Erneut morden mit „Allahu Akbar“
Das Thema, warum einige Muslims im Namen des Islam Gewalt ausüben und dabei religiöse Parolen wie „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) rufen, erfordert differenzierte Betrachtungen. Eigentlich beten Juden, Christen und Muslime ja den selben Gott an.
Im Islam gibt es im Koran keine eindeutigen Aufforderungen zum Mord an Unschuldigen. Vielmehr betont der Koran in vielen Stellen Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
Zum Beispiel heißt es im Koran:
- „Und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat zu töten, es sei denn in gerechtem Recht.“ (Sure 6:151)
- „Wer einen Menschen tötet – es sei denn, es geschieht als Vergeltung für einen Mord oder weil er auf der Erde Unheil stiftet – so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ (Sure 5:32)
Diese und andere Stellen zeigen, dass das Töten von Unschuldigen im Islam strengstens untersagt ist.
Worauf berufen sich Terroristen?
Terrorgruppen und Extremisten verdrehen und missbrauchen oft bestimmte Texte aus dem Koran, um ihre Handlungen zu rechtfertigen. Sie entnehmen Verse aus ihrem Kontext, interpretieren sie auf eine extreme Weise und verwenden sie zur Legitimation ihrer Gewalt.
Solche Gruppen beziehen sich oft auf Verse, die in Kriegszeiten offenbart wurden, wie zum Beispiel in der Sure 9 (bekannt als die „Reue-Sure“), in der es um Konflikte mit Polytheisten (vom altgriechisch polys ‚viel’, und altgriechisch θεοί theoi, deutsch Vielgötterei bezeichnet) geht. Diese Verse wurden jedoch in einem sehr spezifischen historischen Kontext offenbart, der die damalige Verteidigung der muslimischen Gemeinschaft gegen Angriffe betraf.
Ein Beispiel ist der oft missbrauchte Vers:
- „Und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben haben. Denn die Verführung zum Unglauben ist schlimmer als Töten.“ (Sure 2:191)
Dieser Vers bezieht sich auf die Kämpfe zwischen den Muslimen und ihren Feinden während der frühen islamischen Zeit und ist kein allgemeiner Aufruf zu Gewalt. Solche Verse werden von Extremisten jedoch bewusst aus dem Kontext gerissen und als universelle Anweisungen dargestellt.
Politische und ideologische Hintergründe
Es ist auch wichtig zu betonen, dass viele Terroristen nicht allein aus religiöser Überzeugung handeln. Oft sind es auch politische, wirtschaftliche und soziale Faktoren, die eine Rolle spielen. Religion wird dann als Instrument verwendet, um Anhänger zu rekrutieren und ihre Gewaltakte zu rechtfertigen. Extremistische Ideologien wie der sogenannte „Dschihadismus“ verdrehen den Begriff „Dschihad“, der im Islam in erster Linie für den inneren Kampf um ein gerechtes Leben steht, zu einem gewalttätigen Kampf gegen Andersdenkende.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Koran keine legitime Grundlage für terroristische Akte bietet. Terroristen berufen sich auf verzerrte Interpretationen und Missdeutungen, um ihre Taten zu rechtfertigen, und handeln im Widerspruch zu den grundlegenden Lehren des Islam.
