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Templer und Drusen im 12.–13. Jahrhundert

Die Drusen, eine aus der ismailitischen Tradition hervorgegangene religiöse Gemeinschaft, lebten überwiegend im heutigen Libanon, Syrien und im südlichen Gebirge Galiläas. Sie bildeten im Hochmittelalter teilweise autonome Gemeinschaften, standen unter lokalen Emiren und hielten sich meist aus den großen Konflikten heraus.

Die Templer standen durch ihre Burgen und Patrouillen in einiger regionaler Nähe zu drusischen Gebieten, vor allem im Libanon und im Anti-Libanon-Gebirge. Direkte Feindseligkeiten sind kaum dokumentiert. Die Drusen waren religiös abgeschlossene Gemeinschaften, die Fremden gegenüber häufig vorsichtig oder abweisend auftraten.

2. Woher stammt die Behauptung?

Ab dem 18. und besonders im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich viele romantisierende oder esoterische Theorien über den Templerorden. Einige davon verbanden die Templer mit diversen „geheimen Nahosttraditionen“. Die Drusen spielten dabei eine besondere Rolle, weil:

  1. Die Drusen selbst ein initiatisches System besitzen, das nur Eingeweihten zugänglich ist.

  2. Die Drusen eine strenge Dualismuslehre haben (Licht vs. Finsternis), die manche mit templarischer Spiritualität oder gnostischen Strömungen in Verbindung brachten.

  3. Europäische Reisende des 18./19. Jahrhunderts die Drusen als ein „mysteriöses Volk mit Geheimlehre“ beschrieben.

  4. Einige Autoren behaupteten, die Drusen hätten Teile alter gnostischer, hermetischer oder neuplatonischer Lehren bewahrt – was wiederum gut in die spekulativen Templerdeutungen passte.

3. Typische Begründungsmuster der esoterisch-neotemplerischen Theorie

Es lassen sich vier Hauptargumentationslinien erkennen:

3.1 Geografische Nähe

Man verweist darauf, dass Templerburgen (z. B. Tortosa, Safita, Beaufort) nicht weit von drusischen Gebieten lagen. Daraus wird dann geschlossen, dass der Kontakt unvermeidlich gewesen sei.
Historisch korrekt.

3.2 Diplomatische Kontakte

Einige spekulieren, dass die Templer aufgrund ihrer pragmatischen Politik auch mit drusischen Emiren verhandelt haben könnten – ähnlich wie sie es nachweislich mit manchen muslimischen Herrschern taten.
Belegt ist das nicht; es ist eine reine Möglichkeit.

3.3 „Gemeinsame Geheimlehre“

Es wird behauptet, beide Gruppen seien Hüter einer „geheimen esoterischen Tradition“.
Diese Theorie ist spekulativ und basiert meist auf gnostisch-esoterischen Interpretationen.

3.4 Die These von der „Bruderschaft des Ostens“

Vor allem im 19. Jahrhundert wurde eine Idee populär, dass es im Nahen Osten eine uralte Geheimgemeinschaft gegeben habe – manchmal mit Namen wie „Brüder des Ostens“, „Der alte wachsame Orden“ oder ähnlich bezeichnet.
Templer und Drusen seien zwei Zweige derselben Tradition.

4. Moderne Templerorden und die Drusen

Verschiedene Gruppen verwenden die Verbindung zu den Drusen als symbolische oder spirituelle Behauptung, um folgende Gedanken zu unterstützen:

  • Die Templer hätten Zugang zu „östlichem Geheimwissen“ gehabt.

  • Die Templer seien nicht nur Ritter, sondern auch Eingeweihte gewesen.

  • Die Templer hätten eine synkretistische, überkonfessionelle Spiritualität gepflegt.

Diese Strömungen sind spirituell interessant, aber historisch nicht dokumentiert.

6. Warum hält sich der Mythos?

Weil er in ein beliebtes Narrativ passt:

  • geheimnisvoller Ritterorden

  • geheimnisvoller Nahost-Sektenorden

  • eine verborgene Bruderschaft, die „altes Wissen“ bewahrt

  • spirituelle Lehren, die aus Ost und West zusammenfließen

Diese Kombination fasziniert Menschen – und wird deshalb immer wieder aufgegriffen.

Fazit

Es ist möglich, dass es punktuelle Kontakte zwischen Templern und drusischen Gemeinschaften gab, einfach aufgrund der geografischen Nähe.
Es ist jedoch nicht historisch belegt, dass es eine spirituelle, organisatorische oder initiatische Verbindung gab.

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