8 Briefe vor der Schwertleite
Die acht Briefe zur Vorbereitung auf die Schwertleite
Lieber Bruder Knappe,
Die Schwertleite gehört zu den bedeutendsten Stationen auf dem Weg des Knappen. Sie bezeichnet nicht einfach den Augenblick, in dem ein Schwert überreicht und die Ritterwürde verliehen wird. Das Schwert ist vielmehr ein sichtbares Zeichen für eine innere Verpflichtung. Wer es empfängt, soll sich bewusst sein, dass mit der Ritterwürde Verantwortung verbunden ist – gegenüber Gott, gegenüber der Gemeinschaft, gegenüber seinen Mitmenschen und nicht zuletzt gegenüber sich selbst.
Aus diesem Grund erhält jeder Knappe vor seiner Schwertleite acht besondere Briefe zur Einstimmung und Vorbereitung. Sie sollen nicht wie gewöhnliche Lehrbriefe studiert und auch nicht als Wissensprüfung verstanden werden. Jeder dieser Briefe lädt dazu ein, einen anderen Aspekt des Ritterweges zu betrachten: den Weg, das Wachstum, das Licht, die Brüderlichkeit, die Arbeit an sich selbst, das Dienen, die Sprache des Herzens und den inneren Raum der Barmherzigkeit.
Lieber Bruder Knappe,
nimm dir für diese acht Briefe bewusst Zeit. Lies sie nicht alle hastig hintereinander. Lass die Gedanken auf dich wirken und frage dich immer wieder, was sie für dein eigenes Leben und deinen künftigen Weg als Ritter bedeuten. Die Vorbereitung auf die Schwertleite soll eine Zeit der inneren Sammlung sein. Denn die Schwertleite ist keine bloße Zeremonie und kein äußerer Rangwechsel. Sie ist ein bewusster Schritt auf einen Weg, dessen Ideale dich auch nach der Aufnahme in den Ritterstand begleiten sollen.
Dies gilt ebenso, wenn du an einer Fernschwertleite teilnimmst. Auch ohne die körperliche Anwesenheit in einem Kapitel kannst du die Vorbereitung ernsthaft und würdig vollziehen. Suche dir dazu, wenn möglich, einen Ort der Stille. Das kann ein Wald, eine Wiese, ein See oder ein anderer Platz in der Natur sein, an dem du für einige Zeit ungestört bist. Nimm die acht Briefe mit und lies sie dort noch einmal langsam und aufmerksam. Verweile nach wichtigen Abschnitten einige Minuten in der Stille und gib den Gedanken Raum, sich in dir zu entfalten.
Frage dich dabei: Was möchte mir dieser Brief sagen? Wo erkenne ich mich selbst wieder? Was möchte ich in meinem Leben verändern? Welche Verantwortung bin ich bereit, als künftiger Ritter zu übernehmen? Nimm diese Gedanken mit in dein Gebet und bitte Gott um Weisheit, Demut, Mut und die Kraft, den eingeschlagenen Weg treu weiterzugehen. Vielleicht möchtest du deine Gedanken auch in einem persönlichen Notizbuch festhalten. Oft wird uns beim Schreiben deutlicher, was uns innerlich bewegt und welche Erkenntnisse wir aus einer stillen Betrachtung mitnehmen.
Gehe diese Vorbereitung ohne Eile. Es geht nicht darum, möglichst schnell acht Briefe gelesen zu haben. Die Vorbereitung auf die Schwertleite ist keine Prüfung deines Wissens, sondern eine Begegnung mit dir selbst, mit deinem Gewissen und mit Gott. Das Entscheidende geschieht nicht auf dem Papier, sondern in dir.
Wenn schließlich der Augenblick deiner Schwertleite gekommen ist, sollst du deshalb nicht nur bereit sein, ein Schwert zu empfangen. Du sollst bereit sein, die Verantwortung anzunehmen, für die dieses Schwert steht: Wahrheit zu suchen, Gerechtigkeit zu üben, den Schwachen beizustehen, deine eigenen Fehler zu erkennen und an dir selbst zu arbeiten. Das Schwert des Templers soll nicht zuerst ein Zeichen äußerer Macht sein, sondern ein Symbol der Selbstbeherrschung, der Verantwortung und des Dienstes.
Möge Gott dich während dieser acht Briefe begleiten, dein Herz stärken und dir die Klarheit schenken, deinen eigenen Ritterweg zu erkennen. Wenn du schließlich zur Schwertleite antrittst, beginnt nicht das Ende deiner Ausbildung. Vielmehr beginnt ein neuer Abschnitt deines Weges.
Wir freuen uns darauf, dich als Ritter in unseren Reihen willkommen zu heißen.
Mit brüderlichen Grüßen
Der Alte Souveräne Templer Orden
