✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

⚔️ Gedanken am 29. September

Vollkommenheit und Ganzheit – Zwei Wege des Geistes

Der trügerische Glanz der Vollkommenheit

Der Chemiker in Hawthornes Erzählung war von einem gefährlichen Archetypus besessen: der Vollkommenheit. Da er sein eigenes unerfülltes Verlangen nach Fehlerlosigkeit nicht anerkennen konnte, projizierte er es auf seine Frau. Die Tragödie nahm ihren Lauf: Im Ringen um das Makellose zerstörte er das Lebendige.

Die Vollkommenheit ist eine hinterhältige kleine Teufelin. Sie lockt uns mit ihrem verführerischen Glanz und doch raubt sie uns das Wesentliche. Wer ihr blind folgt, verliert das Herz. Wer ihr jedoch die Stirn bietet, wird durch sie nicht in den Abgrund gestoßen, sondern zum Durst nach wahrer Ganzheit geführt.

Was ist Ganzheit?

Ganzheit ist nicht das makellose Bild eines perfekten Menschen, sondern ein inneres Reifen. Sie zeigt sich in zwei Haltungen:

  • Die Würde, mit der wir unbeirrt weitermachen.
    Ganzheit bedeutet, unsere Irrtümer einzugestehen, ohne uns selbst zu verdammen. Jeder Fehler weist uns auf einen verborgenen Pfad hin, auf eine Richtung, die unser Leben ergreifen möchte.

  • Die Gelassenheit, mit der wir unseren Schatten annehmen.
    Nicht selbstgefällig, sondern in Demut erkennen wir den „bösen Zwilling“ in uns. Indem wir ihn bewusst in unser Sein einbeziehen, verhindern wir, dass er heimlich die Kämpfe entfacht, die wir im Licht nicht sehen wollen.

So ist Ganzheit die Brücke, die das Unvollkommene mit dem Ewigen verbindet.

Templerarbeit

  • Verweile für ein paar Minuten im Gebet der Sammlung oder in der Shamatha-Vipassana-Meditation.

  • Wäge in deiner Seele den Unterschied zwischen Vollkommenheit und Ganzheit ab.

  • Frage dich: Folge ich der trügerischen Maske des Makellosen, oder öffne ich mich der stillen Kraft, die im Ganzsein wurzelt?

Fazit

Die Vollkommenheit trennt, die Ganzheit heilt. Der Templer wählt den Weg der Ganzheit – er schreitet voran in Würde, bekennt seine Irrtümer und umarmt seinen Schatten. Auf diese Weise verwandelt er das Leben selbst in einen Tempel, in dem Gott Wohnung nehmen kann.

Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.

Schreibe einen Kommentar