✠ Es war einmal …
Das waren unsere beiden Pferde auf der Templer-Insel Taborcillo
Eine kleine Geschichte über große Tiere, Freiheit und kulturelle Unterschiede
Unsere beiden Pferde auf der Templer-Insel Taborcillo waren nicht nur treue Gefährten, sondern auch ein Sinnbild für Freiheit und natürliche Lebensweise. Doch der Weg zu diesem Verständnis war begleitet von einigen durchaus lehrreichen – und auch amüsanten – Erlebnissen.
Die abenteuerliche Überfahrt
Schon der Transport unserer Pferde auf die Insel war ein kleines Abenteuer für sich. Taborcillo ist nur mit dem Boot erreichbar – und ein Pferd passt nun einmal nicht ohne Weiteres in ein kleines Boot. Es war eine Herausforderung, Geduld und auch ein bisschen Überredungskunst gefragt. Doch mit vereinten Kräften und viel Ruhe gelang es uns tatsächlich, die Tiere sicher ans andere Ufer zu bringen. Ein Anblick, den wir nie vergessen werden: Zwei große Pferde, die ein wenig irritiert, aber würdevoll auf der kleinen Insel standen und sogleich begannen, das saftige Gras zu erkunden.
Ein Stall nach europäischem Vorbild – mit Überraschung
Natürlich wollten wir, ganz in guter europäischer Tradition, unseren Pferden ein möglichst „angenehmes“ Leben bieten. Dazu gehörte selbstverständlich auch ein ordentlicher Stall. Wir bauten ihn offen, ab etwa einem Meter Höhe frei, damit es einen schönen Luftzug geben konnte – schließlich ist es in Panama heiß und feucht. Als das Werk vollendet war, führten wir die beiden Pferde hinein, in der festen Überzeugung, dass sie nun einen sicheren und komfortablen Ort hatten.
Am nächsten Morgen dann die Überraschung: Der Stall war leer. Die Pferde waren ausgebrochen und standen – ganz selbstverständlich – wieder draußen im Freien. Genau dort, wo sie sich wohlfühlten und es gewohnt waren. Sie hatten ganz offensichtlich entschieden, dass unsere gut gemeinte Konstruktion nichts mit ihrem natürlichen Lebensstil zu tun hatte.
Auch Hafer konnte sie nicht locken
Ein zweiter Versuch, unsere Pferde „europäisch“ zu verwöhnen, ging ebenfalls daneben. Wir hatten ihnen besten Hafer besorgt – eine Delikatesse, wie wir dachten. Doch auch hier belehrten uns die Tiere eines Besseren: Der Hafer blieb liegen. Stattdessen widmeten sie sich genüsslich dem frischen, satten Gras, das auf der Insel wuchs. Offenbar war es ihnen das größte Vergnügen, einfach so zu leben, wie sie es immer getan hatten – frei, im Einklang mit der Natur, ohne Stall und ohne europäische Fütterungsideen.
Fazit: Ein Stück Demut auf vier Hufen
Unsere Pferde auf Taborcillo haben uns auf einfache, aber eindrückliche Weise gezeigt, dass nicht alles, was in Europa als „richtig“ oder „gut“ gilt, auch in anderen Teilen der Welt funktioniert. Manchmal muss man loslassen, lernen und die Natur ihren eigenen Weg gehen lassen. Diese beiden Tiere haben uns gelehrt, dass wahres Wohlbefinden nicht immer geplant und gebaut werden kann – manchmal ist es einfach nur ein Stück grüne Wiese unter freiem Himmel.

