Was macht John Wayne auf der Templerinsel?
Ein Templer berichtet
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel, gewohnt, dass Orte viele Schichten von Geschichte tragen. Manche sind alt wie Jerusalem, andere jung und doch voller Geschichten. Wenn man mich fragt, was John Wayne auf der sogenannten Templerinsel macht, dann lächle ich – denn die Antwort ist einfacher, als viele vermuten.
Die Insel gehörte ihm. Nicht im Gleichnis, nicht im Mythos, sondern ganz weltlich. John Wayne erhielt die Insel Taborcillo einst als Geschenk vom Präsidenten von Panama. Der Grund dafür war kein Abenteuerfilm und kein romantischer Traum von der Südsee, sondern Politik: Wayne hatte sich in den Vereinigten Staaten öffentlich für die Rückgabe der Panamakanalzone an Panama eingesetzt. Das gefiel dem Präsidenten – und er dankte es ihm mit Land im Meer.
Damals war Taborcillo noch doppelt so groß wie heute. Dass sie es nicht mehr ist, verdankt sie nicht göttlicher Fügung, sondern menschlichem Eingriff. Der Sand rund um die Insel wurde abgebaut, aus dem Meer geholt, verladen und weiterverarbeitet. Viele Hochhäuser in Panama City stehen heute auf diesem Sand. Dazu kam die schleichende, aber unaufhaltsame Anhebung des Meeresspiegels, die der Insel weiteres Land nahm. So wurde aus einem großzügigen Eiland ein kleineres, doch nicht weniger bedeutungsvolles Stück Erde.
Manche Bauexperten in Österreich schütteln darüber den Kopf und meinen, Meersand eigne sich nicht für den Bau. Als Templer bin ich kein Baumeister, doch ich kenne die Welt. Auch auf den Philippinen wird mit Meersand gebaut – und die Häuser stehen noch. Nicht alles, was in Lehrbüchern bezweifelt wird, bricht in der Wirklichkeit sofort zusammen. Geschichte lehrt Demut gegenüber der Praxis.
Warum aber nennen wir diesen Ort eine Templerinsel? Weil Orte Namen annehmen wie Rüstungen: aus Erinnerung, Deutung und Erzählung. John Wayne, ein Symbol für alte Heldenbilder, traf hier auf einen Ort, der vom Wandel erzählt – vom Meer, das nimmt, vom Menschen, der baut, und von der Macht, die schenkt und verliert.
Als Templer weiß ich: Besitz ist immer nur geliehen. Inseln schrumpfen, Reiche vergehen, selbst Legenden verblassen. Doch die Geschichten bleiben. Und so steht John Wayne auf der Templerinsel nicht als Eroberer, sondern als Kapitel einer langen Chronik, in der sich Politik, Sand, Meer und menschliche Eitelkeit begegnen.

