Illinois legalisiert ärztlich assistierten
Suizid- Kritik von Kirchen
Bestätigte Diagnose und Alternativen
Das Gesetz sieht vor, dass die Diagnose nach einer persönlichen Untersuchung durch einen Arzt bestätigt werden muss und ein zweiter Arzt zustimmen muss. Ärzte müssen die Patienten über „realisierbare Alternativen“ zum assistierten Suizid informieren, darunter Behandlungsmöglichkeiten, palliative und hospizliche Versorgung sowie Schmerztherapie.
Medizinisches Fachpersonal ist nicht zur Teilnahme an diesem Prozess verpflichtet; diejenigen, die teilnehmen, sind von zivil- oder strafrechtlicher Haftung ausgeschlossen.
Gouverneur Pritzker verteidigte die Unterzeichnung der Gesetzesvorlage: Sie erlaube es „Patienten, die mit schwächenden unheilbaren Krankheiten konfrontiert sind, in Absprache mit einem Arzt eine Entscheidung zu treffen, die ihnen hilft, unnötige Schmerzen und Leiden am Ende ihres Lebens zu vermeiden.“
Scharfe Kritik der Katholischen Kirche
Die katholischen Bischöfe von Illinois hatten Pritzker in einem Brief vom 10. Dezember eindringlich aufgefordert, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen und stattdessen eine „einfühlsame, liebevolle Pflege, bereitgestellt durch geschultes Fachpersonal und/oder liebevolle Familienmitglieder“ am Lebensende zu gewährleisten.
Die Bischöfe erklärten, die Gesetzgebung habe „nichts mit Mitgefühl zu tun“. Obwohl das Gesetz vorschreibe, dass Patienten über Alternativen informiert werden müssen, „verlangt das Gesetz selbst nicht, dass der Person, die den Tod wünscht, Dienstleistungen angeboten werden.“ Sie warnten: „Es gibt keine Vorschrift, dass die Familie beim geliebten Menschen im Sterben sein muss oder dass die Person nicht zur Beendigung ihres Lebens genötigt wird.“
Bedenken der Behindertenverbände
Auch Behindertenrechtsorganisationen übten scharfe Kritik. Access Living, eine in Chicago ansässige Interessenvertretung, warnte, das Gesetz schade Menschen mit Behinderungen. Karen Tamley, Präsidentin und CEO der Organisation, erklärte, die Legalisierung setze einen gefährlichen Präzedenzfall, insbesondere vor dem Hintergrund von Kürzungen bei Medicaid und im Gesundheitswesen.
„Die Legalisierung des ärztlich assistierten Suizids in Illinois wird unsere Gemeinschaft dem subtilen, aber gefährlichen Druck aussetzen, unser Leben zu beenden, anstatt die Pflege zu erhalten, die wir benötigen“, so Tamley.
Warnung vor steigenden Suizidraten und Klagen
Die Bischöfe prognostizierten unter Berufung auf Studien, dass das Gesetz auch zu „mehr Suiziden in Illinois“ führen werde, da in anderen Jurisdiktionen, in denen Sterbehilfe legalisiert wurde, eine signifikante Zunahme der Gesamtsuizide festgestellt wurde.
Robert Gilligan, Geschäftsführer der Katholischen Konferenz von Illinois, kündigte an, dass sein Büro den Gesetzestext genau prüfen werde, um mögliche Rechtsstreitigkeiten in Bezug auf die Gewissensrechte von Ärzten vorzubereiten. Die American Medical Association (AMA) betont in ihrem Ethikkodex, dass „ärztlich assistierter Suizid grundsätzlich unvereinbar mit der Rolle des Arztes als Heiler ist.“
