Templer - Blog

⚔️ Die “WELT” und die Templer

Der Sultan versprach den Kreuzrittern Pardon – und ließ sie allesamt enthaupten

Im Jahr 1291 war Akkon die letzte christliche Bastion im Heiligen Land. Die Ermordung muslimer Händler lieferte den Mamluken den Vorwand zum Angriff. Die Belagerung endete im Mai mit einem Blutbad, das an ein Massaker 100 Jahre zuvor anknüpfte.
Seit dem Aufruf Papst Urbans II. von 1095 ziehen christliche Ritter ins Heilige Land. Über 200 Jahre hinweg führen ihre Herrschaften im Orient eine prekäre Existenz. Die letzte Festung fällt 1291.

Seit die Ritter des Ersten Kreuzzuges 1099 das Heilige Land erobert hatten, zog sich ein Problem durch die Geschichte der Kreuzfahrerstaaten in der Levante: Während die überlebenden Veteranen mit der Zeit begriffen, dass Massaker an Muslimen und Juden, wie sie bei der Eroberung von Jerusalem veranstaltet worden waren, die Stabilität der christlichen Herrschaften kaum beförderten, traten Neuankömmlinge aus Europa den neuen Untertanen oft mit einer Arroganz und Menschenverachtung gegenüber, die die Gräben zwischen den Religionen nur noch weiter vertieften.

Diese Erfahrung mussten 1290 auch die Bewohner der Hafenstadt Akkon im Norden Israels machen, des letzten bedeutenden Stützpunkts, der den Kreuzfahrern im Heiligen Land nach dem Fall von Tripolis im heutigen Libanon noch verblieben war. Wieder einmal hatte ein Papst, Nikolaus IV., 1289 zur „bewaffneten Pilgerfahrt“ aufgerufen. Aber bei den Truppen, die dem gefolgt waren, handelte es sich nicht mehr um geübte Soldaten unter fürstlicher Führung, sondern um zusammengewürfelte Haufen undisziplinierter Männer aus Nord- und Mittelitalien, die ungebildet genug für die Hoffnung waren, im wankenden „Outremer“ (jenseits des Meeres) ihr Glück machen zu können.

Da kamen einige muslimische Händler, die im von Flüchtlingen angefüllten Akkon ihren Geschäften nachgingen, diesen Glücksrittern gerade recht. Als Beweis für ihre Kampfbereitschaft und vor allem wohl aus Langeweile brachten sie sie um. Das bescherte dem Mamluken-Sultan Qalawun den willkommenen Vorwand, um den brüchigen Frieden mit den Christen aufzukündigen. Da der Rat von Akkon seine Forderung nach der enormen Entschädigung von 30.000 Golddukaten zurückwies, rüstete er umgehend für den Kriegszug nach Norden.

Seit die Mamluken Ägyptens 1260 die Invasion der sieggewohnten Mongolen zurückgeschlagen hatten, waren sie zur wichtigsten muslimischen Großmacht in der Levante aufgestiegen. Sie rekrutierten sich aus Kriegssklaven, die unter Türken und Kaukasiern in der eurasischen Steppe und von ihren Sultanen zu geübten Soldaten und ebenso fanatischen wie schlichten Anhängern des sunnitischen Islam gemacht wurden. Längst hatten sie weite Teile Palästinas und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht.

Da ihre Rekrutierungspraxis die Entstehung von dauerhaften Dynastien erschwerte, wurde das Mamluken-Regime erfahrungsgemäß eher von Herrschaftsübergängen denn äußeren Feinden erschüttert. Als Qalawun noch vor dem Abmarsch im November 1290 überraschend starb, frohlockten die Bewohner von Akkon jedoch zu früh. Seinem Sohn Chalil, der bereits zwei Jahre zuvor zum Vize-Sultan ernannt worden war, gelang es wider Erwarten schnell, die Nachfolge anzutreten. Die Aussicht auf reiche Beute mag dabei nicht die geringste Rolle gespielt haben.

Im März brachen die Mamluken bei Kairo auf und begannen am 5. April 1291 mit der Belagerung der Stadt. Der kurdische Schriftsteller Abu’l-Fida, der sich dem Zug angeschlossen hatte, zählte 60.000 Reiter und doppelt so viele Kämpfer und Abenteurer zu Fuß, was wohl übertrieben war. Aber den vielleicht 15.000 Soldaten, die Heinrich II. aufbieten konnte, waren sie weit überlegen. Längst regierte der nominelle „König von Jerusalem“ auf Zypern, erreichte aber mit 200 Rittern und 500 Infanteristen noch rechtzeitig die Stadt. Ihm zur Seite standen die Großmeister von Templer-, Johanniter-, Lazarus- und des Deutschen Ordens, deren Kontingente den Kern der Verteidiger ausmachten.

Von Geschichte, Natur und Wissenschaft bis hin zu Technik, Gesellschaft und Kultur bietet N24 Doku den Zuschauerinnen und Zuschauern eine Vielfalt an tiefgründigen und fesselnden Programmen.

Ihre aller Hoffnung beruhte auf dem zweifachen Mauerring, der Akkon zu einer riesigen Festung machte. Um sie sturmreif zu schießen, ließ Chalil 100 Wurfmaschinen heranschaffen, von denen die größten Namen wie „der Wütende“ und „die Siegreiche“ trugen und zentnerschwere Steine gegen die Befestigungen schleuderten. Die zahlreichen Fußsoldaten wurden von den Mamluken im unterirdischen Tunnelkampf eingesetzt, um Türme und Mauern zu untergraben und damit zum Einsturz zu bringen.

Vielleicht hätte sich der Sultan an sein Angebot gehalten und die Verteidiger mitsamt ihrer beweglichen Habe ziehen lassen, wenn sie ihm Akkon beizeiten übergeben hätten. Aber König Heinrich fürchtete wohl die Schande, die letzte christliche Bastion im Heiligen Land aufgegeben zu haben, und brach die Verhandlungen ab. Mit vereinzelten Ausfällen versuchte er stattdessen, die Belagerer zu zermürben. Dabei fiel ein Lateiner „in die Latrinengrube einiger Emire und wurde getötet“, berichtet Abu’l-Fida.

Der Marschall der Johanniter, Mathieu de Clermont, verteidigt die Mauern von Akkon. Gemälde von Dominique Papety, 1845
Mehrere Wochen lang konnten die Kreuzritter die Angriffe der Mamluken zurückschlagen
Quelle: Wikipedia/Public Domain

Bis zum 18. Mai hatten sich die Mamluken bis an die inneren Tore herangearbeitet. Dann gab Chalil den Befehl zum Sturmangriff, der schnell die Verteidigung überrannte. „Die einfachen Leute flohen durch die Straßen, sie hielten ihre Kinder im Arm, weinten verzweifelt und flüchteten sich zu den Seeleuten, damit diese sie vor dem Tod retteten“, schrieb ein christlicher Augenzeuge, was der muslimische Autor Abu’l-Mahasin aus anderer Perspektive bestätigte: „Die Franken warfen sich ins Meer, verfolgt von den Muslimen … Sie richteten ein ungeheures Blutbad an und machten unermessliche Beute.“

Dabei bewies Chalil historisches Bewusstsein. Fast auf den Tag hatten 100 Jahre zuvor Ritter des Dritten Kreuzzuges unter der Führung des Engländers Richard Löwenherz die muslimische Besatzung von Akkon umgebracht, obwohl ihr zuvor Pardon gewährt worden war. In diesem Sinn versprach der Sultan jetzt den überlebenden Verteidigern freien Abzug und ließ sie hinausführen, schreibt Abu’l-Fida: „Dann wurden sie bis auf den letzten Mann vor der Stadt enthauptet. Daraufhin ließ er die Stadt selbst zerstören und dem Erdboden gleichmachen.“

Bis zum 28. Mai konnten einige Ordensritter noch in einem festungsartig Turm standhalten. Von Minengängen unterhöhlt, stürzte die Bastion schließlich ein, „und alle wurden unter ihren Trümmern begraben“, bezeugt Abu’l-Mahasin. In den folgenden Monaten traf es die wenigen verbliebenen christlichen Stellungen an der Küste und im Hinterland. Die Reiche der Kreuzfahrer im Orient waren Geschichte.

Schreibe einen Kommentar