Castrum Dumi – Die Rote Zisterne am Wege nach Jerusalem
Aufgezeichnet im Geiste eines Bruders der Armen Ritterschaft Christi über eine Wächterburg im östlichen Grenzland
Lage und Auftrag der Feste
Die Burg, die man nannte Castrum Dumi — in späterer Zeit auch La Cisterne Rouge — erhob sich im kargen, steinigen Land östlich von Jerusalem, nahe dem heutigen Gebiet von Ma’ale Adumim.
Sie lag an der alten Straße:
- von Jericho hinauf nach
Jerusalem
Ein Weg von großer geistlicher wie strategischer Bedeutung, denn über ihn zogen:
- Pilger zum Heiligen Grab,
- Händler aus dem Jordantal,
- Heere in Zeiten des Krieges.

Gründung und templischer Besitz
Die Anlage entstand in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in jener Zeit, da das Königreich Jerusalem seine Pilgerstraßen sichern musste.
Es gilt als wahrscheinlich, dass Castrum Dumi von Beginn an in den Händen unseres Ordens war.
Unsere Aufgabe dort war klar umrissen:
- Schutz der Pilger
- Sicherung des Straßenabschnitts
- Beobachtung von Bewegungen im Jordantal
So war die Burg weniger Residenz als Wachposten — ein Schild an der Straße des Heils.
Baugestalt der Anlage
Castrum Dumi war nicht groß, doch zweckmäßig und wehrhaft erbaut.
Ihr Grundriss:
- trapezförmig
- maximal etwa 60 × 70 Meter
Die äußere Verteidigung wurde verstärkt durch:
- einen Trockengraben,
der Angreifer auf Abstand hielt und Belagerungsgerät erschwerte.
Der zentrale Wehrturm
Im Herzen der Anlage erhob sich der Hauptturm — das eigentliche Bollwerk der Burg.
Seine Merkmale:
- zweigeschossig
- Grundfläche etwa 8,5 × 9 Meter
- Mauern von rund 3 Metern Stärke
Das Untergeschoss war mit einem Tonnengewölbe versehen — robust, feuerfest und geeignet zur Lagerung von Vorräten oder als letzter Rückzugsraum im Belagerungsfall.
Die lebenswichtige Zisterne
Wie alle Burgen im trockenen Ostland war Castrum Dumi auf eigene Wasserversorgung angewiesen.
Eine Zisterne sicherte:
- Trinkwasser
- Versorgung der Besatzung
- Durchhaltefähigkeit bei Belagerung
Der spätere Name „La Cisterne Rouge“ erinnert bis heute an diese lebensspendende Anlage — vielleicht auch an die rötliche Färbung des umliegenden Gesteins.
Verlust nach der Katastrophe von Hattin
Das Schicksal der Burg war untrennbar verbunden mit der großen Niederlage der Christenheit im Osten:
der Schlacht von Hattin im Jahre 1187.
Nach diesem Sieg eroberte
Saladin
Jerusalem und zahlreiche Festungen.
Auch Castrum Dumi fiel in muslimische Hand — wie viele kleinere Stützpunkte, die ohne Entsatz nicht zu halten waren.
Mit dem Verlust Jerusalems verlor die Burg ihren ursprünglichen Auftrag — den Schutz der Pilgerstraße.
Bedeutung im Netz der Pilgerburgen
Obwohl klein, war Castrum Dumi ein wichtiges Glied im Verteidigungssystem:
- Es sicherte einen gefährlichen Wüstenanstieg.
- Es bot Rast und Schutz vor Überfällen.
- Es verband Jerusalem mit dem Jordantal.
Solche Burgen waren wie Perlen an einer Schnur — jede einzeln unscheinbar, gemeinsam jedoch lebenswichtig.
Schlusswort eines Bruders
Heute stehen nur noch Ruinen in der roten Einöde.
Doch wer den Weg von Jericho nach Jerusalem geht, mag sich erinnern:
Hier wachten Brüder des Tempels,
damit Pilger sicher zur Heiligen Stadt gelangten.
Hier wurde Wasser gehütet wie Gold,
und Gebet gesprochen unter steinernen Gewölben.
Mögen Mauern zerfallen —
der Dienst am Pilger bleibt ein Werk, das vor Gott nicht vergeht.
