Komturei Almersbach
Spuren der Templer im Westerwald
Almersbach, eine kleine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen im Westerwald, birgt in ihrer Geschichte stille Hinweise auf eine mögliche Niederlassung des Templerordens. Auch wenn die Zeugnisse bruchstückhaft erscheinen, so fügen sie sich doch zu einem Bild, das den Geist der damaligen Zeit erkennen lässt.
Ursprung und geschichtlicher Rahmen
Um das Jahr 1220 begannen die rheinischen Grafschaften, die großen Ritterorden zu unterstützen. Die Teilnahme der Grafen von Sayn, von Isenburg-Wied und von Jülich am Fünften Kreuzzug legte hierfür den Grundstein. In dieser Zeit könnte in Almersbach eine kleine Niederlassung der Templer entstanden sein – vermutlich kein großer Konvent, sondern eher ein Hospiz für Händler und Pilger, die auf den Handels- und Pilgerwegen durch das Land zogen.
Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass die Pfarrei Almersbach in den Jahren 1200 bis 1330 nicht in den Steuerlisten der Diözesen Köln oder Trier aufgeführt wird. Ein solcher Umstand deutet darauf hin, dass die Versorgung der Niederlassung eigenständig geregelt war – ein Hinweis auf templarische Strukturen.
Schutz der Straßen und kirchliche Eingriffe
Zur Zeit der Prozesse gegen die Templer finden wir einen bemerkenswerten Hinweis: Der Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt schrieb am 27. September 1309 an seinen Amtsbruder in Bremen und bat, die Untersuchungen gegen den Orden einzustellen. Er begründete dies damit, dass die Unsicherheit auf den Straßen sonst zunehmen würde, was größere Geleitschaften erforderlich mache – Kosten, die er nicht tragen konnte.
Diese Äußerung belegt, dass die Templer auch im Westerwald eine Rolle beim Schutz der Wege und Reisenden spielten.
Abgaben und Eigenversorgung
Ab etwa 1320 verpflichtete das Bistum Trier die Pfarrei Almersbach zur Zahlung von Abgaben. Damit verliert sich die besondere Stellung, die zuvor bestanden haben muss. Das mutmaßliche Hospiz in Almersbach dürfte sich in erster Linie durch das Kirchengut erhalten haben.
Quellen wie Höroldt und Ramseger berichten, dass das Pfarrgut von Almersbach gut ausgestattet war. Die Pfarrer versorgten sich und ihre Helfer durch Landwirtschaft und durften zudem Gebühren für Amtshandlungen erheben. So verband sich die wirtschaftliche Selbständigkeit mit der geistlichen Aufgabe.
Untergang und Nachwirkungen
Die Tradition will es, dass das Hospiz – im Volksmund manchmal auch als „Kloster“ bezeichnet – bis in die Schwedenzeit Bestand hatte. Vermutlich wurde es in den Wirren der Zeit zerstört. Doch wie so oft in der Geschichte wurden die Baumaterialien der alten Gebäude für den Wiederaufbau des Unterdorfes genutzt.
Von den Fundamenten des Hospizes dürfte spätestens im 19. Jahrhundert nichts mehr erhalten gewesen sein. Die umfangreichen Erdbewegungen zur Anlage der Wiesenbaukultur und Drainage zwischen den Hügelparzellen haben die letzten Spuren ausgelöscht.
Bedeutung für den Orden
Auch wenn heute nur wenige sichtbare Reste an die Komturei Almersbach erinnern, so bleibt ihre geistige Bedeutung bestehen. Sie war ein Ort der Gastfreundschaft, des Schutzes und der Fürsorge, eingebettet in den Pilgerwegen und Handelsrouten des Westerwaldes.
In Almersbach zeigt sich, wie die Templer auch in kleineren Orten ihre Mission des Dienstes erfüllten – unscheinbar, doch wirkkräftig im Leben der Menschen.
