✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Die Anfänge des Templerordens

Der Aufstieg einer neuen Ritterschaft

Der Wandel vom pazifistischen Christentum zur christlichen Ritterschaft

Die Ursprünge des Templerordens liegen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen innerhalb des christlichen Denkens über Gewalt und Krieg. Während die frühe Christenheit bis in die Zeit Kaiser Konstantins pazifistisch geprägt war und das Führen von Waffen ablehnte, wandelte sich dieses Selbstverständnis grundlegend mit der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion. Der Schutz des „Gottesreiches auf Erden“ unter einem von Gott eingesetzten Kaiser gegen heidnische oder häretische Gegner trat nun in den Vordergrund – der Keim für das Ideal des miles Christi, des „Soldaten Christi“, war gelegt.

Im frühen 5. Jahrhundert legte der Kirchenvater Augustinus mit seiner Lehre vom Gerechten Krieg die erste theologische Grundlage für eine legitime christliche Kriegsführung: Der Krieg musste von einer rechtmäßigen Autorität befohlen werden, auf das Ziel der Wiederherstellung einer gerechten Ordnung ausgerichtet sein und durfte nicht aus Hass oder Habgier geführt werden. Später wurde diese Vorstellung weiterentwickelt – insbesondere im Rahmen der sogenannten Gottesfriedensbewegung, welche zur Sakralisierung des Krieges führte. Diese Entwicklung mündete schließlich im Heiligen Krieg des Ersten Kreuzzugs, der den Kämpfern spirituelle Verdienste und sogar Märtyrertum im Todesfall versprach.

Gründungslegenden und historische Unsicherheiten

In diese neue geistige Weltordnung ordnet sich die Entstehung des Templerordens ein. Die genauen Umstände der Gründung liegen jedoch im Dunkeln und werden von den Quellen unterschiedlich dargestellt. Eine der bekanntesten Versionen stammt von Wilhelm von Tyrus, der im 12. Jahrhundert berichtete, dass sich im Jahr 1118 eine kleine Gruppe von Rittern unter der Führung von Hugues de Payens und Geoffroi de Saint-Omer dem Patriarchen von Jerusalem unterstellte und die drei klassischen Mönchsgelübde – Armut, Keuschheit und Gehorsam – ablegte. König Balduin II. überließ ihnen daraufhin einen Teil seines Palastes, der sich auf dem Gelände des ehemaligen salomonischen Tempels befand. Von dort leitet sich auch der Name „Templer“ ab. Ihre Aufgabe: der Schutz der Pilger und die Sicherung der Wege zu den heiligen Stätten.

Wilhelm berichtet, dass die Bruderschaft in den ersten neun Jahren nur aus neun Rittern bestanden habe – eine symbolische Zahl, die offenbar bewusst zur Darstellung einer geheimnisvollen Ursprungslegende gewählt wurde. Auch andere Quellen erwähnen diese Zahl, etwa während der Inquisition gegen den Orden im Jahr 1311, als der Notar Antonius Sicci aussagte, die ersten beiden Brüder seien neun Jahre lang allein geblieben, bevor sich ihnen neun weitere anschlossen. Diese mythologisierende Darstellung war möglicherweise Teil der spirituellen Selbstdarstellung des Ordens.

Weitere Zeugnisse und Varianten der Entstehungsgeschichte

Andere Chronisten zeichnen abweichende Bilder. Simon von Saint-Bertin berichtet 1136, dass die Gründung auf Anregung der Kreuzfahrerfürsten zurückgehe, die den Rittern rieten, sich Gott zu weihen und ein monastisches Leben mit dem bewaffneten Schutz der Heiligen Stätten zu verbinden. Die Chronique d’Ernoul hingegen schildert, dass schon nach der Eroberung Jerusalems 1099 Männer nach geistlicher Gemeinschaft und brüderlichem Zusammenleben strebten. Zunächst seien sie den Kanonikern des Heiligen Grabes unterstellt gewesen. Erst später, als sie sich zur bewaffneten Hilfe für das Land entschlossen und einen eigenen Meister wählten, sei ihnen von König Balduin II. Land und Burgen übertragen worden.

Auch Michael der Syrer berichtet von Hugues de Payens, allerdings in Begleitung von dreißig Gefährten, die ursprünglich drei Jahre dem König dienen und dann ins klösterliche Leben eintreten wollten. Letztlich habe der König sie überzeugt, im Militärdienst zu bleiben. Walter Map schließlich stellt Hugues als Einzelkämpfer dar, der zum Schutz der Pilger an einer besonders gefährlichen Stelle selbst aktiv wurde und sich nach und nach Gefährten suchte.

Vom Bruderschaftsideal zum anerkannten Orden

Es scheint wahrscheinlich, dass die Ursprünge des Templerordens in einer Bruderschaft liegen, die eng mit den Kanonikern des Heiligen Grabes verbunden war. Solche Laienbruderschaften, auch „Kanonikalkonversen“ genannt, waren in der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches. Sie verbanden sich mit geistlichen Gemeinschaften, um durch Bußübungen und Dienst an der Kirche ein gottgefälliges Leben zu führen, ohne formell Mönche zu sein. Hugues de Payens und Geoffroi de Saint-Omer dürften aus einer solchen Bruderschaft hervorgegangen sein, mit dem Ziel, Pilger zu schützen.

Spätestens im Jahr 1120 – möglicherweise auf dem Konzil von Nablus – wurde diese Bruderschaft offiziell von der Bindung an die Kanoniker des Heiligen Grabes gelöst. Die Brüder legten ihre Gelübde nun direkt vor dem Patriarchen von Jerusalem ab und wurden so eine eigenständige geistliche Gemeinschaft unter kirchlicher Gerichtsbarkeit. Ihnen wurde ein Teil des alten Königspalastes überlassen, der den Namen „Salomos Tempel“ trug und an die Kirche „Santa Maria vom Tempel“ (heute: Al-Aqsa-Moschee) grenzte.

Der Einfluss Bernhards von Clairvaux und die Anerkennung durch die Kirche

Die junge Gemeinschaft stand allerdings vor einem theologischen Dilemma: Wie konnte man Mönch und Krieger zugleich sein? Zwar galt der Kampf gegen Ungläubige als legitim, doch Ordensleuten war der Krieg eigentlich verboten. Um diese Spannungen zu lösen, wandte sich König Balduin II. an den einflussreichen Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux. Auf dessen Initiative hin reiste Hugues de Payens 1128 nach Europa, um Unterstützung für den Orden zu gewinnen.

Bernhard unterstützte das neue Konzept der militia Christi ausdrücklich. In seiner berühmten Schrift „De laude novae militiae“ („Lob der neuen Ritterschaft“) rechtfertigte er die Vereinigung von Mönchtum und Rittertum – ein revolutionärer Gedanke. Im selben Jahr rief Papst Honorius II. ein Konzil in Troyes zusammen, bei dem der Orden offiziell bestätigt wurde. Die Synode unter der Leitung von Kardinal Matthäus von Albano und mit Bernhard von Clairvaux als prominentem Unterstützer approbierte die erste Regel des Ordens.

Fazit: Eine neue Form geistlich-militärischer Gemeinschaft

Mit der Approbation von 1129 wurde der Templerorden zur ersten geistlichen Ritterschaft der Kirche – ein Novum in der Geschichte des Christentums. Aus einer kleinen brüderlichen Gemeinschaft, die aus dem Geist der Gottesfriedensbewegung hervorging, entwickelte sich eine mächtige Institution mit weltweiter Ausstrahlung.

Die Anfänge des Ordens zeigen dabei nicht nur eine pragmatische Reaktion auf die militärische Bedrohung der Pilger in Palästina, sondern auch einen tiefen geistigen Wandel innerhalb der Kirche selbst: Der Templerorden war Ausdruck einer neuen Synthese von Spiritualität und bewaffneter Verteidigung des Glaubens – ein Modell, das die mittelalterliche Welt nachhaltig prägen sollte.

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