✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Heute ist der Todestag des 10. Templergrossmeisters

Gerardus de Ridefort

1185 – 4. Oktober 1189

Heute, am 4. Oktober, gedenken wir des Todes unseres 10. Großmeisters Gerardus de Ridefort, der im Jahre des Herrn 1189 während der Belagerung von Akkon fiel. Sein Name ist bis heute von Widersprüchen umgeben – er gilt manchen als ehrgeizig und ungestüm, anderen jedoch als unbeugsamer Kämpfer, der sein Schwert niemals vor den Feinden des Kreuzes senkte.

Der Aufstieg eines Ritters

Gerardus stammte aus Flandern und kam in den frühen 1170er Jahren ins Heilige Land. Zunächst trat er als fahrender Ritter in den Dienst des Grafen Raimund von Tripolis. Doch persönliche Enttäuschungen und gebrochene Versprechen lenkten sein Schicksal bald in andere Bahnen: Statt durch eine vorteilhafte Heirat in die Reihen der Barone einzutreten, wählte er den Weg des Ordens.

Schon bald zeichnete er sich durch Strenge, Entschlossenheit und Mut aus. 1179 wurde er königlicher Marschall, wenige Jahre später Seneschall des Ordens. Mit dem Tod Großmeisters Arnaldus von Torroja im Jahr 1184 trat Gerardus als ranghöchster Würdenträger in die Führungsverantwortung und wurde – unterstützt durch König Balduin IV. – zum Großmeister gewählt.

Ein Mann des Schwertes

Seine Wahl war Ausdruck des Willens vieler Ordensbrüder, die endlich wieder den Kampf gegen den Feind suchten. Denn die Ritter, die aus dem Westen kamen, wollten nicht abwarten und verhandeln – sie wollten handeln. Gerardus entsprach diesem Ruf und führte den Orden zweimal gegen Saladin ins Feld.

Doch seine Entschlossenheit brachte auch unbedachte Entscheidungen hervor. Am 1. Mai 1187 zog er mit einer verhältnismäßig kleinen Schar von Templern, Johannitern und Rittern von Nazareth zur Quelle Cresson. Trotz warnender Stimmen wagte er die Schlacht gegen eine vielfach überlegene Streitmacht. Der Kampf endete in einem Blutbad; nur wenige überlebten.

Hattin – die große Niederlage

Noch verhängnisvoller war die Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187. Auf Gerards Drängen hin brach König Guido trotz der Mahnungen des Grafen Raimund von Tripolis zum Entsatz von Tiberias auf. Das Heer marschierte durch dürres, wasserloses Land und wurde in sengender Hitze von Saladins Streitkräften umzingelt.

Die Niederlage war vernichtend: Das Kreuz Christi ging verloren, das Königreich Jerusalem brach zusammen. Die Templer kämpften bis zuletzt tapfer, doch hunderte Brüder wurden nach der Schlacht grausam hingerichtet. Gerardus selbst geriet mit König Guido in Gefangenschaft, wurde aber gegen wichtige Festungen freigelassen – ein Zeichen, dass selbst Saladin seine Bedeutung erkannte.

Treue bis in den Tod

Trotz seines Versprechens, nicht mehr gegen Saladin zu kämpfen, nahm Gerardus bald wieder das Schwert zur Hand. Er verteidigte Tortosa und zog schließlich mit König Guido zur Belagerung von Akkon. Am 4. Oktober 1189 fiel er in der Schlacht – nach christlicher Überlieferung verachtete er die Flucht und starb wie ein Ritter, das Banner des Ordens in Händen.

Licht und Schatten

Gerardus de Ridefort war ein Großmeister, dessen Wirken bis heute kontrovers gesehen wird. Seine Strenge, sein Ehrgeiz und sein ungestümer Kampfeswille trugen zu den schwersten Niederlagen der Kreuzfahrerstaaten bei. Doch zugleich war er ein Mann, der keine Furcht kannte und bis zuletzt bereit war, für Christus und den Orden sein Leben zu opfern.

So bleibt sein Name in der Geschichte als mahnendes Beispiel: Ein Ritter ohne Maß kann Sieg in Niederlage verkehren – doch ein Ritter ohne Mut verliert sich selbst.

Gebet eines Tempelritters

Herr, gedenke Deines Dieners Gerardus,
der in Eifer und Kampf für Dein Heiliges Grab gefallen ist.
Vergib ihm seine Schuld,
wie wir die Härte seines Schicksals erkennen.
Lass uns aus seiner Geschichte lernen –
Wachsamkeit mit Demut zu vereinen
und Mut mit weiser Besonnenheit.
Non nobis, Domine, non nobis,
sed nomini tuo da gloriam.

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