess, Beaujeu habe „große Freundschaft mit Sarazenen gepflegt“ – und nannte zugleich den realpolitischen Grund dafür.

Die Sizilianische Vesper 1282 zerstörte alle Hoffnungen auf angevinische Hilfe. Auch Verhandlungen mit Alfons III. von Aragon ab 1290 blieben erfolglos. Hilfe war von keiner Seite mehr zu erwarten. In Akkon führte schließlich ein Massaker an einheimischen Muslimen und Christen durch neu eingetroffene Hilfstruppen aus Venedig zur Eskalation. Am 5. April 1291 begann die Belagerung von Akkon, der letzten großen christlichen Stadt.

Guillaume de Beaujeu kämpfte bis zuletzt. Bei einem der letzten Abwehrgefechte wurde er schwer verwundet und starb kurz darauf. Er wurde in der Ordenskirche bestattet. Mehrere Chronisten rühmen seinen heldenhaften Einsatz bei der Verteidigung der Stadt.

Für uns Templer bleibt Guillaume de Beaujeu der Meister der letzten Stunde: ein Mann zwischen Diplomatie und Schwert, zwischen Hoffnung und Untergang, der bis zum Ende standhielt, als die Mauern fielen und die Welt, die wir kannten, versank.

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