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Das Kreuz der Tempelritter

Symbol, Auftrag und Wandel eines heiligen Zeichens

Unter all den Emblemen, die den Templerorden im kollektiven Gedächtnis des Abendlandes prägen, nimmt das Kreuz eine herausragende Stellung ein. Es ist nicht nur ein äußeres Abzeichen, sondern Ausdruck einer geistigen Berufung, eines Gelübdes und einer militanten Nachfolge Christi. Wer aus templarischer Sicht über dieses Symbol spricht, spricht über den Kern des Ordens: den Dienst in der militia Christi.

Das Kreuz auf dem Habit: Ausdruck des ewigen Kreuzfahrerstatus

Wie die päpstliche Bulle Omne Datum Optimum aus dem Jahr 1139 bezeugt, trugen die Templer spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Kreuz auf der Brust ihres Habits. Die Templer waren nicht wie gewöhnliche Pilger nur für die Dauer einer einzelnen Unternehmung kreuzgezeichnet, sondern permanent.

Während des Ersten Kreuzzuges hatten sich die bewaffneten Pilger Kreuze aus Stoff auf ihre Gewänder geheftet und wurden daher cruce signati genannt. Die Templer hingegen führten dieses Zeichen fort – nicht als temporäres Gelübde, sondern als dauerhaftes Bekenntnis.

Die Bulle fasst den Sinn des Kreuzes unmissverständlich zusammen:

„[…] ad comprobandum quod in Dei militia specialiter computemini, signum vivifice crucis in vestro pectore assidue circumfertis.“
(Zum Zeichen, dass ihr auf besondere Weise im Heeresdienst Gottes steht, tragt ihr das lebensspendende Kreuz unablässig auf eurer Brust.)

Das Kreuz war somit Identität, Verpflichtung und geistliche Rüstung.

Die Einführung des roten Kreuzes

Der Chronist Wilhelm von Tyrus berichtet, dass die Templer seit der Zeit Papst Eugens III. ein rotes Kreuz auf ihrem Mantel trugen. Beide Fassungen seiner Chronik – die lateinische und die französische – bestätigen dies, wenngleich sie offenlassen, ob der Papst selbst die Anordnung erließ oder ob dies im Rahmen eines Ordenskapitels beschlossen wurde.

Die französische Übersetzung formuliert klar:

„el tens pape Eugenes fut commandé que il couisissent en leur chapes et en leur mantiaus croiz de dras rouges.“
(Zur Zeit Papst Eugens wurde angeordnet, dass sie Kreuze aus rotem Stoff auf ihre Mäntel nähten.)

Vermutlich geschah dies auf dem Pariser Ordenskapitel von 1147, ein Ereignis, das später in der Kunst – etwa im bekannten Gemälde F. M. Granets für die Salles des Croisades – entsprechend dargestellt wurde.

Mit dem roten Kreuz unterschied sich der Templerorden deutlich von anderen militärisch-religiösen Gemeinschaften und erhielt ein Kennzeichen, das später zum unverwechselbaren Attribut seiner Ritter wurde.

Die Form des Kreuzes: historische Zeugnisse

Entgegen den Vorstellungen moderner Darstellungen war die Form des Templerkreuzes im 12. und 13. Jahrhundert nicht einheitlich festgelegt. Die wenigen authentischen Bildquellen – beschriftete Grabplatten, Miniaturen aus Handschriften, Siegel – zeigen:

  • ein einfaches gleicharmiges Balkenkreuz,

  • manchmal mit kleinen Querbalken an den Enden,

  • gelegentlich ein kantiges Tatzenkreuz,

  • in seltenen Fällen ein geschwungenes Tatzenkreuz, das bereits stilisierte Formen aufweist.

Diese Unterschiede erklären sich weniger durch Ordensrecht als durch:

  • künstlerische Freiheit der Miniaturisten,

  • regionale Stilelemente,

  • handwerkliche Traditionen.

Wichtig ist: Das klassische, geschwungene Tatzenkreuz, wie es später in der Neuzeit populär wurde, war zur Zeit des Templerordens noch nicht dominant.

Einfluss auf spätere Orden und Symbole

Auch das Kreuz des Deutschen Ordens, das später als schwarzes Kreuz berühmt wurde, entwickelte sich aus dem einfachen Balkenkreuz, das die frühen Templer führten. Erst im Laufe der Zeit kam es zur stärkeren stilistischen Ausformung, aus der viele Jahrhunderte später das Eiserne Kreuz hervorging.

Diese Entwicklung ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die templarische Symbolik – bewusst oder unbewusst – in der europäischen Heraldik und Auszeichnungskultur weiterwirkte.

Moderne Darstellungen: ein Nebeneinander von historischen und anachronistischen Formen

Templerbildnisse aus Spätmittelalter und Neuzeit verwenden häufig Kreuzformen, die historisch nicht eindeutig belegbar sind, darunter:

  • das rote Tatzenkreuz in verschiedenen Varianten,

  • das Kreuz des Johanniterordens,

  • teils auch das redende Wappenkreuz späterer Ordensnachfolger.

Moderne „Neo-Templer“-Bewegungen greifen ebenfalls zu einem breiten Spektrum von Kreuzformen. Einige Organisationen benutzen ein rotes achtspitziges Kreuz, das typischerweise dem Johanniterorden zugeordnet ist. Historisch ist dieses Symbol bei den Templern nicht nachweisbar.

Auch bei den Johannitern selbst erscheint das achtspitzige Kreuz erst im frühen 14. Jahrhundert, also nach der Auflösung des Templerordens.

Schlussbetrachtung: Das Kreuz als Verpflichtung, nicht als Schmuck

Für den Templer ist das Kreuz kein äußeres Erkennungszeichen allein. Es ist:

  • Bekenntnis zu Christus,

  • Zeichen des ewigen Kreuzfahrerstatus,

  • Mahnung zur inneren Ritterlichkeit,

  • und Symbol des geistigen Dienstes.

Es erinnert uns daran, dass der Templer in der militia Christi steht – nicht als Kämpfer um irdische Herrschaft, sondern als Diener der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Verteidigung des Schwachen.

Ob Balkenkreuz oder Tatzenkreuz: Entscheidend ist nicht die Form, sondern das, worauf sie verweist – den Auftrag, die innere und äußere Welt im Licht Christi zu gestalten.

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