⚔️ Gedanken am 15. September
Der Eisberg des Geistes – Das Unsichtbare suchen
Es lehrt uns Bescheidenheit, wenn wir erkennen, wie sehr unser Geist dem sprichwörtlichen Eisberg ähnelt: Der größte Teil seiner Masse liegt unsichtbar unter der Oberfläche. Nur ein kleiner Teil ragt sichtbar empor – jener Bereich, den wir „Bewusstsein“ nennen.
Doch der weitaus größere, tiefere Teil bleibt verborgen – das Unbewusste, das Reich der Träume, der Archetypen, der verdrängten Erinnerungen und der göttlichen Bilder.
Die Suche an der falschen Stelle
Allzu oft suchen wir Weisheit, Gott oder die Lösung unserer Probleme nur im sichtbaren, logischen Teil des Lebens. Wir halten uns an das, was klar erkennbar ist, und meiden die Dunkelheit der Tiefe, in der die wahren Schlüssel verborgen liegen.
Eine alte Geschichte macht dies deutlich:
Ein Betrunkener sucht nachts unter einer Straßenlaterne nach seinen verlorenen Schlüsseln. Ein freundlicher Passant will helfen und fragt:
„Wo genau haben Sie die Schlüssel verloren?“
Der Betrunkene zeigt auf ein dunkles Grundstück auf der anderen Straßenseite. Der Helfer ist verwirrt:
„Warum suchen Sie dann hier?“
Die Antwort des Betrunkenen ist schlicht – und doch entlarvend:
„Weil man hier mehr sieht.“
So handeln auch wir oft. Wir suchen dort, wo es hell ist, wo es bequem erscheint – im Logischen, im Gewohnten, im Oberflächlichen. Doch die Schlüssel unserer Seele liegen meist im dunkleren Bereich, im Unbekannten und Unbewussten.
Mut zur Tiefe
Die Lehre lautet: Wir dürfen uns nicht scheuen, in jene Bereiche vorzudringen, die im Dunkeln liegen – in die Welt der Träume, der Archetypen, der Symbole. Denn dort offenbart sich das Geheimnisvolle, dort finden wir Antworten, die im Licht der reinen Vernunft nicht zu erlangen sind.
Templerarbeit
Gebet:
Gedankt sei Dir, Großer Geist, für diesen Spätsommermorgen und für mein allmähliches Gewahrwerden der verborgenen Welten, der inneren Bereiche meiner Psyche und ihrer geheimnisvollen Beziehung zur äußeren Welt der Formen. Hilf mir, aufmerksam zu bleiben für die außer-sinnliche Welt, für die Welt der Träume, Archetypen und Vorstellungen.
Übung:
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Traumerinnerung vorbereiten
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Lege heute Abend Stift und Notizblock neben dein Bett.
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Nimm dir fest vor: „Morgen werde ich mich an wenigstens einen Traum erinnern.“
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Am Morgen
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Frage dich direkt beim Aufwachen: „Was habe ich gerade geträumt?“
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Verlasse das Bett noch nicht, sondern lasse den Traum innerlich vorüberziehen.
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Aufzeichnen
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Schreibe den Traum in der Ich-Form und in der Gegenwart auf.
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Gib ihm eine passende Überschrift, die sein Wesen ausdrückt.
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Geduld bewahren
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Vielleicht gelingt es nicht sofort. Es kann mehrere Nächte dauern, bis die Absicht stark genug ist, um den Zugang zur Traumwelt zu öffnen.
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Doch mit Ausdauer wird sich die Tür zu dieser verborgenen Wirklichkeit öffnen.
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Fazit
Der Geist gleicht einem Eisberg. Nur wer wagt, in die Tiefe zu tauchen, findet die Schlüssel des Lebens. Das Licht der Laterne ist nicht immer der richtige Ort zum Suchen. Manchmal liegt das Wertvolle gerade dort, wo wir uns in die Dunkelheit des Unbewussten wagen müssen.
So lernen wir Templer: Das Unsichtbare ist ebenso real wie das Sichtbare – und oft weit bedeutungsvoller.
