Manifest von Wien
Manifest von Wien vom 17.02.1974
Verfasst am 17. Februar 1974 am Hochsitz im Schloss Schönbrunn, Wien
Neu gefasst für unsere Zeit
Der Zweck unseres Ordens ist die Sammlung.
Diese Sammlung gilt den Menschen und den Gedanken. Sie gilt jenen Kräften, die aufbauen, verbinden, klären und dem Ganzen dienen wollen.
Wir suchen Menschen, die Verantwortung tragen können. Menschen, die nicht zerstören, sondern gestalten. Menschen, die nicht spalten, sondern sammeln. Menschen, die nicht aus Eitelkeit kommen, sondern aus innerer Berufung.
Mitgliedschaft im Orden ist daher keine bloße Formalität. Sie ist eine Frage des Vertrauens, der Haltung und der Bereitschaft, an sich selbst und am gemeinsamen Werk zu arbeiten.
Fernhalten wollen wir jene, die aus Angst handeln, aus Berechnung, aus Karriereabsicht oder aus bloßer Neugier. Ebenso wenig suchen wir Blender, Selbstdarsteller oder Menschen, die Titel und Zugehörigkeit höher achten als Dienst, Leistung und Treue.
Wir suchen vielmehr jene Menschen von Wert, die als Einzelne denselben Weg gehen, den wir als Gemeinschaft beschreiten: den Weg der inneren Ordnung, der geistigen Klarheit, der ritterlichen Haltung und der dienenden Verantwortung.
Dabei wissen wir: Menschen können in Einzelfragen verschieden denken und dennoch im Wesentlichen verbunden sein. Darum wollen wir nicht Gleichförmigkeit erzwingen, sondern gemeinsame Ausrichtung ermöglichen.
Unsere Aufgabe ist es, die Fragen unserer Zeit ernst zu nehmen, sie zu Ende zu denken, ihnen klare Worte zu geben und sie an jene Schwelle heranzuführen, an der Lösung möglich wird.
Wir glauben, dass jede wirkliche Erneuerung Menschen braucht, die anders denken, tiefer fühlen und entschlossener handeln als ihre Zeit es erwartet.
Europa leidet oft daran, dass Entscheidungen zu spät fallen. Doch wahre Entscheidungen dürfen weder überstürzt noch versäumt werden. Sie müssen im rechten Augenblick getroffen werden.
Darum erheben wir die Haltung des rechten Augenblicks zu einem Grundsatz unseres Wirkens: wach sein, vorbereitet sein, unterscheiden können und handeln, wenn die Stunde gekommen ist.
Wo immer Ordensmitglieder wirken, sollen sie für unsere Grundsätze einstehen: für Gemeinsinn, Würde, Wahrheit, Verantwortung, Brüderlichkeit und den Schutz des Schwachen.
Unsere Gemeinschaft soll sichtbar werden, nicht durch Lärm, sondern durch Haltung; nicht durch Anspruch, sondern durch Leistung; nicht durch äußeren Glanz, sondern durch innere Geschlossenheit.
Jeder Einzelne trägt Verantwortung für das Ganze. Was ein Mitglied tut, fällt auf die Gemeinschaft zurück. Was die Gemeinschaft erreicht, wird durch die Treue und Leistung jedes Einzelnen möglich.
In der Geschlossenheit liegt unsere Kraft.
In der Leistung liegt unsere Glaubwürdigkeit.
Im Dienst liegt unser Adel.
So sammeln wir Menschen, Gedanken und Kräfte für ein Werk, das größer ist als der Einzelne.

